Als ich „The Nightlistener" in meinen DVD-Player einlegte, wusste ich wieder einmal gar nicht, was mich erwartete. Das ist das Spannende an Presse-DVDs. Natürlich kann das auch nach hinten losgehen und man bekommt den letzten Mist serviert. „The Nightlistener" gehört sicherlich keinesfalls dazu, wird aber auf vielen Internetseiten ganz schön schlecht bewertet. Das kann ich nun überhaupt nicht nachvollziehen. Aber fangen wir doch erstmal mit der eigentlichen Geschichte an.
Gabriel Noone ist ein bekannter und beliebter Radiomoderator, der in seinen Sendungen immer herzergreifende Geschichten erzählt. Sein Privatleben gestaltet sich eher miserabel, da ihn sein deutlich jüngerer Freund Ashe gerade verlassen hat. Eines Tages drückt ihm ein Bekannter ein Buch in die Hand und bittet ihn um eine ehrliche Kritik. Noone ist begeistert von dem, was er da liest, denn die Worte, die der Autor benutzt, sind unglaublich einfühlsam gewählt und das, obwohl der Junge, Pete, gerade einmal vierzehn Jahre alt ist. Allerdings ist dieser schwer krank und man kann keine genaue Diagnose abgeben, wie lange er noch leben wird. Noone besorgt sich die Nummer und telefoniert fast täglich mit Pete, der sich über das positive Feedback ebenfalls freut, weil es ein wenig Licht in sein Leben bringt. Dann macht Donna, die Mutter des Jungen, dem Moderator ein überraschendes Angebot und lädt ihn zu Weihnachten ein. Der Autor sagt natürlich zu und freut sich darauf, endlich den Verfasser dieser Zeilen auch einmal persönlich kennen zu lernen. Kurze Zeit später wird er jedoch ohne jeglichen Grund wieder ausgeladen. Als Noones Ex-Freund zu Besuch kommt, hört ersterer gerade die Nachrichten auf seinem Anrufbeantworter ab. Sowohl Pete als auch Donna haben ihm etwas auf Band hinterlassen. Bei diesen Nachrichten fällt Ashe etwas Erstaunliches auf, was Gabriel nicht wahrhaben will. Also macht er sich ohne groß nachzudenken auf den langen Weg, um die beiden spontan zu besuchen, doch was er dort vorfindet, hätte er so niemals erwartet.
Die Story erinnert anfangs ein wenig an den (ebenfalls gelungenen) „Finding Forrester" mit Sean Connery in der Hauptrolle. Doch insbesondere im zweiten Abschnitt wandelt sich der Film vom Drama in einen Thriller, der den Zuschauer ständig mit einer Frage beschäftigt (die ich aber aus Spoilergründen nicht erwähne). Insbesondere dieser Abschnitt des Streifens ist grandios gedreht und gespielt. Robin Williams, der mir anfangs etwas lustlos erscheint, läuft plötzlich zur Höchstform auf, und auch Tony Colette, die nicht unbedingt zu meinen Favoriten zählt, spielt erstaunlich gut. Zudem gibt es mit Sicherheit niemanden, der nach den ersten dreißig Minuten eine derartige Wendung erwartet.
Als ich mir dann den ofdb-Schnitt angesehen habe, hat es mich fast vom Stuhl gehauen. Drei Bewertungen mit 3/3/4 Punkten. Da stellt sich mir die Frage, mit welcher Erwartungshaltung diese Personen an „The Nightlistener" gegangen sind. Ich für meinen Teil bin jedenfalls sehr angetan von diesem Independent-Streifen, da dieser eine äußerst ungewöhnliche Story erzählt und endlich mal wieder mit Originalität punktet und nicht einen schon zigtausendmal gesehenen Plot bietet. Zudem ist auch das Ende sehr gelungen, was noch einen Bonuspunkt bringt.
Fazit: Erst Drama, dann Thriller - und in beiden Teilen überzeugend, bekommt „The Nightlistener" von mir knappe, aber doch verdiente 8 Punkte. Es ist allerdings sehr schwierig hier Vergleichsfilme zu nennen, daher lasse ich es in diesem Falle auch, und hoffe, dass ihr Euch den Streifen trotzdem anschaut.
Gruß an Deadlyfriend und Lars Winter - blind kaufen ist vollkommen gefahrlos!!