Es ist ein netter, kleiner Film mit einer komplexen Familie, in der jeder seine Schwierigkeiten hat. Das ist lustig und nachvollziehbar gemacht. Die Charaktere sind amüsant angelegt und sehr gegensätzlich, was zu zahlreichen Reibereien führt. Steve Carell hat wirklich nur eine Nebenrolle, er spielt gut und drängt sich nicht auf. Als Road-Movie angelegt, verfolgen wir eine abwechselungsreiche Reise durch Californien.
Aber die Charaktere werden leider nur angedeutet und nicht gründlich genug eingeführt, bevor es auf die Reise geht. Ich mag nicht glauben, dass das an den Schauspielern liegt, auch nicht an der geringen Ausstattung, sondern an dem fehlenden Verständnis der Regisseure, wie man durch eine Nahaufnahme, eine Mimik, einen Moment des Schweigens eine Person kennenlernt. Hier wird jeder Charakter eingeführt, während er redet, oder nur seine Hände werden gezeigt, was umschreibend ist, aber nicht verbindend. Was denkt die Person wirklich? Hinter der Fassade? Das kriegen wir nicht zu sehen.
Dann die Kamera. Die Kamera sollte eigentlich nicht auffällig werden, weil man sonst als Zuschauer bemerkt, dass da eine Kamera ist, also man einen Film sieht, und so aus der Handlung rausgerissen wird. Leider bewegt sich die Kamera merklich, zum Beispiel, wenn die kleine Olive neben einer größeren Person sitzt, dann geht die Kamera hoch und runter, während sich beide unterhalten. Das ist zwar nun mal so, dass Olive klein ist, es stört nur eben leider und vielleicht hätte man das Problem anders lösen können.
Das Auto nimmt eine zentrale Rolle im Film ein. Das ist nicht wirklich störend, aber man fragt sich schon, wieso eigentlich, und ich fürchte fast, das war so nicht geplant. Wie auch immer, der T2 passt zum Film, weil es ein Auto zum Verlieben ist, selbst wenn es fast auseinander fällt.
Ein weiterer Grund, warum der Film nicht zündet, ist das Ende. Es ist nicht nachvollziehbar, was da passiert, während Olive auftritt, geschweige denn, wie der Wettkampf entschieden wird. Die Reaktionen auf ihren Auftritt sind übertrieben. Das liegt nicht an der kleinen Olive, im Gegenteil. Mir erscheint vor allem die Frau in der Jury zu überzogen und unglaubwürdig. Man kapiert die Idee, aber es ist nicht wirklich rund.
Was für den Film spricht, ist die Grundaussage, die über die üblichen Klischees hinausgeht. Also nicht nur: "sei wie du bist" und "glaub an dich selbst", sondern eben auch: "tu das, was sich für dich richtig anfühlt", "es ist OK, anders zu sein", und "setz dich auch mal durch". Gerade zum Ende hin entwickelt sich ein mitreißender Schwung, wie der Vater über alle Grenzen hinweg sich für das Glück seiner Tochter einsetzt, bildhaft die "Ketten sprengt". Wie die Familie zusammenhält. Wie jeder dazu lernt.
Handwerklich verbesserungsfähig, aber als Independent natürlich über die Maße erfolgreich. Ein Film, den man empfehlen kann, aber hauptsächlich wegen der Grundidee.