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Wer erinnert sich noch? An Jason, Freddy, Michael, den Candyman und wie sie alle hießen? Die Ikonen des Slasherfilms. Noch heute haben sie ihren Kultstatus inne, noch immer sind sie die ungekrönten Helden, wenn es um das gekonnte Abmetzeln von (vorzüglich) Teenies im Film geht. Lange Zeit war danach Stille, bis dann Wes Craven das Genre wieder auf Vordermann brachte und mit seinem Ghostfacekiller erneut einen irren Mörder über die Leinwände scheuchte. Doch auch diese Zeiten liegen schon wieder einige Jahre zurück und nur noch als DtV-Ware kann sich der Schlitzer einigermaßen über Wasser halten. Auch "Hatchet" gehört zu dieser Ware, verspricht auf dem Cover allerdings endlich wieder einmal "Old-School-Horror", der zudem mit einigen Schauspielerikonen von damals auftreten soll. Nun ja, als etwas zu vollmundig entpuppt sich dieses Versprechen, nachdem man das Endergebnis zu Gesicht bekommen hat, doch seinen Spaß kann man damit dennoch haben, wenn auch nicht uneingeschränkt.

Um erst einmal die größte Hoffnung zerplatzen zu lassen, wirklicher "Old-School-Horror" ist "The Hatchet" nicht, eher ein typischer Slasher von heute, der versucht sich daran anzulehnen. Die Story ist dabei genauso dünn wie eh und je in dem Genre. Eine Gruppe von todesmutigen Teenies und Möchtegernforschern macht sich auf, um bei einer Bootsfahrt in das Reich des gefürchteten Victor Crowley zu gelangen, der, der Legende nach, viele unschuldige Menschen auf dem Gewissen haben soll. Doch die Bootstour entpuppt sich als lausig, bis der für Tod geglaubte Mörder plötzlich quicklebendig auf die Jagd nach ihnen geht. Und das Blutbad kann beginnen... Entbehrt von jedwedem Sinn und jedweder Logik, sowie vollgestopft mit allerhand blödsinnigen Szenarien, hebt sich "The Hatchet" in seiner Handlung wirklich kaum vom Rest der üblichen Genre-Kost ab. Wie so oft wird erst versucht das Böse zu erklären, bevor es dann eiskalt über alle beteiligten Charaktere hereinfällt. Innovationen und Spannung sind hier Fehlanzeige, hier regiert, wie so oft bei Slashern, der Bodycount und die Atmosphäre und damit kann Hatchet dann doch ganz gut auffahren.

Denn was die Atmosphäre angeht, haben sich die Macher doch zeitweise ganz gut ins Zeug gelegt, um den Zuschauer das Gruseln zu leeren. Die Nebel behangenen Ufer des Sumpfes, der dunkle Wald oder die gruselige Hütte bürgen doch einiges an Atmosphäre, die vor allem bei Anfängern schon mal die ein oder andere Schweißperle aus den Poren drückt. Zumal auch der Soundtrack sein übliches bringt und immer dann auf volle Dröhnung gestellt wird, wenn unser irrer Massenmörder auf seine Opfer trifft. Für alteingesessene Genrefreak ist das Meiste natürlich vorhersehbar, doch für das ein oder andere Erschreckerli hier und da reicht es auch bei ihnen.

Genauso wie das Gore-Szenario, welches der FSK, irgendwo verständlicherweise, bei der ersten Sichtung zu derbe vorkam und erst beim zweiten Versuch seitens des Verleihers, das begehrte KJ-Siegel aufdrückt bekam. Es splattert gar heftig, wenn Victor Crowley auf seine Opfer trifft und sie formgerecht zerhackt, ihnen die Gliedmaßen vom Leibe reist oder eine Schädelspaltung nach der Anderen durchführt. Ohne großartige Computereffekte, sondern schön von Hand gemacht, sind sie das Einzige, was hier wirklich als "Old-School" durchgehen dürfte und beim Zuschauen einen Heidenspaß macht, zumindest wenn man das ewig verdrängte Splatterkiddie im inneren endlich mal wieder an die frische Luft lässt. Zarte Gemüter dürften das Gemetzel jedenfalls nicht sonderlich lange ertragen.

Einen weiteren Pluspunkt erfährt der Streifen zudem durch die Tatsache, dass er sich zu keinem Zeitpunkt wirklich ernst nimmt, sondern die Doofheit seiner Charaktere teils äußerst offenkundig zur Schau stellt. So ist z. Bsp. ein Dialog wie "Wie ist die Nummer der Polizei?", "Natürlich 911", "Auch vom Handy aus oder haben die da eine andere Vorwahl?", schon durchaus den ein oder anderen Schmunzler wert und auch ein Zeichen dafür, dass das ganze Treiben, so dämlich es im Endeffekt auch sein mag, nie und nimmer ernst gemeint ist und Lachen durchaus erwünscht und nicht unfreiwillig ist.

Schade nur, dass sich das Treiben wieder einmal viel zu viel Zeit nimmt um in die Gänge zu kommen und erst nach mehr als der Hälfte der Spielzeit so einigermaßen interessant wird. Des weiteren ist auch die Verheitzung der angekündigten Slasherikonen schade, denn Robert Englund ist gerade einmal 5 Minuten am Leben und Candyman Tony Todd hat auch nicht mehr als einen überflüssigen Cameo-Auftritt. Na und Kane Hodder darf hier Victor Crowley und dessen Vater spielen, wobei er aber auch nur in der Vaterrolle zu erkennen ist, ansonsten nur hinter einen dicken Maske agiert. Deshalb kann man hier vom Verbrauchen der Gaststars durchaus schon sprechen.

Und auch die restlichen Darsteller sind allesamt nicht der Rede wert. Wirklich kennen tut man sie größtenteils alle nicht, sieht man vielleicht einmal von Richard Riehle, Joshua Leonard oder Deon Richmond ab, und wirklich überzeugen können sie erst recht nicht. Zwar könnte man diese Tatsache auch als "Old School" bezeichnen, denn wirklich gute Schauspieler hat das Slashergenre, noch (so gut wie) nie besessen, aber nur ein wenig mehr Emotion im Spiel wäre doch wünschenswert gewesen. Aber nun gut.

Fazit: Der Publikumsliebling "Hatchet" entpuppt sich nach all den großen Ankündigungen als nichts anderes, als ein typischer Slasher von heute, der sich zwar durchaus vor dem Genre als solches verbeugt und mit einigen atmosphärischen Momenten, so einem mehr als ordentlich geratenen Strudel aus Blut und Gedärm, auch durchaus daran zu erinnern weiß, im Endeffekt aber dennoch mehr auf der modernen Schiene fährt, als auf der wirklichen 80er-Welle. Zudem werden die Gaststars viel zu schnell verheizt und das ganze Treiben braucht auch wieder einmal viel zu lange, um wirklich in Fahrt zu kommen. Da sich der Spaß aber insgesamt nie wirklich ernst nimmt und es irgendwo auch hübsch ist, Jason-Darsteller Kane Hodder mal wieder in seinem Element zu sehen, kann man sich als Genre-Freak hiermit dennoch nette 80 Minuten machen. Alle anderen sollten sich den Kauf aber vielleicht noch einmal überlegen.

Wertung: 6,5/10 Punkte

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