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Jack Mosley (Bruce Willis) ist ein abgehalfterter New Yorker Polizist, der seinen Dienst nur noch mit größter Mühe verrichten und den Griff zur Flasche kaum noch verbergen kann. Eines Tages kurz vor Dienstschluß nimmt er widerwillig einen Auftrag an: Er soll am nächsten Tag einen Strafgefangenen zu einem Prozeß bringen, wo dieser als Zeuge aussagen soll. Diese langweilige Routinearbeit stellt sich jedoch als lebensgefährlich heraus, da der Zeuge Eddie Bunker (Mos Def) das Gericht gar nicht erreichen soll: Unterwegs werden Mosley und er von einem Killerkommando beschossen und können sich nur mit knapper Not in eine Bar retten. Dort trifft schon bald Verstärkung ein, doch Jacks NYPD-Kollegen, allen voran Frank Nugent (David Morse) sind keine Hilfe, wollen sie doch ebenfalls den Zeugen beseitigen. Kurz bevor sie zur Tat schreiten können, beschließt Mosley, dem schwarzen Zeugen zu helfen und schießt einem Kollegen ins Bein - fortan müssen die beiden ungleichen Partner nun fliehen, titelgebende 16 Blocks ist das rettende Gerichtsgebäude entfernt...

Die Hard-Actionstar Bruce Willis in einer weiteren Action-Rolle, diesmal als versoffener Cop, der einem schwarzen Kleingangster das Leben rettet und sich dabei gegen seine korrupten (weissen) Kollegen stellt - es gab schon spannendere Plots. 16 Blocks ist zwar sauber abgedreht und hat auch ein paar nette Shoot-outs und eine kurze Verfolgungsfahrt in einem Bus im Petto, insgesamt aber ist schon von vornherein absehbar, daß Willis es schaffen wird, womit dem Streifen jede Spannung genommen wird.

Bruce Willis ist dabei anfangs so stark überschminkt (Augenringe), daß man sich fragt, ob sein Alkoholkonsum nicht irgendeinem Vorgesetzten aufgefallen ist - im Laufe des Films aber (ein Vormittag weitgehend in Echtzeit, da ein zeitliches Ziel - 10 Uhr im Gerichtsgebäude - zu erreichen ist) wirkt er immer fitter und frischer, was ziemlich unlogisch erscheint. Immerhin bleibt er bei seiner Überzeugung und läßt sich auch durch das ständige Locken seines früheren Freundes und Kollegen Nugent nicht beirren. Der schwarze Zeuge Bunker dagegen ist ein Schwätzer, der Mosley von Anfang an mit Belanglosigkeiten zutextet und mit jeder weiteren Minute den Zuschauer nur noch nervt: Er hat etwas beobachtet, was einen korrupten Polizisten belasten könnte und soll dies nun aussagen - in Wirklichkeit ist er ein Kleingangster, der sich den Traum von einer eigenen Bäckerei erfüllen will - gähn! So schleppen sich also der an der Hand verletzte Mosley und sein Schützling durch Chinatown, verstecken sich in Apartments, irren durch Küchen und Wäscheräume und kapern zum Schluß auch noch einen Bus mit dutzenden Geiseln.

Die eigentlich interessanteste Person des Films aber ist Jacks Kollege Frank Nugent (David Morse), der Anführer und das Sprachrohr einer Gruppe von korrupten Polizisten, der Jack ein ums andere Mal davon zu überzeugen versucht, die Seiten zu wechseln. Selbst nach einem Feuergefecht, nach Verletzten auf Seiten der Cops spielt er wortreich und schmeichelnd immer wieder auf ihre alte Freundschaft an und daß er Mosley schonen würde, falls dieser sich doch noch besinnen würde. Eine überzeugende Darstellung von Morse, der erst ganz zum Schluß auf den alten Diktiergerät-Mitschnitt-Trick hereinfällt und folglich scheitert - eigentlich die einzige überzeugende, wenn auch nicht sympathische Charakterfigur in 16 Blocks.

Zum Ende hin wird die Verfolgungsjagd immer seichter, ein paar tränentreibende Momente hat Lethal-Weapon-Regisseur Richard Donner dann auch noch eingebaut, und als die Bösen endlich eingelocht sind, kriegt Meister Willis auch noch eine große Torte vom geläuterten ehemaligen Gangster, der inzwischen seine erträumte Bäckerei eröffnet hat. Ach wie schön. 16 Blocks ist bestenfalls mittelprächtige Unterhaltung kurz vorm Schlafengehen, die man sich kein zweites Mal antun muß. 4 Punkte.

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