Review


Inhalt:

Japan, im Jahre 1833, in der beginnenden Endphase des feudalen Tokugawa-Shogunats, das bereits erste Verfalls-Erscheinungen aufweist.
Eine Dienerin des Lords Iida, Fujiko, soll auf Geheiß des obersten Vasallen des Lords, die 1. Konkubine von Iida, Lady Wakayama, töten. Diese hat zuviel Einfluss auf den Fürsten, so wird befürchtet.

Fujiko tötet Lady Wakayama, und wird dafür durch Enthauptung hingerichtet. Von jenem Mann, der fast ein Jahr zuvor mit ihr eine Liebschaft begann, aus der ein Sohn hervorging. Alles ist von langer Hand geplant und eingefädelt worden.

1853, zwanzig Jahre sind vergangen. Shingo Takakura (Raizo Ichikawa) ist ein junger Mann, etwas naiv doch auch sensibel-talentiert veranlagt.
Er lebt glücklich bei seinem Vater Shinemon und seiner Schwester, Yoshio (Mayumi Nagisa). Shingo ist ein Samurai, und beherrscht eine besondere Schwertkampf-Technik, die den jeweiligen Gegner einzuschüchtern vermag, bevor der eigentliche Kampf überhaupt beginnt.

Als Shingo bei einem Kenjutsu-Turnier gewinnt, und auch den Sohn des Nachbarn der Takakura besiegt, kann dieser Nachbar, Ikebe, dies nicht verwinden.
Bei einem Überfall kommt Yoshio zu Tode, und auch Shinemon liegt im Sterben. Im Angesicht des nahenden Todes, offenbart er Shingo seine wahre Herkunft.
Er ist der Sohn von Fujiko, der Mörderin, und deren Henker, der mittlerweile ein buddhistischer Mönch ist.

Nachdem Shingo den Tod seines Zieh-Vaters und seiner "Zieh-Schwester" gerächt hat, sucht er seinen Vater im Kloster auf.

Shingo zieht los, bindungslos, ziellos und desillusioniert, und fast so etwas wie ein Ronin, ein nun herrenloser Samurai. Ein unsteter Weg, irgendwo hin.
Mondo Tadokoro (Jun´ichiro Narita) und dessen Schwester, die bildschöne Sayo (Masayo Banri), suchen Hilfe bei Shingo. Sie werden verfolgt, Mondo kann flüchten, doch kann Shingo den Tod Sayo´s nicht verhindern.
Ihr Schicksal, ihr Tod, erinnert Shingo an seine Mutter Fujiko und seine "Schwester" Yoshio .

Shingo bleibt unverheiratet, dies mit dem Schicksal der 3 Frauen -seiner Mutter, Yoshio und Sayo- verbindend.
In der Chiba-Schwertkampfschule vermittelt deren Leiter, Chiba, Shingo den Kontakt zum obersten Berater des Shogun, zu Matsudaira.
Shingo tritt in dessen Dienste als Leibwächter.

1860, das Shogunat steht vor dem Ende, Reformisten und Traditionalisten stehen sich in einem immer blutigeren Ringen gegenüber.
Und so hat Matsudaira viele Feinde, immer wieder kommt es zu Attentatsversuchen, doch kann Shingo diese noch abwehren.
Als Matsudaira die Provinz Mito nach einem Auftrag verlassen, und nach Edo zurückkehren will, kommt es zu einem weiteren Überfall.
Auch Mondo Tadokoro gehört der Verschwörung an, und steht Shingo in einem Duell gegenüber.

Es kommt zu einem letzten Kampf, der das Schicksal Shingo Takakura´s besiegelt.


Kritik:

Im Jahre 1962 drehte Regisseur Kenji Misumi diesen sehr schön fotographiert-gefilmten, mit einer nahezu betörenden Bildführung versehenen Chanbara. Weiche Bilder, die fast zu zerfließen scheinen, und eine sehr angenehme Farbgebung, fast poesivolle Hintergründe, machen aus "Kiru" einen visuell starken, beeindruckenden Film. Dies gar in Farbe, sehr selten für einen Chanbara der frühen 1960er Jahre.

Ein Film, der in kurzer Laufzeit -71 Minuten- das tragische Schicksal eines Mannes schildert, der so talentiert-würdevoll wie sensibel ist. Ein Mann, der geborgen aufwächst, mit vermeintlich leiblichem Vater, welcher gütig ist, und einer vermeintlichen Schwester, die eine fröhlich-positive Ausstrahlung besitzt. Doch ist alles anders, und der Tod fast allgegenwärtig.

Das verändert den Charakter des (Anti-)Helden, aus dem ein desillusionierter, fast ziellos agierender Mann wird, der seine Bindungslosigkeit nur ab und an aufgibt.
Bis er seine Aufgabe und seinen Platz im Leben doch noch zu finden scheint. Doch das Schicksal in einer gewalttätigen Zeit voller Wirren, will es anders, und schlägt grausam zu.

Dies wird in diesem Chanbara zwar irgendwie sehr gemächlich -typisch japanisch-, langsam erzählt -die 71 Minuten Laufzeit wirken für den Betrachter in der Tat viel länger-, doch auch sprung- und sehr episodenhaft.
Diese Episodenhaftigkeit ist indes das Manko dieses Chanbara, da irgendwie der rote Faden immer länger und der Zuseher da etwas überfordert wird. Kenji Misumi hätte seinen Film da durchaus etwas zusammenhängender gestalten, die "Teile" mehr miteinander verbinden sollen.

Was dem Film fehlt, ist auch eine ´eigentliche´ Motivation für den Helden, ein "Ziel". Seine Mutter wurde 20 Jahre bevor er von ihr erfährt hingerichtet. Die "normale" Konsequenz wäre, ihren Tod zu rächen.
Dies geht hier gänzlich verloren. Zwar begegnet er ihrem Henker, nämlich seinem Vater, doch bleibt dies ohne physische Konsequenz. Auch der "Vasall" von einst, der die Mutter zum Mord an der Konkubine anstiftete, taucht nicht mehr auf.
So ist der Film, wie der Held, ohne ein ´eigentliches´ "Ziel" -vielleicht noch am ehesten, einen Platz und eine Aufgabe im Leben zu finden-, eben ziellos umherwandernd. So "ziellos" fühlt sich auch irgendwie der Zuschauer..., hm.

Dennoch, "Kiru" besticht durch seine Bildgestaltung, die ganze schöne Verfilmung, die gelungenen Kulissen und Hintergründe -Burgen, Niedrigwasser führende Fluss-Landschaft usw.-, die Farbgebung und die hell-freundliche Aura dieser Bilder in diesem Streifen, und das Schicksal des jungen Mannes, fesselt denn insgesamt denn doch den Zuseher.

Leben tut all dies indes auch durch die konzentrierten Darstellungen der Schauspieler*Innen, allen voran natürlich Raizo Ichikawa, als (Anti)Held dieses Chanbara-Dramas.
Er spielt das sachlich, fast trocken, die Änderung des Charakters seiner Film-Figur -die seine wahre Herkunft erst mit 20 erfährt, zuvor behütet aufwachsend- geschieht fast unspektakulär-´nebenbei´, doch subtil merklich für den Zuschauer. Man entwickelt Empathie und fast Mitleid mit seiner Figur.

Wichtig sind hier die Frauen-Rollen. Denn der Held verbindet sein Wirken, sein Dasein überhaupt, mit deren Schicksal. Alle 3, die "Schwester" des Helden, dessen Mutter und eine Frau, die er nicht zu schützen vermochte, beeinflussen seinen Charakter und seine Handlungen.
So sind denn die mir namentlich leider nicht geläufige Darstellerin der "Fujiko", sowie Mayumi Nagisa -als "Schwester" des Helden und insbesondere Masayo Banri als "Sayo" wichtige Bindeglieder in all den ´Episoden´ für den Betrachter. Es wirkt fast so, als würden diese weiblichen Charaktere diese Episoden in der Tat miteinander verbinden, was meine Kritik an der Episodenhaftigkeit dieses Streifens denn gar fast etwas relativieren würde. Sieh mal an.

Ein Chanbara, ein Schwertkampffilm aus Japan. Doch ist die Kenjutsu-Fightaction hier nicht der zentrale Aspekt. Die Fights sind schnell, solide choreographiert und natürlich wieder sehr blutig.

"Kiru", episodenhafte, doch insgesamt gute Unterhaltung, ein visuell bestechender Chanbara mit betörend-schöner Bildführung, überzeugenden Darstellern und Darstellerinnen, sowie noch solider Kenjutsu-Action. Nicht mehr, nicht weniger.

7/10.

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