Review
von Alex Kiensch
Der abgehalfterte Cop Jack (Bruce Willis) will eigentlich Feierabend machen, als ihm sein Vorgesetzter einen letzten Routinejob aufdrückt: Er soll einen jungen Gefängnisinsassen zum Gericht fahren, damit dieser eine Zeugenaussage liefern kann. Ohne jegliche Begeisterung übernimmt Jack den Auftrag. Doch unterwegs wird ein Anschlag auf die beiden verübt und plötzlich begreift Jack, dass er hier in eine ebenso große wie gefährliche Geschichte hineingeraten ist.
Richard Donner, ein alteingesessener Routinier des Hollywood-Actionkinos, inszeniert die Story geradlinig, mit formaler Souveränität und angelehnt an das erfolgreiche Echtzeit-Konzept der Serie "24". Der größte Coup dabei ist jedoch ganz klar der Hauptdarsteller: Bruce Willis kämpft mit allen Mitteln gegen sein jahrelang aufgebautes Superhelden-Image an, was ihm besonders am Anfang sehr gut gelingt. Unordentlich gekleidet, mit einem zutiefst müden Blick und kaum in der Lage, richtig zu sprechen, gibt er eine der überzeugendsten Figuren seiner Karriere - völlig am Ende, wie dieser Cop ist, wundert es niemanden, dass er einen solch scheinbar lächerlichen Auftrag erhält. Zugleich schwingt aber auch von Anfang an eine gewisse Tragik in seiner Figur, die sämtliche Sympathien für ihn gewinnt - besonders im späteren Kontrast zum ständig Kaugummi kauenden Kollegen und Gegner Frank (David Morse).
Dennoch gelingt es "16 Blocks" leider nicht, nennenswert weit über das Niveau guten Durchschnitts hinauszugelangen. Zu belanglos wirkt die Story - die Geschichte der korrupten Cops, die unliebsame Zeugen loswerden wollen, ist praktisch so alt wie das Genre selbst. Da passt es überhaupt nicht, mit welcher Überraschungslosigkeit die ganze Sache erzählt wird. Und da Actionszenen für einen Richard Donner-Film angenehm zurückhaltend eingesetzt werden, kann man sich auch nicht damit herausreden, dass der Schwerpunkt auf Explosionen oder Schießereien angelegt wäre.
Nur Bruce Willis' Leistung und das handwerkliche Geschick, das sich Donner im Lauf der Jahre angeeignet hat, retten den Film vor dem Untergang. Die Inszenierung gefällt durch glatte Kamerafahrten, entsprechend düstere Farbdramaturgie und ein ordentliches Quantum Spannung, die den immer wieder losbrechenden Verfolgungsjagden zu verdanken ist. Dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass hier alles nach einem bewährten Erfolgsrezept zusammengemixt ist, ohne wirklich neue Ideen oder den Mut zum Originellen zugelassen zu haben. Das ist für einen guten Film einfach zu wenig.