Review

Als "Ronin" werden ehemalige Samurai bezeichnet, deren Herren getötet wurden, und die sich daher als Söldner oder Banditen durchschlagen mussten.

Die ehemaligen Agenten und Militärs Sam (Robert de Niro), Vincent (Jean Reno), Gregor (Stellan Skarsgard), Spence (Sean Bean) und Larry (Skipp Sudduth) werden von Deirdre (Natascha McElhone), die als Vermittlerin fungiert, angeheuert, in Frankreich einen Koffer mit unbekanntem Inhalt sicherzustellen. Doch schon beim Waffenkauf kommt es zu Komplikationen. Als die Ex-Agenten die Gruppe, die im Besitz des Koffers ist, angreifen und das Zielobjekt sicherstellen, merken sie, dass einer unter ihnen ein falsches Spiel treibt. Die Übriggebliebenen jagen fortan dem Koffer quer durch Frankreich hinterher, bis sie in Paris ins Kreuzfeuer zwischen IRA und Russenmafia geraten...

"Ronin" hebt sich nicht nur durch den ungewöhnlichen Titel vom Action-Einheitsbrei der letzten Jahre ab. Neben ausgereiften Charakteren, wobei vor allem Sam und Vincent hervorstechen, mit denen sich der Zuschauer von Anfang an identifizieren kann, sorgen auch eine interessante Geschichte, gelungene Actionsequenzen, mehrere überraschende Wendungen und eine permanente Spannung für ein gelungenes Filmerlebnis. Der erfahrene Sam wird von de Niro grandios gespielt, wie er den Möchtegern-Waffenspezialisten Spence (leider nur kurze Rolle: Sean Bean) ständig auflaufen lässt und andauernd nach dem Inhalt des Koffers fragt, ist einfach spitze und sorgt für Humor in einem ansonsten recht ernsten Film.

Der Zuschauer wird lange, ebenso wie die Agenten selbst, im Dunkeln gelassen, welche Geschichte jeder einzelne verbirgt. Das anfängliche Beschnuppern zeigt das Misstrauen untereinander, das in mehreren Fällen auch seine Berechtigung hat.
Die rasanten Verfolgungsjagden hat Frankenheimer, der selbst Rennfahrer war, atemberaubend inszeniert, der Zuschauer klebt meist am Boden und erlebt die Raserei so hautnah (mittendrin statt nur dabei :-) Dass dabei auch unschuldige Passanten in Mitleidenschaft gezogen werden, wird zwar nicht so deutlich wie in "The Corruptor" (UNRATED-Version anschauen!), aber immer noch besser als in herkömmlichen Actionstreifen. Als makaber muss man allerdings die Tunnelszenen in Paris bezeichnen, wenn man bedenkt, dass in einem dieser Tunnel Prinzessin Diana und Dodi Al-Fayed höchstens ein Jahr, bevor der Film gedreht wurde, in den Tod rasten (bzw. gerast wurden).
Der Drehort Frankreich ist aber, vor allem mit den engen Altstadtgassen, absolut die beste Wahl und sorgt für Abwechslung von US-Großstädten und besticht durch gemütliches französisches Flair. Die "live" gefilmten Stunts und Autojagden und der Verzicht auf Computer- oder andere allzu spektakuläre Effekte machen den besonderen Reiz von Ronin aus. Zwar kommen allerhand moderne Waffen zum Einsatz (Glock 17, Beretta, Colt 1911, MP5, SIG 550, Panzerfaust, SAW (Squad Automatic Weapon) bzw. M249 Minimi (Gruß an McClane, die M60 sieht anders aus und klingt auch wegen anderem Kaliber und Feuergeschwindigkeit verschieden), die recht schnell geschnittenen und teilweise sogar blutigen Shootouts und Explosionen wirken aber nie aufgesetzt, sondern fügen sich perfekt in die Geschichte ein. Für Actionfans könnte aber ein gewisser Mangel bestehen. Auch der Showdown ist nicht der Rede wert, da können die anderen Actionszenen mehr überzeugen.
Als weiteren Kritikpunkt könnte man noch die überhaupt nicht professionelle Vorgehensweise der ehemaligen Agenten anführen, was natürlich erst die Fortführung des Films ermöglicht.
Zu erwähnen wäre noch die Operationsszene, wo der Regisseur explizite Details vermeidet, der Zuschauer jedoch trotzdem jede Sekunde mitleidet.
Der Titel wirkt für mich nicht deplaziert, da die Kofferjäger zwar keine Ahnung von japanischer Mythologie und Ehrebegriffen haben, ihr Schicksal jedoch frappierende Gemeinsamkeiten mit denen der Samurai aufweist.

"Ronin" gehört zur Crème de la Crème des Thriller- und Agentenkinos. Actionfans mit Neigung zu Autoverfolgungsjagden sollten aber ruhig einen Blick riskieren.

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