Nehmt die Helme ab, Kameraden... Einer der Helden unserer Kindheit liegt in den letzten Zügen. Und ein Aufächzen wird durch die Reihen gehen, wenn Ihr erst erkennt welchen tapferen, dahinscheidenden Kämpen wir hier betrauern: Denn es ist Asterix, dessen Abenteuer bereits ganze Generationen verfolgt haben. Nun scheint es vorbei mit ihm und während Erzrivale Cäsar nur einen Brutus hinter sich hatte, der ihn schließlich heimtückisch niederstach, hat Asterix gar ganze Battailone solcher Assassinen hinter sich zu stehen. Da hilft auch ein Schluck Zaubertrank wohl nicht mehr. Die Hazardeure des Kults sind so zahlreich wie vielschichtig. Der Bekannteste dürfte wohl Asterix-Vater Goscinny darselbst sein, der den blonden Gallier nach dem Tod vom schreiberischen Mastermind und Kollegen Uderzo nun fortan im Auftrage Gott Mammons in ein unmotiviertes und schlecht struktuiertes Abenteuer nach dem anderen stürzen sollte. Jüngster Auswuchs dieser grausigen Entwicklung war das Comic-Machwerk "Gallien in Gefahr", dass mit seiner hahnebüchenen Außerirdischen-Story jeder Beschreibung spottet.
Doch auch die Filmemacher scheinen es in letzter Zeit übel mit dem flügelbehelmten Barbaren zu meinen und lassen keine Chance aus, sein Ansehen einmal quer durch den Dreck und wieder zurück zu schleifen. Waren die unseeligen Realverfilmungen noch mit viel Gutwill zu ignorieren, nein auch in den cartoonischen Filmadaptionen stürzte das qualitative Level allmählich aber sichtlich in's Bodenlose. Der schwache Streifen "Asterix in Amerika" läutete dann auch Asterix' filmisches Armageddon unheilsschwanger ein, und bereitete den von düsteren Vorahnungen heimgesuchten Fan-Kader darauf vor, sich vor noch mehr Schindluder mit der Comic-Ikone Asterix zu wappnen. - und sie sollten mit ihren Befürchtungen Recht behalten...
Kommen wir also zum Plot: Asterix und sein behäbiger Kumpan Obelix sind das triste Alltagsleben im Dorf leid. Selbst die alltäglichen Prügeleien vermögen ihnen da keine Begeisterung mehr abzuringen. Doch eine neue Herausforderung aktiviert die Lebensgeister des Duos erneut. Denn der Schwager von Majestix schickt den Unbeugsamen seinen mißratenen Filius Grautvornix, um aus dem Weichbrot möglichst schnell einen wahren Krieger zu formen, bevor er ihn in die Welt entläßt. Nicht ganz einfach, denn der neue Schützling von Asterix und Obelix taugt zum Kämpfer ungefähr soviel wie ein Seebarsch zum Marathonläufer. Der Jungsporn hat mehr trendige Musik und stylishe Outfits im Kopf, als dass er sich um die Lehren seiner ernannten Mentoren scheren will. Das ändert sich erst, als eine Rotte Wikinger sich am Horizont abzeichnet. Denn die leicht tumben Nordmänner haben von dem alten Sprichwort gehört, dass Angst Flügel verleiht. Und nehmen das natürlich wörtlich. So befinden sie sich nun auf der Suche nach der Welt größtem Feigling, der ihnen die Angst, und somit vermeintlich auch das Fliegen, beibringen soll. Selbstredend können die Gallier diesem aberwitzigen Tun nicht ruhigen Fußes so einfach zusehen und schon hätten wir ein potentielles Szenario für den gewohnten, kultigen Asterix-Klamauk...
Doch weit gefehlt! Denn allzu bemüht wirken die Schritte der Filmemacher hier, um an alte Tugenden des Kultstoffes anzuschließen. Und da es an neuen Ideen offenkundig profunde mangelte, erging man sich lieber in hilflosen, humoristischen Schüßen aus der Hüfte. Das, was Asterix einst ausmachte, die ironische Real- und Klischeesatire, fehlt hier nahezu völlig. Die Macher ergehen sich stattdessen im Recycling althergebrachter Szenerien (Dorfprügelei u.Ä.) um wenigstens noch ein bißchen Bezug zum Ruhm vergangener Tage zu schaffen. Leider größtenteils erfolglos. Denn dafür ist der Plot einfach zu mißlungen. Zu bemüht, zu unfähig, zu frei von jeglicher Originalität. Das muß selbst den Machern des Streifens wohl während der Produktion ganz allmählich ins Denkzentrum gesickert sein und so bemühen sie sich spürbar, den Film mit vermeintlich aufpeppenden Elementen anzureichern. Aber auch darin scheitern sie kläglich, fiel ihnen zur Begrenzung der Misere doch einfach nichts Besseres ein, als die heutzutage üblichen Subroutinen des aktuellen Film-Business buchstabengetreu herunterzurattern und zu kopieren.
Da hätten wir zunächst die (und ich kann nicht umhin diese wieder und wieder anzuprangern) gräuliche Unsitte des mittlerweile obligatorischen "Battle-Chicks". Sie kamen zunächst subtil und vereinzelt, und invasierten anschließend schleichend aber bestetig die gesamte Filmwelt. Diese zutiefst unrealistischen Figuren der kämpfenden Amazonen, die den männlichen Akteuren kämpferisch angeblich in nichts nachstehen und auch fast fanatisch bemüht sind, dies Szene für Szene auf's Äußerste bemüht zu beweisen. Auch Asterix & Co. wurden nun final von dieser Seuche eingeholt und überrannt. Das Klischee-Fight-Girl manifestiert sich hier in der Figur der normannischen Häuptlingstochter Abba (ha ha, was'n Wortspiel. Alles lacht *sarcasm*), die dann auch (die nächste Filmsubroutine) in eier Romanze zwischen der Walküre und dem schmächtigen Grautvornix mündet. Auf dieses hollywood-stereotype "Tet a tet" wird unverständlicherweise ein nicht unerheblicher Teil der Spielzeit verwandt und rückt den Fokus somit ungerechtfertigt und flußschädigend von den eigentlichen Sympathieträgern der Reihe, den beiden berühmten Gallier-Haudegen, weg. Denn für tragende Rollen sind die beiden mediokren Sideshows (Abba & Grautvornix) einfach von zu wenig Substanz und Charackter.
Und schon im bloßen Namen der resoluten Möchtegern-Krieger-Emanze manifestiert sich eine weitere, eklatante Schwäche des Films. Um möglichst den Bezug zu einer neuen, heranwachsenden Fan-Community zu finden ist man hier geradezu peinlich exzessiv bemüht, sich mit zeitgenößischen Persiflagen und Stilmitteln bei dieser Klientel anzubiedern. Diese vermeintlichen Schenkelklopfer sind allerdings zum Grausen des Fans dann doch nur platt, offensichtlich, unausgefeilt und durchgehend so simpel gestrickt, dass es schier wehtut. Die Wikinger haben eine Brieftaube namens "Esemesix" am Start, die Nachrichten in der Ferne in Baumrinden hackt (wie subtil, ha ha, alles lacht... *rolleyes*), Grautvornix hustet den verdutzten Galliern hippe Raps vor und schlechte, zeitbezogene Wortspiele (in ihrer stumpfen Offensichtlichkeit meist hart an der Brechreizgrenze) sind an der Tagesordnung. Der subtile Humor und die gekonnten Parodien alter Tage sind zu keinem Zeitpunkt erkenn- oder feststellbar.
Die Zeichnungen hingegen bewegen sich auf recht brauchbarem Niveau. Zwar verstehen es die Zeichner und Animateure dieser Episode nicht ganz, an die geniale Klasse von Vorgängern a la "Operation Hinkelstein" anzuschließen, dennoch fangen sie das optische Flair der Reihe noch ganz passabel ein. - Diesen Vorteil macht die deutche Synchronisation jedoch sogleich und flächendeckend wieder zunichte. Denn bei den meisten heutigen Animationsfilmen hat sich der bedenkliche Trend zum Standart gemausert, dass Sprecher nicht nach ihrer stimmlichen Passgenauigkeit zur Rolle oder ihrem schauspielerischen Können, sondern schlicht nach der Bekanntheit ihres Namens gecastet werden. Und das Ergebnis trägt diesem irrsinnigen Gebahren grausige Rechnung: Christian Tramitz ist als Asterix gerade noch ertragbar (wenngleich gänzlich farblos), während Obelix' patente Fehlbesetzung allein den Film schon um noch ein paar Zacken weiter in die Tiefe reißt. Auch weitere Stimmen aus der deutschen B-Prominenz lassen zwar das Filmplakat (mittels bekannter Namen) im Auge des gemeinen Jon Does für "wichtiger" wirken, tragen aber zumeist nicht im Mindesten zum Gelingen der Dub als Solcher bei, ja manövrieren diese im Gegenteil durch mangelnde Stimmigkeit und Unvermögen gekonnt in's finale Aus.
F a z i t :
Wer noch nie zuvor je einen Band von Asterix gelesen oder einen der älteren Filme gesehen hat, der mag sich von "Asterix gegen die Wikinger" noch ganz gut unterhalten fühlen. Denn die Grundstärken der Gallier sind (auch wenn man wie hier alles falsch macht was falsch zu machen ist) nie ganz totzukriegen. Im Detail bricht der Film allerdings empfindlich ein. Die Storyline wirkt schlicht zu konstruiert und bemüht, versteht es zu keinem Zeitpunkt den Zuseher in irgendeiner Weise zu fesseln. Die neu eingeführten Charaktere sind durchwachsen und farblos, bekommen aber nichtdestotrotz viel zuviel Laufzeit zugebilligt. Asterix und Obelix fristen eher ein Schattendasein und müssen sich etwas zu sehr auf das Herunterexerzieren althergebrachter Standardlacher beschränken, insofern sie denn überhaupt zum Zuge kommen. - Zeit, den kleinen, blonden, todgeweihten Gallier endlich auf ein brennendes Schiff zu packen und Wallhall zu übergeben. Denn seine Ära ist mit Machwerken wie diesem wohl nun endgültig und unwiederruflich vorbei. Es täte der Reihe wohl, langsam in den Ruhestand zu gehen, anstatt sich wieder und wieder mit unwürdigen, mutwillig aus dem Boden gestampften Fortsetzungen um den langjährig erworbenen, guten Ruf zu bringen. - Wer passionierter Asterix-Fanatiker ist, der mag diesen Film mit Tränen in den Augen und einer Patrone zwischen den zusammengepreßten Kiefern eventuell aushalten. Für mich persönlich war der Film lediglich ein traurig unwürdiger Abgesang auf den Niedergang eines, mit seinen besseren Abenteuern unsterblich gewordenen, Kultcharakters.