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Nach der 1963er Adaption "Der schwarze Abt" fand zwei Jahre später mit "Der unheimliche Mönch" erneut ein kaltblütiger Serienkiller im Gewand eines Geistlichen den Weg in die Lichtspielhäuser, um mittels einer Peitsche eine raffgierige Erbengemeinschaft zu dezimieren.


Unter der weniger experimentellen, aber im Laufe der Jahre immer routinierter gewordenen Regie von Harald Reinl, war "Der unheimliche Mönch" ein kleiner Wendepunkt innerhalb der Reihe und der letzte in schwarz-weiß gedrehte Wallace-Krimi in der Halbzeit der 13 Jahre andauernden Ära. 
Was die Zuschauer in den darauf folgenden Filmen in satten Farben zu erwarten hatten, zeigen eindrucksvoll die komplett in Farbe gedrehten Credits, die nach einer sehr atmosphärischen Einleitung die lodernden Flammen eines Autowracks zeigen, zu denen die peitschenden Beats von Peter Thomas´ genialen Score erklingen.
Hier bricht Harald Reinl kurz mit seinem konventionellen Inszenierungsstil und bringt etwas Innovation ein, ansonsten verläuft "Der unheimliche Mönch" in geordneten Bahnen und überzeugt als clever konstruierter Gruselkrimi, der die düstere Farbgebung der Schwarz-Weiß-Inszenierung ein letztes Mal perfekt zur Geltung bringt.

Die von Joachim J. Bartsch und Fred Denger verfasste Story ist übersichtlich gegliedert, der Handlungsaufbau klar und die Auflösung schlüssig erzählt. Die Enttarnung des "unheimlichen Mönch" ist diesmal das Ergebnis von sorgfältiger Polizei- und Ermittlungsarbeit, was diesem Krimi - im Vergleich zu anderen Wallace-Beiträgen - mehr an Logik und Glaubwürdigkeit gewinnen lässt. 
Die Handlung ist nicht überkonstruiert, die unterschiedlichen Storylines werden geschickt miteinander verknüpft und gekonnt innerhalb des Geschehens ausgebaut.

Harald Leipnitz als Inspector Bratt agiert wie gewohnt nüchtern und zurückhaltend und erscheint auch erst nach gut 20 Minuten auf der Bildfläche. 
Seine etwas spröde Art kommt aber hier viel besser zur Geltung als seine spätere Darstellung als Inspector Craig in "Die blaue Hand" und harmonisiert perfekt mit den glanzvollen Leistungen der Schurken Siegfried Lowitz, Dieter Eppler und Hartmut Reck, die hier die skrupellosen und raffgierigen Erben darstellen, die es auf das Vermögen von Gwendolyn - dargestellt von Karin Dor - abgesehen haben.

Auf Schloss Darkwood, dem Familiensitz der Gilmores, sind nicht nur einige Leichen im Keller versteckt, sondern auch die Schülerinnen des angrenzenden Internats beheimatet, von denen einige spurlos verschwinden. Wie hängen die Morde des Mönchs und die Entführungen der Mädchen zusammen? Eine Frage, die Bratt gemeinsam mit Sir John zu klären hat und die bis zum dramatischen Finale spannend bleibt.

Mit von der Partie sind auch diesmal wieder die üblichen Verdächtigen aus unzähligen vorherigen "Wallace"-Adaptionen und so tummeln sich hier neben Harald Leipnitz in seinem zweiten Auftritt als Yard-Ermittler und Siegfried Schürenberg als Sir John, auch Karin Dor, Siegfried Lowitz und erstmals Uschi Glas, Rudolf Schündler, Ilse Steppat und Ute Levka.
Eddi Arent in seiner obligatorischen und durchweg ernst angelegten Rolle als Hausdiener Smithie ist einer der größten Sympathieträger in diesem Krimi und überrascht hier erstmals in der Rolle des Bösewichts: er ist "Der unheimlichen Mönch" - der Kopf einer Mädchenhändlerbande, der sich unsterblich in Gwendolyn verliebt, die Gefahr durch ihre Verwandten erkennt und sie dabei unterstützt, die Unschuld ihres Vaters zu beweisen, der einst von seinen Brüdern einen Mord angelastet bekommen hatte. 
Nach Karin Dor in "Zimmer 13" stellt Eddi Arent als "Der unheimliche Mönch" eine der tragischsten Figuren in der unendlichen Reihe von Schurken und Mördern dar, die die langlebige Wallace-Reihe in den 13 Jahren hervor gebracht hat. In späteren Werken sollten nur noch Karin Hübner in "Der Mann mit dem Glasauge" und Günther Stoll in "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" als tragische Täter in die "Wallace"-Geschichte eingehen.

"Der unheimliche Mönch" bildet somit einen würdigen Abschluss der Schwarz-Weiß-Ära und überzeugt als spannender "Whodunit"-Krimi mit cleverem Plot. Dramaturgisch und darstellerisch einwandfrei, mit wohl dosiertem und weniger klamaukigen Humor, aufwändig in Szene gesetzt mit einem actionbetonten Finale mit tragischer Komponente. Ein kleines Meisterwerk innerhalb der Reihe.

8/10

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