Review

Der freie Wille (10/10)

Kein einfacher Film, und kein leichtes Thema. Schon am Anfang sehen wir eine Vergewaltigung in den Dünen, und die ist nicht voyeuristisch, aber ekelhaft und schwer zu ertragen, und zum Glück die einzige in diesem Film, wo die Kamera draufhält.

Ich selber bin, als Befürworter der Todesstrafe für solche Menschen, die anderen (sexuelle) Gewalt antun, nicht oft zum Ansehen solcher Filme zu bewegen.

Der Film ist trotz seines sujets ein Meisterwerk, denn Jürgen Vogel trägt die Hauptlast der Darstellung, und er meistert sie hervorragend, zusammen mit Timoteo, die auf eine verletzliche Art spielt, die nur noch oscarreif zu werten ist.

Die Szene in der Sportschule, in der beide Schläge und Tritte üben, ist ein Beispiel herausragender Schauspielkunst. Beide Charaktere, vor allem Timoteo, spielt deutlich, dass sie auch schwer an Erfahrungen mit Gewalt zu kämpfen hat, als das eher spielerische Üben Ernst wird, und sie ihn heftig attackiert.

Die sich daraus entwickelnde Liebesgeschichte ist so hervorragend gespielt wie ihre Unmöglichkeit: er kann sie nich lieben, weil sein Hass gegen Frauen immer zu Gewalt führen, und letzten Endes seinen Tod bedeuten. Und ihre Liebe ist so irrational, weil sie seinen Hintergrund nicht kennt, wie im richtigen Leben, wo selbst geprügelte Ehefrauen noch beteuern, ihren Mann zu lieben.

Das Ende ist ergreifend, und dennoch den Titel des Film negierend: der freien Wille ist ein Witz, ein Traum, denn wir werden alle durch unsere Erfahrungen, Vergangenheit, Traumas gelenkt und bestimmt.

Ein großes Lob an diese beiden hervorragenden Schauspieler und den Regisseur, der vorsichtig und nicht moralisierend an das Thema herangeht, ohne selber eine Lösung zu bieten.

Herausragend.

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