Mit einem Budget von 55 Millionen Dollar, lässt Regisseur John Frankenheimer (French Connection II, The Challenge) seinen besten Film vom Stapel. Ein old schooliger Actionthriller mit einem sehr wendungsreichen Drehbuch von J.D. Zeik. Nach dem sehr misslungenen Remake "DNA - Experiment des Wahnsinns" hatte Frankenheimer dies auch bitter nötig. Zwei Jahre nach "Ronin" (käuflicher Samurai, ohne Herrn) drehte er den Actionfilm "Wild Christmas", welcher aber in den Kinos floppte, mitte 2002 verstarb Frankenheimer mit 72 Jahren.
Um an einen geheimnisvollen Koffer heran zu kommen, engagiert Deirdre (Natasha McElhone) mehere käuflich Spezialisten. Sam (Robert De Niro) ein absoluter Profi, wenn es um Taktik und Waffen geht, Vincent (Jean Reno) ein Organisationstalent, Gregor (Stellan Skarsgard) ein Computergenie, Spence (Sean Bean) den Waffennarren und Larry (Skipp Sudduth) einen Fluchtfahrer. Aber der große Coup geht leider schief und Jeder scheint auf eigene Rechnung zu arbeiten. Nur Sam und Vincent machen gemeinsame Sache und jagen dem Koffer durch ganz Frankreich hinterher. Dabei legen sie sich auch mit dem Terroristen Seamus O´Rourke (Jonathan Pryce) an.
"Ronin" gehört nicht ohne Grund zu den besten Actionthriller der 90er Jahre, zumindest in meinen Augen. Außer superber Action gibt es einen hochspannenden Plot mit vielen Wendungen. Dazu noch versehen mit tollen Darstellern. Robert De Niro und Jean Reno geben ein tolles Gespann ab. Sie bilden auch das Heldenduo des Films und legen sich mit allen Fronten an, um an den Koffer mit unbekannten Inhalt heranzukommen. Auch die übrige Rige mit Stellan Skarsgard als Verräter oder Jonathan Pryce als Fiesling machen einen brillanten Job. Bei Natasha McElhone alias Deirdre weiss man auch nie, auf wessen Seite sie steht und auch über Sam offenbart sich noch eine Überraschung im Finale. Es geht hier nicht nur um diesen Koffer, sondern es gibt ettliche Nebenstränge, welche das Geschehen undurchschaubar machen. Zudem ist die Spannung immer auf hohem Niveau, da Frankenheimer auch den Sinn zur Realität nicht verliert. Ein perfekt geplanter Coup kann auch schiefgehen, oder ein scheinbar einfacher Waffendeal platzen und unsere Spezialisten sind keine Superhelden, werden verletzt, oder beissen gar ganz ins Gras. Trotz vieler Morde und Parteien, welcher hinter dem Koffer her sind, verliert man nie den Überblick.
Herausragend ist auch die Action. Die bleihaltigen Shootouts finden unter Benutzung aller möglicher Waffen statt. Explosionen, hohe Sachschäden und auch Zivilisten müssen dran glauben. Daneben zwei wirklich atemberaubende Verfolgungsjagden bei denen dutzende von Autos geschrottet werden. Brillant und auf jeden Fall eine Erwähnung wert, ist die Kamerarbeit von Robert Fraisse. Ganz besonders bei den Autojagden, man fühlt sich als wäre man mitten im Geschehen und auch die Shootouts sind richtig berstend. Die Kamera ist immer am richtigen Platz, ohne nerviges Gewackel. Vielleicht hätte nur der Showdown ein wenig mehr ausarten können, doch ansonsten ist "Ronin" fast perfekt. Auch die vielen Dialoge sind auf unglaublich hohem Niveau und die Arbeit der Spezialisten wird von Frankenheimer sehr glaubhaft dargestellt.
Gedreht wurde in Frankreich, aber man sorgte dafür, dass der Film nur selten exotisch daherkommt. Meist ist das Wetter eher trübe und trist, aber durch den ständigen Ortswechsel wirkt die Kulisse nie monoton.
Klug und spannend inszenierter Actionthriller mit toller Besetzung und einem gewissen Hang zur Realität. Die Actionszenen sind brillant, genauso wie die Ausstattung. Muss man mal gesehen haben.