Zero Mostel spielt einen erfolglosen Theaterproduzenten, der aus seiner Geldnot heraus mit seinem nervösen Buchhalter, gespielt von Gene Wilder, einen Plan entwickelt, um an Geld zu kommen. Die beiden wollen für ein Theaterstück ein Budget von einer Million Dollar sammeln, davon aber nur einen Bruchteil für das Stück ausgeben und den Rest behalten. Der Plan funktioniert jedoch nur dann, wenn das Stück so schlecht ist, dass es keinen Gewinn erzielt und die Geldgeber damit keinen Anteil dessen erwarten. Die beiden finden schließlich ein Drehbuch von einem Nazi, das ihnen geeignet erscheint und beginnen ihr Stück "Frühling für Hitler" auf die Bühne zu bringen.
Mit "Frühling für Hitler" legte Mel Brooks ein wirklich fulminantes Regie-Debüt hin und meisterte einen einzigartigen Spagat zwischen hintergründiger Ironie und vordergründigem, vollkommen übertriebenem Slapstick, womit er sich den Oscar wirklich verdient hat, mit dem er für diesen Film prämiert wurde.
Ob Produzenten, Regisseure, Darsteller, Autoren, Zuschauer oder Kritiker, einfach alles am Broadway zieht Brooks hier ins Lächerliche und verteilt mehr oder weniger im Sekundentakt Seitenhiebe. Der Produzent ist lediglich auf sein Geld aus, so ist es ihm vollkommen egal, dass er dafür ein hundsmiserables Stück abliefern muss und aus diesem Blickwinkel ist die Charakterkonstruktion der Hauptfigur durchaus gelungen, genauso, wie die der übrigen Figuren. Der Regisseur wird als enorm exzentrisch dargestellt und darüber hinaus wegen seiner Stupidität durch den Kakao gezogen. Die Zuschauer amüsieren sich prächtig, obwohl sie das wohl miserabelste Stück aller Zeiten vorgesetzt bekommen und bewusst hinters Licht geführt werden, werden also als Banausen dargestellt, die Kritiker, die als Snobs hingestellt werden, kommen aber auch nicht besser weg. Die eitlen und ebenfalls sehr exzentrischen Darsteller wären die letzten, die ebenfalls parodiert werden und damit gelingt Brooks ein wirklich fulminanter Rundumschlag gegen alles und jeden.
Mit dem Nationalsozialismus rechnet Brooks dabei ebenfalls ab. Gerade als Deutscher wird einem hier mal eine gelungene Abwechslung zu den sperrigen Dramen und billigen TV-Produktionen geboten, mit denen sich man hier in Deutschland das Trauma verarbeitete und immer noch verarbeitet. Brooks stellt den nationalsozialistischen Autor als Idioten hin, zeigt die Verblendung, der er unterliegt und macht sich bei der Aufführung des Stücks über die gesamte nationalsozialistische Führungsriege lustig, wie es bereits Charlie Chaplin in "Der große Diktator" getan hatte. Dabei ist seine Dreistigkeit teilweise nahezu erschreckend, aber doch immer amüsant. Die Story ist damit einfach klasse, bietet zudem eine innovative Handlung, die einige Überraschungen bereithält und damit hat Brooks seinen Drehbuch-Oscar auf jeden Fall verdient.
Die Inszenierung ist eigenwillig und bizarr, passt eigentlich überhaupt nicht zu der relativ intelligenten Story, aber Brooks verpackt seine Inhalte dennoch gekonnt. Der Humor wirkt derb und ungeschliffen, unterhält aber dennoch bestens. Über vollkommen übertriebenen Slapstick, dreiste Seitenhiebe auf alles Mögliche, skurrilen Gesangseinlagen bis hin zu weniger lustigen Kalauern ist einfach alles dabei, wobei der Film damit perfekt unterhält und vor allem zum Ende hin einen Lacher an den anderen reiht. In der ersten Viertelstunde wirkt das bizarre Geschehen, das Brooks hier zeigt noch sehr gewöhnungsbedürftig, ab dann nimmt der Film aber konstant an Fahrt auf, bis zur Aufführung des Stücks, die kein Auge trocken lässt. Das Erzähltempo hält Brooks dabei sehr hoch, kurzweilig wirkt das Stück dabei dennoch zu keinem Zeitpunkt und wer die hintergründige Kritik hinter den nervigen Gesangseinlagen und dem derben Humor findet, dem wird der Film noch lang im Gedächtnis bleiben. Die Filmmusik wirkt, als entstamme sie einem Broadway-Musical, was sicherlich zum Film passt, wirkt teilweise sehr bizarr, was durch die Gesangseinlagen im Film noch verstärkt wird und darüber hinaus wirken auch Ausstattung, Kulisse und vor allem die Maske mehr als skurril, was dem Film den letzten Schliff gibt. Außerdem eignet sich die skurrile Verpackung, da sich der Zuschauer so zu keinem Zeitpunkt im Film zu Recht findet und so als Außenstehender wesentlich deutlicher die Kritik erfasst, die Brooks hier über den Broadway und den Nationalsozialismus äußert.
Zero Mostel ist als Produzent, der sich von alten, einsamen Frauen Geld erschleicht hervorragend besetzt und passt mit seiner schmierigen, aber doch sympathischen Art sehr gut in die Rolle. Den Slapstick serviert er hervorragend mit seinem vollkommen übertriebenen Spiel. Gene Wilder, der mit einer Oscar-Nominierung ausgezeichnet wurde, überzeugt als nervöser Buchmacher ebenfalls und verbucht auch einige Lacher. Der übrige Cast ist gespickt mit skurrilen Darstellern, die alle durch Grimmasenschneiden und hervorragenden Slapstick perfekt belustigen, wobei mir Kenneth Mars als verrückter Nazi am besten gefallen hat.
Fazit:
Mel Brooks gelingt hier eine hintergründige Mediensatire, wobei er Regisseure, Produzenten, Zuschauer, Kritiker und Schauspieler von Theaterstücken aufs Korn nimmt und scheut zudem nicht vor einer überaus dreisten, aber unglaublich amüsanten Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus zurück. Seine Story verpackt er in eine bizarre Inszenierung, die mit den Gesangseinlagen etwas befremdlich wirken mag, aber aufgrund der enormen Fülle an guten Gags hervorragend unterhalten kann, da diese von den spielfreudigen Darstellern mit feinstem Slapstick serviert werden. Absolut empfehlenswert!
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