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1995 waren Sylvester Stallone und Antonio Banderas als „Assassins“ auf dem Actionpfad unterwegs, zwei Jahre später nahm sich „Grosse Pointe Blank“ dem Thema Profikiller auf komödiantische Weise an.
Martin Blank (John Cusack) gehört zu ebenjener Zunft, denkt bei den Aufträgen ans Geld und nicht an die Moral und will allein arbeiten – weshalb er auch denn Vorschlag des Killers Grocer (Dan Akroyd) ausschlägt eine Organisation zu gründen, um das Geschäft zu regeln. Dabei greift „Grosse Pointe Blank“ ironisch sämtliche Mechanismen des Profikillerfilms auf, darunter den Mailverkehr über die Zielperson oder die Tarnorganisation für das Killerunternehmen.
Doch Martin hat Probleme, denn in letzter Zeit will ihm das Töten nicht mehr so leicht von der Hand gehen wie früher. Hat er etwa moralische Skrupel? Der Psychiater kann ihm kaum helfen, will es auch gar nicht, aber Martin kommt trotzdem zu jeder Sitzung und lässt so nette Bemerkungen fallen wie er wisse, wo der Doc wohne. Die Szenen mit dem Psychiater sind von kleiner Zahl, aber gut über den Film verteilte Highlights, die immer für Zwerchfellbelastung sorgen.

Entspannung könnte Martins zehnjähriges Klassentreffen in seiner Heimatstadt Grosse Pointe bringen – und nebenher soll er da noch einen Auftrag erledigen. Doch rivalisierende Killer, das Wiedersehen seiner großen Jugendliebe Debi Newberry (Minnie Driver) und ähnliche Dinge machen Martin das Leben ganz schön schwer…
Auf diesem herrlich absurden Grundgerüst baut „Grosse Pointe Blank“ eine wirklich amüsante Komödie auf, die zwar nicht ganz so schwarz ist, wie man erwarten könnte, aber doch reichlich Dialoge in dieser Richtung fabriziert. Da überlegt Martin immer wieder, was er als Beruf angeben könnte und erzählt jedem dann doch, dass er Profikiller ist, selbige Offenbarung wird meist mit aufbauenden Kommentaren bedacht oder Martin kann noch nicht mal „I’ll give it a shot“ sagen, ohne dass dies doppeldeutig wirkt. Derart köstliche Dialoge durchziehen den kompletten Film und sind wunderbar getimt, sodass man sich stellenweise wirklich schlapp lachen kann.
Auch großartig ist die Musikuntermalung, die zum einen aus nostalgischen 80er Jahre Songs (Queen, David Bowie usw.) passend zum Klassentreffen besteht, zum anderen moderne Rockmusik von Bands wie Violent Femmes oder Guns’n Roses bietet. Wirklich klasse auch die Szene, in der ein jugendlicher Supermarktkassier „Doom“ am Automaten, laut „Ace of Spades“ von Motorhead hört, während im Hintergrund Martin und ein Gegner die gesamte Hütte zu Klump ballern. Derartige Actionszenen gibt es nur wenige, sie sind aber sehr gut choreographiert (z.B. der Fight an den Spinds) und meist mit Witz gewürzt (z.B. der Showdown, bei dem zwischen Ballereien Heiratsanträge gemacht werden).

Leider hat „Grosse Pointe Blank“ zwischen seinen urkomischen Szenen immer wieder kleinere Durststrecken, in denen etwas wenig passiert. Vor allem die Lovestory zwischen Martin und Debi bremst das schräge Geschehen aus, obwohl „Grosse Pointe Blank“ teilweise wirklich überraschend romantisch ist. Doch insgesamt ist das Hin und Her zwischen gegenseitiger Anziehung und Erschrecken über Martins Job dann doch etwas zu ausgewalzt geraten und könnte mehr Witz vertragen.
Dafür ist „Grosse Pointe Blank“ schauspielerisch sehr gut, vor allem John Cusack ist ein wunderbar sympathischer Profikiller und bekommt vom Film auch ein paar tolle Momente spendiert (z.B. in der Szene mit dem Baby). Ebenso gut ist Minnie Driver als Love Interest mit flotten Sprüchen und in Nebenrollen trumpfen Hank Azaria, Mitch Ryan und Alan Arkin auf. Mal wieder goldig ist Johns Schwester Joan Cusack als seine Sekretärin und sein späterer „Weil es dich gibt"-Kumpan Jeremy Piven darf auch mittun. Nur Dan Akroyd ist zwar OK, fällt aber im Gegensatz zum Rest des Ensembles etwas ab.

Freunde des schwarzen Humors dürfen bei „Grosse Pointe Blank“ ihre Freude haben, wenngleich der Film nicht ganz so fies ist wie andere Vertreter seiner Zunft und in der Liebesgeschichte auch kleinere Hänger hat. Doch inszenatorisch ist das Ganze gelungen, mit einigem Tempo erzählt und zudem mit gut getimten Gags gefüllt, die in den deutschen Synchro erfreulicherweise ähnlich gut wie im O-Ton kommen. Gibt 7,5 Punkte von mir.

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