Paris 2054: Der Spitzenbulle Karas ist angeheuert die junge, aus dem Kaukasus stammende Wissenschaftlerin Ilona ( jung, geil aber trotzdem Top-Akademikerin ) zu finden. Unterstützt von ihrer Schwester folgt der Film dem Hauptdarsteller auf seiner Suche, die ihn von russischen Clubbesitzern über ( algerische ) Schatten der Vergangenheit bis hin zu dem ominösen Dr. Müller ( gar nicht mal so böser Deutscher ) und schließlich dem omnipräsenten Avalon-Konzern führt.
Renaissance war neben dem Abschlussfilm "The Science of Sleep" von Michel Gondry einer der am besten besuchten Filme des Fantasy-Filmfests 2006 ( in Nürnberg zumindest und verglichen mit den anderen Filmen, bei denen ich im Kino saß ). Woran das gelegen hat, dürfte ziemlich klar sein: Sin City. Alle Menschen lieben Sin City...und auch der FFF-Guide kam nicht drumrum den Vergleich mit ihm zu bemühen. Dennoch gehörte ich zu einer Minderheit. Mir hat Sin City nicht wirklich gut gefallen und ich hab eigentlich gehofft, daß Rennaissance das wird, was ich mir von Sin City erhofft hatte. Tja...scheiße gelaufen!
Das was ich mir primär erhofft habe, erfüllt der Film sogar: TechNoir vom Feinsten. Die komplett gezeichnete, "harte" schwarzweiß Optik ist zum einen wesentlich beeindruckender, zum anderen deutlich stimmiger als der wüst unmotivierte Farbenpansch von "Sin City". Über weite Strecken des Films muß man einfach bewundernd seinem Sitznachbarn zunicken um seiner Faszination Luft zu machen: das was die Burschen um Monsieur Volckman da an Animation hingebaut haben ist absolute Spiztenklasse! Egal ob lebensechte Charaktere, das mit Ausnahme des Eiffelturms neu entworfene, teilweise bizarr stilisierte Paris oder ( mein Favorit ) der immer passende Lichtfall ( und das bei gerade mal 2 Farben ).
Doch dummerweise gibt's da noch eine Story. Auch wenn ich bei "Sin City" die einzelnen Geschichten nicht mehr als nett fand, sind sie alle besser, als das, was einem Monsieur Volckman hier vorsetzt. Ja, der Film würde nicht "Renaissance" heißen, wenn er nicht deutliche Parallelen zum Film Noir schlagen würde, aber muß er deshalb zwingend eine Geschichte auftischen die so unglaublich alt, uninteressant und austauschbar ist, das es weh tut ? Nachdem wir das Kino verlassen haben konnten selbst zwei meiner Begleiter, die bei weitem keine solchen Filmfaschisten sind wie ich, nur resignierend mit dem Kopf schütteln ob einem solchen Klischeeberg. So viel Abgedroschenheit grenzt an Unverschämtheit ! Oder Faulheit des Drehbuchautors...
Als Beispiel möchte ich nur den Hauptdarsteller erwähnen: Er könnte direkt aus einem Ego-Shooter entsprungen sein. Er ist natürlich groß, muskulös, wordkarg und Parade Anti-held. Desweiteren hat er natürlich spitzenmäßige Connections zur Unterwelt, da er ja selbst aus der Gosse kommt ( super ). Im Verlauf der Geschichte verliebt er sich natürlich in seine undurchsichtige Auftraggeberin ( super ) fährt nebenbei einen stylischen Oldtimer ( super ) und eckt natürlich solange mit seinen Vorgesetzten an, bis er vom Dienst suspendiert wird ( der Wahnsinn ). Die Verschwörungsstory um ihn herum kann, eigentlich logischer Weise, auf Basis dieses Hauptcharakters, ebenfalls nur allzu Bekanntes wiedergeben. Zum Abschluß mündet sie dann, eigentlich auch logischer Weise, in den obligatorischen, finalen "Auflösungsdialog", der das ganze Ausmaß der potentiellen Geschehnisse aufzeigen soll. Auch hier habe ich wieder verzweifelt gehofft, das am Ende dieses Dialogs nicht die ganz schlimmen Klischeewörter "Eternity" oder "Immortality" stehen. Ich sag ( aus Spoilergründen ) mal lieber nicht welches Wort genau da über Dr. Müller's Lippen kam, aber ich bin ermattet und mit einem "Neiiiin" im Hinterkopf in meinem Stuhl zusammengesackt. Das während des Films auch munter Charaktere eingeführt werde, die dann einfach mal ( vermutlich aus Zeitgründen ) wegfallen, will ich gar nicht mal mehr erwähnen.
Vielleicht ist es auch wieder ein Denkfehler von mir, daß zu einem extravagantem Look auch eine surreale, kontovers, verstörende Story gehört, aber so ist es einfach zu viel des Schlechten. Ich für meinen Teil bleib bei "Casshern", der beides brilliant miteinander kombiniert...und außerdem ohne rüdes product placement auskommt ( Motorola, Coca Cola, Citroen...), wobei mich das mehr belustigt als genervt hat.
Fazit: Allein wegen der Machart bestimmt keine verlorene Zeit, aber defintiv auch keine Wissenslücke.