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New Jersey, 1986: Nachdem er mehrere Kugeln, die ihm sein eigener Cousin verpasst, knapp überlebt, wird der Gangster Jackie DiNorscio bei einem Drogendeal von der DEA hopsgenommen, weswegen ihm nun bis zu 30 Jahre hinter Gittern blühen. Der Bezirksstaatsanwalt Sean Kierney stellt eine Verkürzung der Haftstrafe in Aussicht, falls Jackie sich dazu bereit erklärt, vor Gericht als Zeuge gegen die Mafia-Familie Lucchese auszusagen... was dieser jedoch ablehnt. Stattdessen landet Jackie nun als Mitangeklagter vor dem Richter, weswegen ihm noch ein paar zusätzliche Jährchen on top drohen. Im Gegensatz zu den anderen Mafiosi, die mit ihren Top-Anwälten antanzen, vertritt Jackie sich jedoch selbst in dem Prozess, der sich als längster in der amerikanischen Rechts-Geschichte über mehrere Jahre hinziehen wird, und bringt die Geschworenen mit seiner sympathischen Art schnell auf seine Seite... Mit "Find Me Guilty - Der Mafiaprozess" begibt sich Sidney Lumet nach "Die 12 Geschworenen" und "The Verdict - Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit" mal wieder auf für ihn gewohntes Gerichtsfilm-Terrain und erleidet dort wie erwartet auch keinen Schiffbruch, doch in seiner Gesamheit ist das Ergebnis - obwohl an und für sich ein ganz souveränes Spätwerk - doch ein wenig zwiespältig ausgefallen. Der Reiz der Angelegenheit ergibt sich da zum einen durch den doch recht humorvollen Unterton, der den Streifen statt als "seriöses" Justiz-Drama eher auf einer Linie mit einer Gerichts-Komödie wie Bob Clarks "Karriere mit Links" (der aber wesentlich besser ist!) liegen lässt... und andererseits aufgrund des Umstands, dass viele Dialoge hier den Original-Gerichtsprotokollen des tatsächlichen Lucchese-Prozesses entnommen wurden und somit akkurat wiedergeben, wie sehr sich DiNorscio damals tatsächlich wie 'ne Wildsau aufgeführt hat, was für ein nicht gerade wenig Amüsement sorgt. Großartige Regie-Mätzchen sucht man hier indes vergebens und zu 90% spielt die Handlung zudem auch innerhalb des Gerichtssaals und in einigen offensichtlichen Studio-Interieurs, die optisch nicht viel hergeben und im Verbund mit der schmucklosen Fotografie für einen sterilen TV-Film-Look sorgen... wodurch das Augenmerk aber auch gänzlich auf die durch die Bank stark performenden Darsteller gelenkt wird. Das hier ist zudem so ziemlich das einzige Mal, dass Vin Deasel - angeblich sogar die Wunsch-Besetzung des echten Jackie DiNorscio, go figure! - in den letzten zwanzig Jahren sowas wie schauspielerische Ambitionen an den Tag gelegt hat, doch der heftige Kino-Flop des Streifens hat denen wohl endgültig einen Riegel vorgeschoben... und seitdem scheint er sich auch vollauf damit zu begnügen, den Riddick, Xander Cage und Dominic Toretto in austauschbaren Actionfilm-Franchises zu geben. Alleine schon, um ihn einmal in einer derart ungewohnten Rolle zu erleben, an der er sich trotz genereller Stiernackigkeit nicht verhebt, ist "Find Me Guilty - Der Mafiaprozess" ergo schon relativ sehenswert, auch wenn er nicht unbedingt flottes Entertainment liefert oder auch nur halbwegs mit Lumets genannten Meisterwerken aus dieser Sparte mithalten kann... aber das hat wohl auch nicht wirklich irgendjemand erwartet, oder...?

6/10

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