In „Ronin“ zelebriert Altmeister John Frankenheimer einen erstklassigen Actionthriller der alten Schule, von dem sich diverse neue Actionfilme eine Scheibe abschneiden können.
Sam (Robert De Niro) ist ein echter Profi, der gleich zu Beginn des Film sich erst vorsichtig an einen Treffpunkt heranschleicht und sicherheitshalber eine Waffe in Reichweite platziert. Seine Bedenken erweisen sich als ungerechtfertigt, denn sowohl seine Auftraggeberin Deirdre (Natasha McElhone), hinter der den Gesetzen des Agentenfilms folgend noch weitere Hintermänner stehen, als auch seine Kollegen Vincent (Jean Reno) und Larry (Skipp Sudduth) bleiben friedlich. Doch mit dieser simplen und gleichzeitig genialen Eingangssequenz charakterisiert Frankenheimer Sam als Vollprofi (dieses Zeigen von Professionalität wird zu einem roten Faden in dem Film).
In einem Versteck lernt die Truppe die restlichen Mitarbeiter kennen: Den computerbewanderten Ex-KGB Gregor (Stellan Skarsgård) und den etwas großmäuligen Spence (Sean Bean). Als dieser bei einer Waffendeal, bei dem die Käufer sie reinlegen wollen, unprofessionell handelt, wird er aus dem Team ausgeschlossen. Dabei zeigt „Ronin“ zwar auch sehr gute Action (die verräterischen Waffenhändler müssen natürlich erschossen werden), aber vor allem Stil und Coolness (vor allem die „Ich hab ihn mit `ner Tasse Kaffee in einen Hinterhalt gelockt“-Szene).
Das Zielobjekt ist ein Koffer, über dessen Inhalt nie ein Wort verloren wird (ein klassischer MacGuffin eben), den aber trotzdem sowohl die Iren, zu denen auch Deirdre gehört, als auch die Russen haben wollen. Und so entsteht in den knapp zwei Stunden des Films ein regelrechtes Gerangel um das begehrte Stück, in dem nicht jeder mit offenen Karten spielt...
Der Plot ist rasant, hochspannend und besitzt einige unglaubliche plot twists. Die letzte Wendung ist nicht nur extrem überraschend, sondern kommt auch mitten im Finale. So kann man „Ronin“ im Endeffekt nur ein fantastisches Drehbuch attestieren, welches nie Unwichtiges in den Vordergrund stellt. Der einzige geringe Kritikpunkt an „Ronin“ ist das Loch kurz vor den finalen Ereignissen. Wäre hier etwas mehr Tempo hineingebracht worden, würde „Ronin“ von mir die Höchstnote erhalten.
Ebenfalls großartig sind Stil und Schauplatz des Films. Die Locations in Europa sind atmosphärisch eingefangen worden, ebenso die individuellen Stile des sechsköpfigen Teams in dem sich jede Menge unterschiedliche Nationalitäten mischen. Zudem strahlt das gesamte Werk jenen Touch von Professionalität aus, der sich wie ein roter Faden durch „Ronin“ zieht und den besonderen Charme ausmacht.
Die Action bietet Schießereien und Verfolgungsjagden der alten Schule; dabei ist die Anzahl an verletzten und getöteten Zivilisten schon fast politisch unkorrekt, aber so sieht Old School Action eben aus. Die Schießereien sind furios inszeniert und präsentieren die komplette Auswahl an Schießprügeln von Pistolen über MPs bis hin zu schwerem Kampfgerät wie dem M60 oder dem Heckler & Koch Gewehrgranatwerfer. Mit wahnsinnig viel Speed und Tempo wurden auch die Verfolgungsjagden auf Zelluloid gebahnt, die klar zur Referenz in diesem Punkt gehören. Die Eroberung des Koffers bietet übrigens eine perfekte Mischung aus Verfolgungsjagd und Shoot-Out.
Die Darsteller sind allesamt großartig, wobei Robert De Niro ein klein wenig mehr Aufmerksamkeit zugestanden wird als den anderen Akteuren. Trotzdem wird kein Mitglied des Ensembles „zu wenig“ gezeigt, weshalb auch alle Rollen recht prominent besetzt wurden (später mischt übrigens auch noch Jonathan Pryce mit).
Wer auf klassische Agentenaction mit Stil, Spannung und wohldosierten Actionszenen steht, sollte sich „Ronin“ unbedingt ansehen.