Review

Vorsicht, das folgende Review enthält Handlungsspoiler. Das ist bei so einer Art von Film zwar zweitrangig, aber den einen oder anderen Plottwist, hat „Code Red“ trotzdem zu bieten.



Die für Paramounts TV-Sparte (u.a. auch „Star Trek“) produzierte Gradwanderung zwischen B-Action und Science-Fiction-Horror-Trash hat mit dem eigentlichen „Code Red“, also dem verbotenen militärischen Befehl, das Fehlverhalten eines Soldaten durch seine Kameraden disziplinär zu ahnden, herzlich wenig zu tun – dafür aber umso mehr mit John McTiernans („Die Hard“, „Basic“) Genreprimus „Predator“.

Vom Aufbau bis zu den Charakteren lassen sich hier etliche Parallelen entdecken, doch da TV-Regisseur (und Schauspieler) Ian Gilmour (u. a. Folgen von „The Lost World und „Beastmaster“) die Chose hier atmosphärisch und flott vom Leder zieht, dürfen sich Genrefans eingeladen fühlen.

Auch wenn die Einleitung in das Geschehen mit dem Aufrieb der ersten in den Dschungel gesandten Spezialeinheit ein unspektakulärer Anfang ist und die Logik schon früh baden geht (Warum fliegt General Pembroke (Steven Grives, „Dangerous Game“, „Evil never dies“) nicht gleich zur Forschungsstation?), macht „Code Red“ Laune. Der etwas zähe Einstieg, das sich durch den gesamten Film ziehende nicht immer realistische Verhalten der Soldaten und der zu Beginn noch schwache Score, sowie eine verhunzte Erzählweise (Das geht mit dem Fehlschlag der ersten Truppe und der Entsendung der zweiten doch ziemlich flott/Btw: Warum gibt es da eigentlich keinen Mission-Operator?) trüben den Filmspaß nur zu Beginn. Denn sobald der ehemalige Lieutnant und jetzt als Schlangenmelker Karriere machende James Doyle (Brian McNamara, „Short Circuit“, „Arachnophobia“) reaktiviert und wieder schnittig auf Hochglanzsoldat poliert worden ist, geht’s in den Dschungel.

Vorweg gibt es dann noch die, ebenfalls aus „Predator“ bekannten, Machoallüren der Frontschweine und zwei zu der Truppe hinzustoßende, von Doyle nicht mit Wohlwollen aufgenommene, Neulinge.
Im Urwald entfaltet „Code Red“ dann seine Stärke, auch wenn der sich meist etwas zu ernst nimmt. Man trifft zunächst auf die Überreste der verschollenen Vorgänger („Predator“ lässt wieder grüßen...), wird von einem unbekannten, sich nicht zu Erkennen gebenden Wesen aus der Egoperspektive beobachtet („Predator“.... genau...) und rodet zwischendurch auch mal ausführlich den Dschungel („Predator“....) und ein Wildschwein wird versehentlich auch abgeschlachtet (Nun reicht’s aber!)

Ian Gilmour lässt sich Zeit bevor wir dann zum ersten Mal zu sehen bekommen, mit was wir es eigentlich zu tun haben und lenkt den Verdacht zunächst auf einen außerirdischen High-Tech-Krieger, der vorn, hinten, oben und unten (genau...) dem aus „Predator“ entspricht (inklusive Mini-Terminal am linken Arm). Als dann aber außerirdische vampiresque Killerkäfer beginnen die Truppe auszusaugen und sie an Bäume hochziehen (...) dämmert Doyle, dass dieser Rubicon-Komplex gar keine Forschungseinrichtung ist, sondern eine Art S.E.T.I – Projekt, welches Erfolg hatte - was ihm dann auch später von der Computerspezialistin Darwin (Marjean Holden, „Mortal Kombat: Annihilation“) bestätigt wird.

Überraschend, wie atmosphärisch hier der dichte Dschungel rüberkommt und wie gute die Effekte sind. Zwar geht vergeht sich Gilmour während der Angriffe der tödlichen Sauger hin und wieder mal an hektischen Close-Ups, insgesamt macht „Code Red“, auch hinsichtlich der Effekte einen überraschend professionellen Eindruck. Wenn da Tentakel und Käferchen zerschossen werden, splättert es schon mal recht ordentlich.

Mit zunehmender Spieldauer wird es zwar nicht spannender (auch wenn der Countdown für atomare Selbstzerstörung des Komplexes langsam gen Zero tickt), aber die Spezialeinheit wird nach dem üblichen „10 kleine Negerlein“ – Prinzip auf ein überschaubares Trio dezimiert, welches dann schließlich das Gebäude nebst Raumschiff entdeckt. Als dann der General mit seinen Jungs einfliegt und Doyle, dem längst bewusst geworden ist, mal wieder nur ausgenutzt worden zu sein, sich vornimmt seinem Vorgesetzten gehörig die Suppe zu versalzen, kommt es zur Kooperation mit dem interstellaren Superkrieger.

Nun dieses Finale im Bunkerbau driftet dann endgültig ins Trashige ab. Der Außerirdische erklärt Doyle per Universaltranslator (Außerirdisch kann der auch, oder wie?), dass sie die Käfer nur zur Erde geschickt haben, um zu prüfen, ob sie hier überleben könnten. Sie waren sich nämlich gar nicht bewusst, dass sie eine Bedrohung für die Menschen sind. Damit Pembroke die High-Tech-Waffen des Jägers nicht in die Finger bekommt, soll dem nun zur Flucht verholfen werden. Das soll sich als schwierig herausstellen und so marschieren schließlich Doyle und sein neuer Kumpel (in jeder Hand ein Gewehr.. lol..) los, um das Gebiet zu befrieden.
Schade, dass hier dann erst die Selbstironie aufkeimt (Der lockere Abschiedsgruß des extraterrestrischen Waffenbruders war mal ein witziger Einfall...) und sich „Code Red“ bis zum Schluss etwas zu ernst nimmt.

Der Film hat sicherlich seine trashigen Minuten, aber er kann gut unterhalten, ist ziemlich schnörkellos inszeniert und hat auch einige kleine Plottwists zu bieten. Aus der zu lange Liste diverser „Predator“ – Rip-Offs ist er aber ganz klar einer der besten.
Dank ordentlichem Creature-Design und Make-Up-Effekten (ausgesogene Opfer) ist das Niveau jedenfalls über den üblichen B-Produktionen, die sich nicht mal trauen ihr Monster zu zeigen. Die Auseinandersetzungen im Dschungel mit den Wurmdraculas hätten bisweilen etwas expliziter und detailreicher sein können und die Action nimmt auch erst zum Ende zu, aber insgesamt kann man als Genrefan hiermit zufrieden sein.


Fazit:
Sich etwas zu ernst nehmender, mit schwachen Dialogen bestückter, ausführlich von „Predator“ klauender „Spezialeinheit im Dschungel gegen außerirdische Killerkakerlaken“ – Film, der aus der B-Action-Sparte gern in Richtung Science-Fiction-Trash rutscht und dank seiner Kurzweiligkeit, verhältnismäßig guten Effekten und bisweilen überraschenden Plottwists weitestgehend überzeugt. Der ungelenke Einstieg verursacht da längst kein Sodbrennen mehr. Ich für meinen Teil habe mich jedenfalls köstlich amüsiert, denn besser als Zelluloidverschwendung a la „X-Tro 3“ ist „Code Red“ allemal.

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