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Die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel, die Temperaturen klettern langsam aber konstant in immer unangenehmere Höhen, bis auf einhundertsiebzehn Grad Fahrenheit, also etwa siebenundvierzig Grad Celsius. Ein Ende der Hitzewelle ist nicht in Sicht. Auch Frank (Ben Murphy) und Laura Taylor (Bonnie Bedelia) stöhnen unter der Hitze, und als das Wasser knapp wird und sogar der Strom ausfällt, entscheiden sie sich schließlich, die Stadt zu verlassen und im Wochenendhäuschen von Lauras Eltern in den Bergen Zuflucht zu suchen, wo sie die Bekanntschaft der jungen Tramper Jerry (Lionel Johnston) und Susan (Janit Baldwin), des gierigen Geschäftsmannes Arnold Brady (David Huddleston) sowie des verzweifelten Toler (John Anderson) machen. Die Hoffnung, daß es dort etwas kühler ist, erfüllt sich jedoch nicht, sehr zum Leidwesen von Laura, die im siebten Monat schwanger ist. Zwar meint Dr. Grayson (Lew Ayres), daß kein Grund zur Sorge besteht, aber als es zu einer Frühgeburt kommt, spitzt sich die Situation doch noch dramatisch zu.

Dieser kaum bekannte Fernsehfilm - ein "Movie of the Week" des US-Senders ABC - schildert ein schweißtreibendes Katastrophenszenario, das vielleicht schon in absehbarer Zeit Realität werden könnte. Stichwort: Klimawandel. Wie es ist, mit diesen höllischen Temperaturen zu leben, wird durchaus glaubhaft veranschaulicht. Die auf Hochtouren laufenden Klimageräte verbrauchen mehr Strom, als erzeugt wird. Das Wasserreservoir geht zur Neige, in den Supermärkten decken sich die Menschen mit Hamsterkäufen ein. Bäche trocknen aus, die Arbeit wird niedergelegt, Fische treiben tot in den Aquarien, Schwächeanfälle stehen auf der Tagesordnung. Und überall erschöpfte, schlecht gelaunte, gereizte Menschen mit schweißbedeckter Haut, die leichte Kleidung völlig durchgeschwitzt. Regisseur Jerry Jameson (Brute Corps), seine Drehbuchautoren sowie die Schauspieler vermitteln gut, wie hilflos der Mensch im Angesicht der verrücktspielenden Natur ist. Eine wahrlich beklemmende Situation, nüchtern, humorlos und "trocken" in Szene gesetzt.

Leider biegt Heatwave! dann falsch ab und versumpft zusehends im Melodrama, das zwar ansprechend inszeniert und leidlich unterhaltsam ist, das aber nicht sonderlich berührt und aufgrund einer gewissen Vorhersehbarkeit auch nicht wirklich mitreißt. Den Darstellern kann man keinen Vorwurf machen, die agieren recht überzeugend. Bonnie Bedelia, die erst viele Jahre später als Holly Gennaro McClane in Die Hard die Berühmtheit erlangte, die ihr zusteht, ist als Laura die Sympathieträgerin des Streifens, die besonders unter der Hitze zu leiden hat, sich aber als zähe Kämpferin erweist. Ben Murphy (Time Walker) als ihr Mann Frank kommt weit weniger sympathisch rüber, gewinnt jedoch im Laufe des Filmes an Profil und gibt einen passablen Helden ab. In Nebenrollen agieren Lew Ayres (Damien: Omen II), David Huddleston (The Big Lebowski) und Janit Baldwin (Ruby). Das Ende dieses soliden Katastrophendramas, das gänzlich ohne Spezialeffekte auskommt, kommt dann sehr plötzlich, dafür mit naiv-hoffnungsfroher Botschaft, die schwer zu schlucken ist.

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