Review

Detlev Buck bringt man ja mit vielen deutschen Filmen in Verbindung. Er hat sich über die Jahre hinweg eine sehr gute Position und einen guten Bekanntheitsgrad erarbeitet. Doch für mich stand Detlef Buck nie so für den ernsten Typen. Er schaffte es stets einen gewissen Sarkasmus in seine Filme oder auch in seine Rollen zu bringen. Diese Lockerheit, mit der er manch eigentlich ernste Charaktere gezeichnet hat, lässt er bei "Knallhart" (nur Regie) komplett außen vor.
Detlev Buck hat es gechafft, aus dem Namen des Films absolutes Programm zu machen. Er greift ein absolut aktuelles Thema auf, ein Thema mit dem sich immer mehr Pädagogen und Sozialwissenschaftler auseinandersetzen müssen und von dem immer mehr wehrlose Menschen betroffen sind: Gewalt unter Schülern! Nicht zuletzt die Rüttli-Schule in Neu-Köln ist genau wegen diesem Thema wochenlang in den Schlagzeilen gewesen.
Und genau hier setzt Buck an, in Neu-Köln, einem Stadtteil von Berlin, in dem der Ausländeranteil jenseits von Gut und Böse ist und die Perspektiven der Kids alles andere als rosig. In diesen Jungel aus Brutalität, Gewissenlosigkeit und Kriminalität schmeisst er den jungen Michael (David Kross). Allerdings wurde Michael auch nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren, denn seine Mutter ist eine Person, die es einem auch nicht einfach macht, dass man sie als ihr Kind liebt. Denn Miriam (Jenny Elvers-Ebertshagen) mag eines nicht: ARBEIT! Sie lebte die Jahre über gut von ihrem außergewöhnlichem Sexappeal, doch dieser Zauber verfliegt bekanntlich auch irgendwann und alles was dann übrig bleibt ist entweder die Armut oder eine guter Ehevertrag (oder besser eine Ehe ohne Ehevertrag!). Im Falle Miriam bedeutet das, dass sie aus der Villa ihres Lovers in Zehlendorf ausziehen muss (mit ihrer Blage versteht sich) und fast mittellos nach Neu-Köln ziehen muss.
Zehlendorf, das ist entscheidend für die Probleme Michaels. Denn natürlich meinen die neuen "Mitschüler", dass bei Michael der große Reibach gemacht werden kann. So dauert es auch nicht lange, dass er mit den einzelnen Gangs aus dem Kiez Neu-Köln in Kontakt gerät - mit den einen positiv, mit den anderen negativ...oder doch mit beiden negativ?? Na ja, das ist eine Einschätzung, die ich nicht kommentieren will, denn in solchen Vierteln heisst es irgendwo nicht mehr lebe nach dem Gesetz, sondern eher "Survival of the fittest"...
Auf jeden Fall hat Detlev Buck mit "Knallhart" ein überdurchschnittlich gutes sozialkritisches Drama geschaffen, das natürlich oft etwas propagandistisch und reisserisch operiert, im Großen und Ganzen jedoch ziemlich nah an der Realität schwimmt. Die Probleme, mit denen Michael Tag für Tag konfrontiert wird, existieren in solchen Ballungsräumen von sozialen Problemschichten auf alle Fälle. Und die Lösungen dafür liegen auch in weiter Ferne, wenn es denn überhaupt welche dafür gibt...
Es ist gut, dass immer mehr Regisseure und TV-Macher auf den Trichter kommen, dass diese Probleme nicht einfach unter den Teppich gekehrt werden dürfen, sondern man sie aggressiv und offen angehen muss. Man muss sie der Öffentlichkeit zeigen und sie dafür sensibilisieren. Auch ein wichtiges Stichwort in diesem Zusammenhang ist die Zivilcourage! Auch diese muss den Menschen mit solchen Filmen wieder anerzogen werden...

Also bitte mehr von solchen Thematiken, damit diese Schwachmaten nicht länger ihr Unwesen treiben können, sondern die gerechte Strafe für ihre Schandtaten erfahren.

Falls jemand Filme mit solch einem Thema sucht, dann kann ich noch auf "Wut" verweisen oder das französische Sozialdrama "La Haine - HASS!" mit Vincent Cassel

8.5/10 Punkte

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