Der 2002 verstorbene Regisseur John Frankenheimer (Wild Christmas) war noch ein Mann der alten Schule. Das bewies er auch in "Ronin".
Sie alle waren während des Kalten Krieges im Einsatz: Stratege Sam (Robert De Niro), Waffenexperte Spence (Sean Bean), Computerspezialist Gregor (Stellan Skarsgard), das Organisationsgenie Vincent (Jean Reno) und Fluchtwagenfahrer Larry (Skip Sudduth). Jetzt trommelt die Irin Deirdre (Natascha McElhone) das Quintett im Auftrag eines Unbekannten zusammen. Ziel der Aktion: die Beschaffung eines geheimnisvollen Koffers.
Robert De Niro (Taxi Driver) spielt hier den Fragen stellenden Strategen vom CIA und scheint nicht auf den Mund gefallen zu sein. Hier beweist De Niro, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört und genauso gut ballern und kämpfen kann wie seine jüngeren Kollegen. Ihm zur Seite steht Jean Reno (Leon - Der Profi), der alles organisieren kann. Das Wort Unmöglich scheint er nicht zu kennen. Wie De Niro ist auch er eben ein Profi seines Faches. Jonathan Pryce (007 - Der Morgen stirbt nie) darf mal wieder den lokalen Schurken mimen, während Sean Bean (007 - Goldeneye) eher eine Randfigur ist. Stellan Skarsgard (King Arthur) ist der korrupte Fiesling und Natascha McElhone (Vertrauter Feind) ist als undurchsichtige Missionsleiterin zu sehen. In einer Nebenrolle haben wir noch Katharina Witt, die per Sniper-Gewehr im wahrsten Sinne des Wortes auf Eis gelegt wird.
Wie schon erwähnt, war John Frankenheimer noch ein Regisseur der alten Schule. So inszenierte er sämtliche Actioneinlagen ohne Computeranimationen, was ja heutzutage in Hollywood Gang und Gebe ist. Dadurch wirken die Shoot-Outs und Explosionen umso realistischer. Dabei bedienen sich die Charaktere einem großen Waffenarsenal, das vom 45er Colt über das M60-Maschinengewehr bishin zum LAW-Raketenwerfer keine Wünsche offen lässt. Dementsprechend wird auch viel "Ketchup" vergossen und die Story wird spannend erzählt. Garniert wird das Ganze dann noch durch rasante Verfolgungsjagden. Genau wie in "Pulp Fiction" wirkt der Koffer als Zielobjekt dabei nur als Mittel zum Zweck, da man seinen Inhalt nie erfährt. Die Musikuntermalung wurde ebenfalls gut gewählt und gibt der in Europa spielenden Story noch eine gewisse Tiefe.
Der Film wurde toll fotografiert und kann auch durch beeindruckende Aufnahmen von Paris und Nizza sowie Landschaftsaufnahmen bei den Verfolgungsjagden bestechen. Dem ganzen Film haftet ein altmodischer Stil an, was auch deutlich zu seinen Stärken gehört. Frankenheimer erzählt mit "Ronin" eine intelligente Story, in der alle Akteure mit verdeckten Karten spielen und man nie wirklich weiß, was die Personen wirklich im Sinn haben. Die Lokations wurden auch gut ausgewählt und es tut dem Film gut, dass er in Frankreich und nicht in den USA spielt.
Schade, dass in den heutigen Tagen nicht mehr Filme von solchem Format produziert werden, da hier sowohl Darsteller als auch Story und Action überzeugen können, womit der Film kaum langweilig wird.