Review

Wenn die Gondeln Mauern fragen


„Solamente Nero“ aka „Blutiger Schatten“ kann man durchaus als Geheimtippgiallo bezeichnen. Er ist genauso auf den Spuren von Argento wie von Fulci. Viel Wasser, von oben wie von unten. Viele skurrile und spleenige Figuren, von der zwielichtigen Wahrsagerin bis zum fluchenden Priester. Mysteriöse Morde in Venedig, einem der schönsten Filmschauplätze überhaupt. Viele Verdächtige, viel nackte Haut von durchaus überraschend jungen Schönheiten. Schatten aus Kummer, Pfützen aus Blut, Traumata aus der Vergangenheit. Typische Eigenschaften, untypische Errungenschaften. 

Kann man in Venedig einen wirklich schlechten Film/Thriller drehen? Ich denke kaum. Dafür ist die Stadt samt Atmosphäre zu besonders, fast mystisch. Nicht dass „Solamente Nero“ auch nur ansatzweise an der Kiste mit den Gurken kratzt. Ganz im Gegenteil. Dennoch kommt einem der Gedanke natürlich auch bei starken Filmen wie diesem oder gar Meisterwerken wie Roegs „Don't Look Now“ des Öfteren hoch. Überall ist Feuchtigkeit, mal in wässrig, mal in blutig. Die Straßen sind durchzogen von Gondeln, Geistlichen und Gestalten. Nicht nur Gnome. Wahrsagerinnen treffen Wahnsinn. Kaum ein Genre verbindet Cheese und Style dermaßen wie der Giallo. Und „Solamente Nero“ ist ein exzellentes Beispiel für ihn. Spannung. Gothic. Gänsehaut. Tote Schülerinnen, zwielichtige Priester, ein Urlauber bzw. Besucher auf verlorenem Posten. Alles beim Alten und auf den Spuren der Grossen. Und hier doch irgendwie eine Spur gekonnter und unheimlicher als bei den meisten anderen Nachahmern. Raffiniert, aber nie raffgierig. 

Fazit: stilvoller, feuchter und absurd atmosphärischer Giallo di Venezia - mit Klasse, morbider Schönheit und beunruhigender Ruhe. Dazu einem 1A Score, der es mit allem in seiner Schublade aufnehmen kann. Selbst wenn die Geschichte etwas konfuse Ausmaße annimmt. Daumen sowas von hoch! 

Details
Ähnliche Filme