Review

<!--StartFragment -->Die Mischung machts. Fortune Chasers, Alternativtitel Diamond Connection, mag weit davon entfernt sein, als Gesamtkonstrukt eine wirklich gute Figur zu machen, ändert alle wenige Minuten die Richtung, die Sprache, die Stimmung und findet selbst an den unterschiedlichsten Orten nur selten zu wahrer Form. Erschafft sich aber den Ausweg des Absurden, aus dem Realen hinein in das Fiktionale und dort über das schlichtweg Groteske wieder zurück. Ein sinnwidriges Patentrezept mit Hang zur Kapriole, dass selbst aus moralischen Anwandlungen eine Farce macht. Damit allein erobert man keinen Spitzenplatz in der Historie und schaffte es in der Ära der sonstigen zahlreichen gambling-Filme noch nicht einmal zum reellen Bekanntheitsgrad und entsprechender Verbreitung. Allerdings gelingt es Autor, Presenter und first time director Charles Tang mit seiner Schrulle im volksmäßigen Ausdruck, für einen Moment wenigstens den Zuschauer aus der Lethargie des üblichen Kräftemessens um das beste Kartenblatt und die raffiniertesten Tricks zu reißen und Ihm trotz eines eher matt agierenden Storykonstrukts mit im Grunde holprigen Erzählattributen von den Stammbegriffen des Subgenres hinweg und in das Kuriosum hinein zu lotsen.

Meist fragwürdig in objektiver und subjektiver Hinsicht ist dabei die Methodik, Tang greift zuerst in die narrative Sicherheit und erst dann als abenteuerlich redaktionellen Eingriff in die Widersprüchlichkeit derselben. Wie nach eventuellen Umbearbeitungen werden aus inhaltlicher Rationalität und Vollkommenheit in Buchstabentreue plötzlich andere Schemata der Einbildungskraft gezogen; aus der möglichen Gefahr und Action ein Kasperletheater mit Wortwitz, Slapstick und Pantomime, aus parallel laufenden realpolitischen Ereignissen um das Tian'anmen-Massaker sowohl eine Warnung vor 1997 als auch die Burleske dessen in Scheinhandlung und Karikatur. Durch immer neue Verwicklungen fern völliger Wahrscheinlichkeit gereizt:

Supermarktkassierer Chan Ka-ho [ Chin Siu-Ho ] hat sowohl unter seinem raffgierigen Chef [ Hui Siu-Hung ] als auch der eigenen Spielsucht, seiner davon und den Schulden gar nicht begeisterten Freundin, Sozialpflegerin May Chiu [ May Hoh ] und dem Kredithai Dan [ Yu Kwok-Lok ] zu leiden. Der große Erfolg bleibt aus, die Raten werden höher und in den Nachrichten häufen sich die Warnmeldungen über den Hungerstreik und Besetzung des Platzes des Himmlischen Friedens durch die Pekinger Studentenschaft. Als Chan direkt vor seiner Haustür zwei Diamanten findet, scheint sich die Situation wenigstens zu seinem Gunsten zu verändern, zieht die Ausbeute aber auch einen Schmuggler aus dem Goldenen Dreieck [ Dick Wei ] an, der gerne seine bereits vermisste Ware wieder hätte.

Was klingt wie der übliche Beschränktheitskrimi aus der traditionsverhafteten Werkstatt von D & B Film Distribution und mit folgerichtig warnenden Beispielen und physischen Impulsen in das oberflächlich-negative Schlachtfeld getrieben zu sein scheint, verwandelt sich durch weniger gehorsame oder zielstrebige Entgegnungen schnell in eine auf andere Weise extreme Lesart. Die Gläubiger tauchen zwar häufiger mit ihren Forderungen auf, funktionieren dort aber eher als running gag, greifen sich mangels Geldes meist den nächstbesten Gegenstand in Reichweite - eine Stiege Softdrinks, eine sprechende Spielzeuguhr - und verziehen sich dann wieder. Der Schwarzhändler bekommt noch ein überspannten Nebenverdienst zugeschrieben – er benutzt nach Brustoperationen Ausschau haltende Frauen nach ihrer Plastischen Chirurgie durch einen Quacksalber als unauffällige Mittel, um seine Drogen im Schleichhandel durch den Zoll zu bekommen – und agiert ansonsten bis kurz vor Ende im Hintergrund, was beide als Antagonisten für geraume Zeit dramaturgisch sinnfällig macht.

Wie eine parodistische Perversion wird auch das Abbild des zeitgenössischen Konflikts gezeichnet, mehrmals spielt man zwar auf die Nachrichten vom Festland und die unsichere Verwirrung, den passiven Widerstand durch Spendensammlung bis hin zur weit verbreitenden Immigration, dem Ausrufen des Notstandes und die Diktatur in nahender Zukunft an. Kreuzt diese dunkleren Töne aber immer wieder in Begriffsspaltung mit unbeschwerten Steigerungen, theatralisch verhüllten und somit säbelrasselnden Gleichnissen oder bewusst arrangierter Travestie. So bieten die run away first Reisebüros den vor Angst das Land verlassen Wollenden nur noch Plätze auf ausgerechnet West Samoa an, oder werden die herrschenden Masseneinkäufe für den heimischen Vorratskeller nur dazu benutzt, dass auch die Gangster auf der Suche nach Chan vor den noch geschlossenen Toren des Supermarktes halten, sich nach den Öffnungszeiten richten und mit der bereits wartenden Menge um den besten Platz arrangieren müssen. Die Kundgebung auf dem Festland wird später mit einer nach der Legalisierung von Hunderennen skandierenden Bewohnerschaft eines Heilpädagogischen Wohn- und Pflegezentrums für Geistig Behinderte gegengeschnitten.

Inszeniert ist dies Alles mit einer unvermittelten Selbstverständlichkeit, ungebührlich im ästhetischen und im moralischen Sinne, in relativ gelassenen, von Schönheit oder Ebenmaß eher unabhängigen Bildern. Ähnlich wie seine Hauptfigur Chan verhält sich die Produktion wie ein Proletarier mit leeren Taschen, der sicher nicht gleich über Leichen geht, sich darüber hinaus aber schon schnoddrig durch das Leben und seine Flegeljahre mogelt. Entsprechend dessen kann man auch die dahinter liegenden Konventionen einer vielleicht mahnenden Anklage gegen Chans stark ausgeprägte Abhängigkeit und Initiative gegen die Spielsucht seitens seiner Freunde niemals für bare Münze nehmen; auch oder weil gerade die verbalen Ausführungen offensichtlich viel energischer als bei anderen, das Thema verschweigenden oder glorifizierenden Vertretern der Gattung eingebracht werden.

Am Ende ist dies sowieso alles egal, erfolgt die Auflösung des ganzen unverschämten Reigens von Schlupfwinkeln und Fettnäpfchen und der Neubeginn eines nunmehr auch ewigwährenden Kreislaufs vom Streben nach dem Glück; nicht bevor man sich im Finale Furioso noch eine Weile lang in der lokalen Hafenanlage, über und durch im Trockendock liegende Schiffe und von herabstürzenden Baugerüsten geprügelt hat.

Details
Ähnliche Filme