In einer Kleinstadt beschäftigen die Morde des Vorstadtrippers die Polizei und Rucksäcke führen ein blut- und fleischgieriges Eigenleben. Ein paar Überlebende dieser Bedrohung finden in einem Bunkersystem Zuflucht, wo sämtliche Handlungsfäden zusammenlaufen.
Was erwartet man von einem Film mit dem Titel "Überfall der Mörderrucksäcke"? Home Made Wald- und Wiesensplatter? Wackelkameraklamauk mit miesen Darstellern? Egal, diese Erwartungen werden nicht erfüllt, denn es handelt es sich bei diesem Werk um eine richtig gute Amateurproduktion, die sich positiv von den üblichen Werken dieser Art abhebt.
Die Geschichte ist gelungen aufgebaut und in (wenn ich mich nicht verzählt habe) fünf Kapitel unterteilt, in denen dem Zuschauer die Möglichkeit gegeben wird, die Charaktere gründlich kennenzulernen und die Handlungsstränge aufgenommen werden, um am Ende gekonnt zusammenzulaufen. Die Dialoge sind sehr glaubwürdig gehalten und werden von den Figuren trotz ihrer stellenweisen Komik (z.B. das Gerede über Haifischbisse, Namensergründungen, das Nichtgehenwollen ohne die Hand) ernst rübergebracht, so dass der Film trotz seiner mordenden Rucksäcke (die übrigens insgesamt nur wenig Laufzeit für sich vereinnahmen) niemals im platten Klamauk versumpft. Erklärungen für die Mordlust der Rucksäcke werden wie einst bei "Zombie", dem die Macher anscheinend nicht abgeneigt sind, denn es gibt ein paar schöne Anspielungen auf diesen (die Produktionsfirma nennt sich "Dawn of the head", der Name George A. Romero fällt in einer Radiosendung und das bekannteste Zitat des Films kommt hier in abgewandelter Form zur Sprache) nicht gegeben und das ist auch gut so. Man könnte eventuell bemängeln, dass die Identität des Vorstadtrippers dem aufmerksamen Zuschauer schnell klar sein dürfte und der Überraschungseffekt am Ende daher ausbleibt, aber der Film unterhält auch so und zielt nicht ausschließlich auf die Täterauflösung ab.
Ebenfalls sehr überzeugend sind die Darsteller, die so manch einem Mimen von Weltpremieren auf Sat 1 den Rang abspielen. Bleibt nur zu hoffen, dass man von der neben einem mit großem schauspielerischen Talent ebenfalls mit besonderer Hübschheit gesegneten Hauptdarstellerin Eva Balkenthol, was jetzt nicht die Leistungen der anderen ebenso tollen Schauspieler schmälern soll, noch viel sehen wird.
Immer schön anzuhören ist der Einsatz der Musik, bei deren Auswahl man löblicher Weise ausschließlich auf deutschsprachige Songs zurückgegriffen hat, die entweder zum Geschehen passen oder einfach nur unterhalten. Sogar ein Song der großartigen "Die Schnitter", die mich beim Umsonst & Draussen Festival in Stemwede vor ein paar Jahren begeistert haben, fand seinen Platz im Film, was aber nicht verwunderlich ist, da der Regisseur Ralf Kemper ja einer der Köpfe hinter der Band ist.
Bei den Effekten gibt es ein paar nette Blutigkeiten, die niemals übertriebene Ausmaße annehmen und stets mit Humor einhergehen und besonders spaßig wird es, wenn sich die Leute mit den titelgebenden Rucksäcken herumschlagen müssen, wobei die Massenpanikszene in der Stadt (eine Rudel Rucksäcke jagt einer Menschenmenge hinterher) ein kleines Highlight bildet.
Insgesamt ist dies dem Titel zum Trotz ein gut inszenierter kleiner Film, der für Laune sorgt und ordentlich unterhält. Bleibt nur zu hoffen, dass er seine Zielgruppe erreicht, denn größere Beachtung hat er verdient.