Man kann einen Abend sicher mit Schlimmerem verbringen, als mit „Perfect Creature“, allerdings fallen mir auch ohne Morgenland 1001 Ersatzfilme ein, die man stattdessen eher schauen und mit denen man Spaß haben könnte.
Gedreht 2004, eingelagert, angestaubt und seit 2006 in der Hoffnung auf ein bisschen Klimpergeld auf Festivals wie Sauerbier herumgereicht, das ist „Perfect Creature“, eine britisch-neuseeländische Co-Produktion, die mit ihren beiden Hauptdarstellern Dougray Scott (MI2) und Saffron Burrows (Deep Blue Sea) als einziges Pfund wuchern kann.
Inhaltlich siehts schon ziemlich karg aus, erklären uns ein paar Texttafeln im Vorspann (gaaanz schlechtes Zeichen), dass wir uns auf einer Parallelwelt befinden. Und da, ja da leben die Menschen mit den Vampiren zusammen, nur nennt man die Fangzähne hier „Brüder“ bzw. „Die Brüderschaft“ und sie nehmen in der Gesellschaft so eine Art Kirchenfunktion ein. Das klingt schon mal furchtbar kontrovers, denn die Parallele Vampire-Kirche hat ja beim Abendmahl so seine Meriten (Blut Christi, Kirchensteuer, missbrauchte Chorknaben etc.). Bei der letzten Oblate scheint Glenn Strandring dann auch diese Schote eingefallen zu sein, denn wer jetzt eine Kontroverse zu unserer modernen Gesellschaft erwartet, wird gar schwer enttäuscht.
Viel lieber kümmern wir uns nämlich um einen mordlüsternen Renegatenmutanten und Kehlenschlitzer, der erst mal gefangen werden muß und zwar von seinem Brüder-Bruder und einer schicksalsgeschüttelten Polizisten. So etwa in der Filmmitte fangen sie ihn, dann bricht er wieder aus, vergiftet die halbe Stadt und wird am Ende umgenietet. Tolle Wurst.
Natürlich wird zwischendurch übelst über Moral und Sinn herumphilosophiert, obwohl der marginale Plot eigentlich nach Action schreit – stattdessen sagen die Hauptdarsteller ihre Sätze mit einer zerdehnten Getragenheit und endlosen Pause auf, die wohl sensibel wirken soll, aber nur einschläfernd und albern daherkommt. Das angeblich bedeutsame Thema rund um verbotene Gentechnik wird noch dazu vor sich hergetragen, ohne das man das fürs wirkliche Leben irgendwie verwenden könnte. Statt dessen zentnerschwere Schicksalstragik – eine Mogelpackung.
Positiv auffallen soll der Look der uns so gar nicht fernen Welt, wo die Designer mit Hilfe von schlechten Mattepaintings und mäßigen PC-Effekten ein Mischmasch aus „Sky Captain“ und „Dark City“ zusammengerührt haben, epochenmäßig ein Gemenge aus dem viktorianischen Zeitalter, Charles Dickens, der Weltwirtschaftskrise, der schwarzen Serie und dem Muff der 50er Jahre, in ausgebleichtem Grau präsentiert.
Funktionell oder durchschaubar ist das keinesfalls, eher auf Kuriosität hin zusammengewürfelt, Handfeuerwaffen im schrägen Design, durch Dampf getriebene Autos, Mini-Fernseher, aber so etwas wie Kugelschreiber wurde noch nicht erfunden.
Zwar sind da ein paar schöne Sachen dabei, aber die Idee trägt nicht das Konzept und der Look kann den Film nicht mitreißen, die Teile passen nicht aneinander.
Die Grundstory wurde denn auch schon minimum fünfmal verfilmt, wie etwa in „Dark Breed“ – es soll also niemanden wundern, das dieses zähflüssige Tralala wie ein Pilotfilm für eine nicht realisierte TV-Serie wirkt, allerdings mit Tricks, die hinter einer gewöhnlichen Serienfolge weit zurückstehen. Das das alles auch noch auf Fortsetzung hin gebaut wurde, unterstreicht schon den Minderwert. Thematisch Vergleichbares wie „Ultraviolet“ oder „Underworld“ scheiterten an dem Prinzip „Form über Inhalt“ – „Perfect Creature“ betont den Inhalt über die Form, geht jedoch nur in die Breite, nicht in die Tiefe.
Wirklich positiv zu vermerken ist wohl nur, dass der Film nicht komplett unlogisch, dumm oder ärgerlich, sondern einfach nur unausgegoren und beliebig, ein austauschbares Filmchen, das normalerweise schon seit Monaten in der Videothek ein Schattendasein fristen müsste, weil es in wirklich keiner Szene spektakulär ist.
Und da wird es in Kürze wohl auch landen. (3/10)