kurz angerissen*
Die Agonie gehänselter Missgestalten spiegelt sich in der knautschig-doofen Gummimaske von Victor Crowley, der eigentlich einfach nur lieb gehabt werden will. Ach, was wäre dieses Genre bloß ohne selbstmitleidige Flashbacks und über Jahrzehnte angestaute Rachegelüste, die sich dann bei zufälligen Begegnungen mit arglosen Sumpfbesuchern entladen? Gott schütze den degenerierten amerikanischen Süden! Merke: Ohne Mobbing keine soziale Ausgrenzung, ohne soziale Ausgrenzung keine Psychopathie und ohne Psychopathie kein Splatter. Aber auch: Ohne Knautschvisage kein Mobbing...?
Adam Green stutzt alte Slasher-Schemata auf die wichtigsten Regeln zurück und konzentriert sich auf drei Dinge: Die Hässlichkeit des Monsters, die ausgewogene Mischung der Opfersorten und das geeignete Ambiente fürs fröhliche Schlachtfest. Den unnötigen Umweg über Tony Todd (ein wahrhaft sinnloses Cameo als Mardi-Gras-Voodoo-Navigationshelfer) mal außen vor, bewegt sich die Handlung geradlinig und stumpf auf den Moment zu, in dem kaum noch jemand übrig ist.
Denn der Weg ist das Ziel. So ein Hackebeil kann ziemlich ordentliche Sauereien anstellen. Schön, dass die Existenz von Computereffekten noch nicht allzu tief in die Sümpfe von New Orleans vorgedrungen ist, so spritzt das Rot in satten Klecksern noch mehr oder weniger real – eine inzwischen fast verlernte Praktik.
Die Zusammensetzung der Bootstour ergibt im Grunde keinerlei Sinn, weder der Tourguide noch seine Passagiere scheinen so richtig Lust zu haben, im Dunkeln bei Regen und Donner durch die Sümpfe zu schwimmen. Warum es dennoch durchgezogen wird, ist wohl nur mit selbstregulierender Gruppendynamik zu erklären. Sinnvolle Dialoge oder geistreiche Aktionen im Angesicht der Gefahr sind also nicht zu erwarten. Es soll dem eingeschnappten Beilschwinger ja auch nicht zu schwer gemacht haben.
Irgendwie schon verständlich, dass einige Slasher-Fans darauf stehen. Manche machen ja auch jedes Jahr an der gleichen Stelle Urlaub und nennen es ihr zweites Wohnzimmer. Wenn die Robert Englund beim Angeln im Prolog entdecken, jubeln sie ihm zu wie dem Camping-Nachbarn, den sie schon drei Monate nicht gesehen haben. Die Unterwürfigkeit gegenüber den Genre-Regeln macht „Hatchet“ in letzter Konsequenz völlig austauschbar, aber der finale Freeze Frame öffnet immerhin die Pforten in die heiligen Hallen der Sequels. Nach nun bereits vier Victor-Crowley-Filmen winkt die Unsterblichkeit an der Seite der ewigen Wiedergänger Jason und Michael. Herzlichen Glückwunsch.
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