Trotz Paramount-Beteiligung merkt man „Code Red“ an, dass er von einem TV-Regisseur fürs Fernsehen gemacht, doch relativ unterhaltsam ist dieses „Predator“ Rip-Off trotzdem.
Mal wieder verschwindet eine US-Spezialeinheit im tiefsten Busch und wie in so vielen Vorbildern kriegt die Kommandozentrale das live am Bildschirm mit – ohne dass man das Grauen zu Gesicht bekommt. Um den Klischees gleich noch was draufzusetzen, hat die Regierung (natürlich) einen Spezialmann in der Hinterhand, der hatte aber die Schnauze voll von der Armee (immer gut), doch einer der Verschwundenen ist sein Bruder (ein Muss) mit dem er sich vor Jahren verkracht hat (das sowieso). Sein Name: James Doyle (Brian McNamara).
Zusammen mit einer Horde Standardtypen von Soldaten (bulliger Kommunikationsspezialist, unerfahrener Rookie usw.) macht sich auf den Weg in den Dschungel – angeblich um eine Atombombe in einem Labor zu entschärfen. Doch bereits auf dem Weg dahin werden sie von einem unbekannten Wesen attackiert…
„Code Red“ mag ja durchaus Spaß machen, doch „Predator“ wird hier echt extrem kopiert: Einige Dialoge (z.B. dass man gerade keine Zeit habe zu bluten) erinnern sehr an John McTiernans Klassiker, ein außerirdischer Cyborg sieht wie die Sparversion des Predators und auch sonst wurden einige Szenen beinahe eins zu eins nachgestellt, z.B. wenn das Team auf einen unsichtbaren Feind ballert, der Dschungel wird dabei gerodet, aber treffen kann man den Gegner nicht. Fast schon obligatorisch sind grausige Leichenfunde, nur hier sind die Opfer nicht gehäutet, sondern eingeschrumpelt worden.
Doch darüber hinaus präsentiert sich der Film als relativ kurzweilige Angelegenheit, vor allem in der zweiten Hälfte. Anfangs ist das Geschleiche durch den Dschungel noch wenig aufregend, da Regisseur Ian Gilmour einfach kein John McTiernan ist. So kommt vor allem in den Tagszenen kaum Spannung auf, doch mit der zweiten Hälfte steigt das Tempo an. Ein paar Überraschungen gibt es dann auch (u.a. die Motive des Cyborgs), wenngleich vieles nach Schema F abläuft (z.B. das obligatorische Auftauchen des unsympathischen Vorgesetzten zum Ende hin).
Auch actiontechnisch nimmt „Code Red“ in der zweite Hälfte deutlich zu: Anfangs sind die Ballereien im Dschungel noch kurz, doch im Schlussspurt wird es deutlich exzessiver. Vor allem die finale Laborballerei gegen den Söldnertrupp zeigt hohe Qualitäten: In Zeitlupe fallende Söldner, massig Munitionsverbrauch und stylisch gemachte Feuergefechte. Schade, dass die Action zuvor so dünn gesät ist und ein paar der anfänglichen Ballereien noch nicht so dynamisch gemacht sind.
Mit dem begrenzten Budget geht Regisseur Ian Gilmour unterschiedlich gut um. So sehen die handgemachten Effekte bei den Leichenfunden toll aus und auch die Explosionen sind stets überzeugend, selbst jener Teil, der aus Kostengründen CGI-animiert ist. Weniger gelungen sind die Angriffe der aus dem Rechenknecht stammenden Käfer, die leider immer sehr wie Fremdkörper aussehen, was Gilmour mit mäßigem Erfolg durch Wackelkamera verschleiern will.
Brian McNamara spielt die Hauptrolle dafür mit der nötigen Ironie (cooler Auftritt als hippiemäßiger Schlangenzüchter zu Beginn), denn Trash sollte sich möglichst nicht zu ernst nehmen und da ist „Code Red“ auf dem richtigen Wege (z.B. der Abschiedsgruß des Cyborgs). Auch der Rest der Darsteller spielt seine Klischeerollen nicht allzu ernst, was auch über die teilweise horrenden Logikfehler hinwegsehen lässt (z.B. der Sprachcomputer, der sogar außerirdisch nach kleiner Alienheimwerkerei beherrscht).
Bleibt ein ganz solides „Predator“ Rip-Off, das stets zwischen stumpfer Kopie und netten eigenen Ideen schwankt. Leider ist die Action anfangs zu dünn gesät und die Einleitung etwas zäh, aber in der zweiten Hälfte nehmen Munitionsverbrauch und Unterhaltungsfaktor dann zu.