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Eine wahre Begebenheit: während des Vietnam-Kriegs wird der Deutsch-Amerikaner Dieter Dengler als US-Kampfpilot im Einsatz über Laos abgeschossen und gerät in Gefangenschaft. Seine Mitgefangenen sind allesamt geistig angeschlagen, dennoch gelingt ihm mit einem Mitgefangenen die Flucht. Doch der Dschungel ist ein noch viel gefährlicherer Gegner.
Wenn das mal nicht international ist. Ein Deutscher dreht mit britischem Hauptdarsteller über den Krieg der USA in Vietnam, der in einem Gefangenenlager in Laos mündet und in der Flucht nach Thailand enden soll. Nach vielen Jahren kehrt Werner Herzog ins heiße Dschungelklima zurück, in dem er einst mit Aguirre und Fitzcarraldo seine wohl größten Erfolge feiern konnte.
Erzählt wird die Geschichte des abgeschossenen Navy Piloten, der unfreiwillig die wenig komfortable nordvietnamesische Gastfreundschaft eines Dschungelcamps kennenlernen muß, inklusive Foltereinlagen und einem Minimum an Verpflegung. Das kam Christian Bale sicher entgegen, der seinen ausgemergelten Körper direkt von seinem Vorgängerprojekt der Maschinist mitnehmen durfte.
Herzog verzichtet dabei auf das übliche Kriegsgeschehen und Bumm-bumm Action, sondern schildert detailliert die Figuren, das Lager und die Ausarbeitung der Flucht. Die Dreharbeiten dürften dabei speziell für die Schauspieler alles andere als angenehm gewesen sein. Abmagerung vor dem eigentlichen Dreh um in die Rolle zu passen, barfuß durch den Dschungel, Bale futtert sogar genüßlich Maden und Würmer, ganz zu schweigen von der generellen Schwüle, Moskitos oder den sonstlichen Unannehmlichkeiten des Regenwaldes.
Die letzte halbe Stunde packt dann noch das Survival Training der zwei Hauptcharaktere aus, die sich nach der Flucht durch die dichte Flora kämpfen müssen. Der Wahnsinn nimmt dabei ebenso ständig zu, wie die körperliche Fitneß abnimmt. Schade das die Schlußeinstellungen dann wieder völlig patriotisch überzogen sind (das hätte Emmerich kaum triefender gestalten können), dafür gibts als Ausgleich zu Beginn eine absolut witzige Szene im besten MST3K Stil, als die GI´s einen Lehrfilm höchst amüsant kommentieren.
Manchmal hätte man die Story ein wenig straffen können, aber im Großteil ist die Kinoversion des Dschungelcamps gelungen. Sehr authentisch und detailliert wird ein wahres POW Schicksal verfilmt, das durch die tolle Landschaft und gute Schauspieler glänzen kann. Gerne hätte ich noch vom Schicksal der anderen Gefangenen erfahren, da speziell der Eugene Charakter ja auch einer der zentralen Punkte darstellte. Dennoch ein absolut sehenswertes Kriegsdrama.
7/10

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