Review

Inhalt:
Der junge Wissenschaftler Stefano besucht seinen Bruder, der seine Brötchen als Pfarrer in Venedig verdient. In der Nacht beobachtet der Geistliche einen Mord und wird fortan schriftlich und massiv zur Verschwiegenheit aufgefordert, obwohl er den Täter nicht erkannt hat. Es beginnt eine Mordserie und Stefano versucht mit seiner neuen Bekanntschaft, der Malerin Sandra, den Übeltäter zu entlarven. Eine Gruppe von Spiritisten, unterbewusste Kindheitserinnerungen, ein geheimnisvolles Bild und ein vergangener Mord müssen unter einen Hut gebracht werden, um Licht ins Dunkel zu bringen.


Kritik:
Ich bin ohne große Erwartungen an diesen Film aus der X-Rated Italo-Giallo-Serie herangegangen, da ich von ihm, seinem Regisseur Antonio Bido und den Darstellern noch nie etwas gehört habe.
Um so mehr war ich angenehm von diesem Filmchen überrascht, denn er macht wirklich was her.

Trotz einer stolzen Länge von beinahe 2 Stunden wird der Film niemals langweilig, im Gegenteil, die vielen Nebenhandlungen und längeren Szenarien durchleuchten die Charaktere ausführlich und fördern somit einige Verdächtige zu Tage.

Die Morde, das Herzstück eines jeden Giallo, werden zwar nicht so kunstvoll zelebriert, wie es nur ein Dario Argento versteht, und fallen nicht sonderlich blutig aus, können aber Spannung und Atmosphäre erzeugen.
Durch die grandiose, goblineske musikalische Untermalung wird aus diesen Szenen das bestmögliche hervorgezaubert. Besonders bei dem Mord am knabenliebenden Grafen, der auf der Suche nach dem Eindringling durch seine Bude schleicht, wird durch die Musik bis zum Einsatz der erlösenden Hellebarde die Spannungsschraube immer fester geschraubt.
Gut gefällt mir auch die Idee mit dem auf die Straße, welche in Venedig bekanntermaßen aus Wasser besteht, gestoßenen Mannes, der versucht, sich durch Festhalten an einem Seil eines vorbeifahrenden Bootes aus der Affäre zu ziehen und am Ende vom hinterherfahrenden Killer überrollt wird.
Die Ermordung an Sandras Mutter ist das grausame Highlight des Streifens, denn sie ist an den Rollstuhl gefesselt und daher dem Bösling hilflos ausgesetzt und wird kurzerhand im Kamin geröstet.

Da der Film in Venedig spielt, ließ es sich der Regisseur nicht nehmen, etwas von dieser schönen Stadt zu zeigen. In einer besonders langen Szene begleiten wir Sandra durch die Straßen und Gassen und werden offensichtlich, die stellenweise subjektive Kamera lässt es vermuten, verfolgt. Plötzlich kommt aus einer Nebengasse eine Gestalt, begleitet von einem fiesen, zur Erschreckung anregenden Geräusch. Doch es ist nur ein Mann mit einer Ziehharmonika, der ein fröhliches Lied in die Tasten haut und von Dannen zieht. Eine sehr lustige Szene, wie ich finde *g*

Die mir allesamt unbekannten Schauspieler liefern passable Leistungen ab und bringen die interessante Handlung gut zu Bilde. Selbst die Liebelei zwischen Stefano und Sandra hat mich wenig gestört, da sie interessant umgesetzt wurde und mit einem Blick auf Sandras Bauchkettchen gekrönt wird.

Das Ende des Films und somit die Auflösung der Mordserie hat mich besonders überzeugt, da alles logisch erklärt wird und alle Puzzleteile ein stimmiges Bild abgeben. Täter und Motiv vor der Auflösung zu enttarnen dürfte für den Zuschauer unmöglich sein, auch wenn viele Dinge während des Films darauf hinweisen. Ich jedenfalls saß mit offenem Mund da und war begeistert.

Insgesamt ein relativ unbekannter, aber gut inszenierter und spannender Giallo mit überraschendem Schluss.

7 von 10 Punkten

Details
Ähnliche Filme