Robert Altman, einer der größten Meister des perfekten Unterhaltungsfilms, bei denen nicht der große Krawall eines Jerry Bruckheimers zählt, sondern noch die Geschichte und die Umsetzung die Musik machen, ist vor kurzem von uns gegangen. Er hinterließ uns meisterliches wie "Short Cuts", "Gosford Park" oder "MASH", TV-Serien wie "Gun-Kaliber 45" und hatte auch sonst immer ein Händchen für wunderbare Kino- und Fernsehunterhaltung. Ausrutscher wie "Popeye" bilden da die Ausnahme. Nachdem er 2006 nun den Ehrenoscar für sein Lebenswerk erhielt, wusste man schon, dass es wohl langsam mit ihm zu Ende ging. Doch einen großen Film hat er vor seinem Tod noch gemacht, eine Hommage an die Welt des Radios, im speziellen an die "Prairie Home Companion". Herausgekommen ist dabei ein Meisterwerk, welches wohl zum krönenden Abschluss regelrecht als Altmans bester Film bezeichnet werden kann. Selten war Kino in letzter Zeit so emotional gelungen, wie hier.
Robert Altmans "Last Radio Show" ist die ideale Mischung aus Komödie und Drama, auf einem Niveau, welches man sich eigentlich immer wünschen würde. Die Geschichte handelt vom letzten Tag der "Prairie Home Companion", einem Theaterensemble, welches für einen Radiosender Musik und Show vor Publikum aufnimmt. Nach dem Verkauf des Senders möchte der neue Inhaber nun das Theater schließen und somit legen sich alle noch einmal richtig ins Zeug, um dem Publikum eine überzeugende letzte Darstellung zu bieten. Während sich auf der Bühne Musik und Show abwechselt, geht hinter den Kulissen das Diskutieren über die guten alten Zeiten, sowie die Zeiten die nun kommen mögen, in die heiße Phase... Im Grunde weigert sich Altman sein Publikum auf den Höhepunkt der Geschichte warten zu lassen, denn die absolut geniale Radioshow ist schon das Ah und Oh des ganzen Films. Nur kurz zu Beginn und kurz vor Schluss lässt er seine Handlung einmal außerhalb der Theaterhalle spielen, ansonsten darf der Zuschauer hier eine Show genießen, die seinesgleichen sucht. Die Handlungsstränge neben der Show, enthalten dabei eine wahre Flut von wunderbaren, tiefsinnigen Dialogen zwischen nahezu jedem Charakter in diesem Film. Hochinteressant und wirklich zu keinem Moment langweilig, erlebt der Zuschauer dabei ein regelrechtes Wechselbad der Gefühle und das im absolut positiven Sinne.
Denn während er im gerade geschehenen Moment sich auf die Schenkel klopft vor Lachen, könnte er im nächsten Moment fast schon traurig werden. Drama und Comedy liegen hier so nahe beieinander, dass man seine Gefühle beim Zuschauen kaum regeln kann, auch wenn der Spaß alles in allem doch die Oberhand gewinnt. Es ist einfach zum Brüllen, was sich Altman hier mitunter für Sachen hat einfallen lassen, um sein Publikum kräftig, dabei aber immer niveau- und anspruchsvoll, lachen zu lassen. Sei es der Sicherheitsbeauftragte Guy Noir, der als Mann mit zwei Händen immer wieder ins Fettnäpfchen tritt, in dem er sich z. Bsp. beim Anzünden einer Zigarette erst an der Kippe verbrennt und kurz darauf am Streichholz. Oder die beiden Cowboy-Sänger Dusty und Lefty, die den Zensurbeauftragten regelrecht in den Wahnsinn treiben, mit ihren nicht ganz jugendfreien Liedern. Oder die witzigen, teils gesungenen Radio-Werbespots, die in ihrer Lyrik ebenfalls keinen Schmunzler auslassen. Und als Höhepunkt eine regelrecht grandiose Showeinlage mit dem Soundeffektsbeauftragten der Show, der auf Zuruf der Stars eine wahre Flut von schrägen Geräuschen (Kettensäge, Tiere usw) von sich gibt und das auf eine zum biegen komische Art. Ohne dabei aber auch nur einmal in Klamauk zu verfallen oder den Ernst der Lage zu vergessen, ist dieses Sammelsurium an wunderbarem Humor, ein regelrechtes Fest für Freunde des anspruchsvollen Lachers.
Und dennoch wird der Schmerz und Trauer der Figuren immer wieder spürbar. Altman beweist Mut, in dem er diese Trauer vor allem in Form eines Engels wiedergibt, der mit allen Figuren des Films kommuniziert, ihnen Trost spendet und dabei einen energischen Plan, welcher sich durch die Hoffnungen der Crew manifestiert, verfolgt, der letztendlich zwar erfolgreich ist, aber unterm Strich (zumindest anscheinend) nichts bewirkt. Aber keine Angst, natürlich ist dieser Engel in keinster Weise kitschig geraten oder wird hier gar als unpassendes Fantasy-Element benutzt, sondern dieser Engel ist menschlich, allgegenwärtig und passt in das ganze Geschehen wie die Faust aufs Auge, ohne auch nur in einem Moment störend zu wirken. Dabei drückt Altman auch zu keinem Zeitpunkt auf die Tränendrüse, sondern zeigt dem Zuschauer eine real existierende Trauer, die aber nie in Verzweiflung oder ähnliches verfällt. Die Hoffnung bleibt durchgehend erhalten, der Spaß übertüncht die vorliegende Dramatik sensationell, auch wenn diese wirklich zu keinem Punkt außen vor bleibt. Dramatik in so elegante und unaufdringliche Bilder zu packen, die voller Mut und Aufrichtigkeit sind, dass hat man im Hollywood-Kino der letzten Zeit so wunderbar jedenfalls noch nicht oder nur sehr selten gesehen.
Hinzu kommt dann natürlich noch die Umsetzung des Ganzen, angefangen bei der Musikuntermalung, die selbst bei Zuschauern, die sonst nichts mit Countrymusic etc. anfangen können, für absolute Begeisterungstürme sorgen. Eine unglaublich große Pallette von unterschiedlichsten Songs lässt Altman seine Darsteller hier singen und einer ist dabei besser als das andere. Es gibt einige sehr ruhige Songs, eines davon sogar tief christlich, viele sind aber fröhlich, stimmungsvoll und machen Spaß. Als Höhepunkt sei hier der "Bad Jokes"-Song von Dusty und Lefty erwähnt, in dem die Beiden eine muntere Parade von wirklich schmutzigen Witzen zum besten geben, welche aber selbst beim prüdesten Ami noch für ein Schmunzeln sorgen dürften. Man kommt beim Zuschauen nicht umher, bei einigen Liedern mitzuschnippen, mitzuklatschen und beim wiederholten Anschauen vielleicht sogar mitzusingen, so herrlich sind die einzelnen Songs doch ausgefallen. Die Soundtrack-CD ist hier nicht nur empfehlenswert, sondern sie ist regelrecht Pflicht in jeden gut sortierten Soundtrack-Regal!
Aber auch sonst stimmt die Inszenierung. Egal ob es der Look des Theaters ist oder die Kulissen hinter den Kulissen, obwohl in Sachen Ausstattung nur äußerst wenig Abwechslung aufgefahren wird, so ist das Gebotene einfach mehr als ausreichend und absolut passend für diese Geschichte. Dann die Kostüme, die den perfekten Film Noir-Look repräsentieren, die Kameraführung, der wunderbar gesetzte Schnitt und eben die schlichtweg geniale Regieführung des großen Regisseurs. Hier stimmt einfach alles, vom Anfang bis zum Schluss, ohne dass es auch nur irgend ein Detail gebe, das es wirklich zu kritisieren gilt. Alles passt zusammen, wackelt und hat Luft und genauso muss es schließlich auch sein.
Einen nicht minder großen Part, zum gelingen dieses sensationellen Films, geben zudem natürlich auch die Schauspieler wieder, die mit einer derartigen Präzession und Freude bei der Sache sind, dass man sie allesamt sofort in ihr Herz schließt und sich nach der Show fasst schon vor ihnen verbeugen will. Keiner kann dabei wirklich hervorgehoben werden, alle spielen sie auf dem gleichen, exzellenten Niveau. Als da wären z. Bsp. Kevin Kline, wie immer grandios komisch, als Sicherheitsbeauftragter des Ensembles. Dann Meryl Streep und Lily Tomlin als Gesangesschwestern Ronda und Yolanda Johnson, deren Dialoge und Songs nicht nur einmal die Grenze zum Genialen überschreiten. Weiterhin Woody Harrelson und John C. Reilly als freches Cowboy-Duo, Tommy Lee Jones als the "Axeman" und Virginia Madsen als Engel. Ja, selbst die sonst eher (vorsichtig ausgedrückt) bescheidene Lindsay Lohan, als Tochter von Y. Johnson, macht ihre Sache mehr als gut. Da kann man sich als Zuschauer eigentlich nur glücklich schätzen, wenn man so einem perfekt agierendem Cast bei der Arbeit zusehen darf. Danke dafür!
Fazit: Altmans Letzter und Altmans Bester, so kurz und prägnant lässt sich "Last Radio Show" zusammenfassen. Was Altman hier kurz vor seinem Tod noch einmal auf die Beine gestellt hat, ist in jeder Hinsicht sensationell und ein regelrechtes Fest beim Zuschauen. Die Story ist toll geschrieben und besitzt alles was man für eine gute Geschichte braucht. Der Witz ist fein, die Dramatik konsequent aber dennoch zurückhaltend und nie ohne Hoffnung und die Musik einfach nur der Hammer schlechthin. Wer beim Anschauen dieses Films keine gute Laune verspürt, der kann sich sicher sein, dass er auch sonst nie so etwas wie wirkliche Unterhaltung beim Filmschauen empfinden wird. Perfekter, vielschichtiger, feinsinniger und ausgefüllter, als wie in Altmans Abschiedswerk hier, ist dies nämlich kaum möglich.
Robert ich danke Dir!
Wertung: 9,5+/10 Punkte