Das Genre des Vampirfilms - Unmengen an Kitsch und Klischees, die gefahrvoll an jeder Ecke lauern und so manchem Exemplar dieser Gattung den Pflock ins Herz gerammt haben. So düster-elegant und schwarz-romantisch auch einige Glanzlichter gelungen sind, so unförmig und träge stolpern viele Auswüchse dieses traditionsreichen Themas ins Vergessen. Ja, Perfect Creature gehört leider zur letzteren Sorte.
Dabei bietet die Geschichte dieses Films sogar eine wohltuende Neuerung: Schluss mit der Geheimniskrämerei und dem Schattendasein des Vampirs, denn gesammelt unter dem Namen der "Bruderschaft" tritt er dem Menschen als Helfer und Schützer zur Seite. Die Menschen spenden im Gegenzug Blut und verehren die Blutsauger sogar in einer Art Kult. Doch ach! Bald ist Schluss mit dem scheinbar ewigen Frieden, denn ein ranghoher Vampir, vormals als führender Wissenschaftler gegen eine besonders gefährliche Seuche, die die Menschheit bedroht, tätig, dreht plötzlich durch und beginnt in bester Monstertradition Menschen abzuschlachten. Ab dann geht's weiter wie gehabt und erwartet: Menschen schlagen zurück, Bruderschaft schaltet sich ein, die Jagd beginnt und alles steuert auf die finale Konfrontation der nach Schema F gestrickten Hauptpersonen hin.
Da haben wir den Bösewicht, der kein Klischee auslässt, um zu unterstreichen, wie furchtbar finster er doch ist, seinen hehren Bruder, der ihn jagen muss und fast aus Equilibrium entlaufen scheint, nur dass ihm die Coolness der Clerics fehlt, sowie die harte Polizistin, die zwischen die Fronten gerät und natürlich ihre in Massen dahinscheidenden Kollegen rächen will. Ach ja: Eine tragische Vergangenheit hat sie auch noch, gehört ja zum guten Ton. Alles schreit Standard, nur ein dauerverdrießter Untergebener der Heldin sowie der angenehme britische Akzent der Darsteller retten die darstellerische Seite des Films vor dem grässlichsten Mittelmaß.
Da möchte dann das Setting Abhilfe schaffen, indem es stylisch zusammengemixt daherkommt: Die (selbstverständlich) düstere Stadt, in der unserer Geschichte spielt, setzt sich aus verschiedenen Zeitstufen zusammen: Von Pferdefuhrwerken, die dem Beginn der Industrialisierung entsprungen scheinen, über Fernseher, die eher den 50ern entspringen bis hin zu Waffen, die futuristisch anmuten, ist alles vorhanden und in einer wilden Mischung zusammengeworfen, die leider alles andere als homogen wirkt. Stattdessen bietet sich dem Betrachter ein seltsam uninspiriertes Flickwerk verschiedenster Stilelemente, bei dem den verantwortlichen Künstlern alle Pferde durchgegangen sind. Statt dichter Atmosphäre entsteht nicht einmal ein seichtes Interesse am Plot des Films.
Dieser ist zudem künstlich gedehnt und bricht mit seinem viel zu langsamen Pacing dem Projekt endgültig das Genick, was den offensichtlichen Wunsch anbelangt, sich weit oben in der Riege der Vampirfilme zu platzieren, und stößt es stattdessen weit hinab bis unter's Mittelmaß. Quälend langsam zerdehnen sich einige Szenen gerade zu Beginn und am Schluss; die Klischees, durch die das Drehbuch gleich bis zu den Oberschenkeln watet, vermögen da nicht gerade viel zu retten. Auch die im Programm des FFF '07 großspurig als blutig angekündigte Action kann Perfect Creature nicht unterstützend zur Seite springen (mittlerweile hat die FSK das ja auch bestätigt) - stattdessen kommt sie meist so blutleer daher wie die bleichen Opfer des durchgedrehten Vampirs.
Letzterer ist es dann, der den Film vor dem Totalausfall bewahrt und ihm immerhin eine memorable Szene beschert: Im leicht stärkeren Mittelteil ist er gefangen in der vermeintlich sicheren Sonderhaft der Bruderschaft, tief unten in dunklen Gewölben. Hier ist der Film für einen kurzen Moment, was er sein möchte, stylish und finster. Der Wahnsinn des bösen Vampirs sowie seine ungeheure Macht entfesseln sich schließlich in einer brutalen Ausbruchszene, die in visueller und optischer Qualität leider alleine dasteht.
So ist Perfect Creature doch nur eine Ansammlung maximal mittelmäßiger Szenen, die fast ohne Höhepunkte und einfallsreiche Szenen sofort wieder aus dem Kopf des Zuschauers verschwinden und in ihrer unpassenden Trägheit höchstens noch einen schlechten Nachgeschmack hinterlassen. Aus den guten Ansätzen wurde viel zu wenig gemacht, sodass der Film nicht empfohlen werden kann. Babybeißerchen statt ausgewachsenen Fangzähnen, schade!