500 Days of Strichcodes
„Cashback“ ist eine RomCom aus UK - aber jetzt bitte nicht an „Love Actually“ oder „Notting Hill“ denken. „Cashback“ ist total indie, total 00er, total anders, total freizügig und total verträumt. Absolut stark. Echt und völlig authentisch, trotz einem gehörigen Maß an künstlicher Überhöhung. Sexy, traurig, funny und berührend obendrauf. Eine tadellose Mixtur, die man nur weiterempfehlen kann. Mit mehr nackter Haut als alle „American Pies“ zusammen - und doch nie pervers, exploitativ oder kindisch. Eher naiv und (zugegeben manchmal etwas aufgesetzt) weise. Es geht um einen jungen Mann, der in einem tiefen emotionalen Loch steckt, als sich seine Freundin von ihm trennt und direkt schon 'nen neuen am Start hat. Durch Schlaflosigkeit und Kummer geplagt übernimmt er die Spätschichten in einem Supermarkt - und lernt dabei viel über Zeit, Liebe und sich selbst…
Insomnia in den Gängen
Mit seinem trockenen britischen Humor, der sonderbaren „Schönheit des Supermarkts“ und schmerz- wie scherzhaften Wahrheiten über die Liebe sticht „Cashback“ aus jeder Schublade heraus. Frische Gesichter, ein klasse Soundtrack, mehr als nur Taschenspielerkameratricks und viele, viele nackte Frauenkörper. Was wie eine lüstern-lustige Mischung klingt, dringt sogar noch in wesentlich tiefere und menschlichere Regionen vor, als man es sich in den besten Fällen ausmalt. Und wer hatte nicht schonmal Liebeskummer? Langeweile? Aussichtslosigkeit? Wer wollte nicht schonmal die Zeit anhalten? Sie vordrehen? Zurück? Oder den Chef während einer seiner Tiraden einfach woanders hinstellen? Wer stellt sich schöne Menschen nicht mal nackt vor? Wer bewundert keine kurvigen Frauenkörper? Wer hatte nicht schon einen nervigen Nebenjob, der einem dann aber doch genug für's Leben beigebracht hat? Wer war nicht mal verloren im Leben? In der Liebe? Wer dachte, er würde über eine gewisse Person nie hinwegkommen? Wer muss über einstigen Liebeskummer heute schmunzeln? Wer hat eine Sommeraffäre nicht schonmal falsch eingeschätzt? „Cashback“ hat Antworten, Beispiele und Lösungen für all das. Und es ist ein Fest zwischen Tiefkühlkost und Mundwasser dem beizuwohnen. Zwischendurch hatte ich sogar leichte „Donnie Darko meets Billy Elliot“-Vibes. Wirkt alles sehr konzentriert und als ob hier einer genau wusste, was und wohin er wollte. Zwischendurch wird sich eventuell etwas zu sehr auf durchgeknallte und überhöhte Nebenfiguren und Comedic Reliefs verlassen und konzentriert. Ansonsten einwandfrei.
Fazit: kultige, ehrliche und durchaus emotionale britische Komödie - jazzy, lässig und sehr, sehr lustig. Ich wüsste nicht, wie man „Cashback“ nicht als Geheimtipp bezeichnen könnte. Zwischen „Trainspotting“ und „The Office“. Zeit ist relativ, Liebe vielleicht auch. Gute Filme aber nicht.