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Es gibt immer wieder Filme, die es im Kino nicht schaffen, will heissen, die nicht den erwünschten kommerziellen Erfolg haben. Das ist zwangsläufig so und muß so sein, bei der Menge an Filmen, die an jedem Starttermin gegeneinander antreten. Viele dieser Filme verschwinden zurecht in der Vesenkung. „Grosse Pointe Blank“ ging es ähnlich. Als „Ein Mann ein Mord“ in den deutschen Kinos gestartet, war er nach einer Woche aus den meisten Lichtspielhäusern wieder verschwunden, um einige Monate auf Video zu erscheinen. Auch dort wurde der Film kein Erfolg. Völlig zu Unrecht. „Grosse Pointe Blank“ gehört zu den Filmen, die man noch entdecken kann und bei denen man sich immer wieder fragt, warum er nicht erfolgreicher gelaufen ist. Dabei stimmt eigentlich alles.

Die Darsteller sind allesamt Könner ihres Faches und verkörpern ihre Rollen meist mit einem Augenzwinkern. Da wäre Hauptdarsteller John Cusack, der den Profikiller Martin Blank, der zu seinem Klassentreffen in seine Heimatstadt kommt, schön vielschichtig gibt. Mal cool, mal verzweifelt, an anderer Stelle aber auch erbarmungslos. Alle Gemütszustände nimmt man ihm ab. Dan Aykroyd gibt einen weiteren Profikiller, der Blank erst anheuern und dann aufs Kreuz legen will. Aykroyd wirkt trotz einiger Grimassen durchaus bedrohlich und ist eine würdige Nemesis für Cusack. Auch Minnie Driver, die Blanks leicht verspulte Jugendliebe darstellt, trägt, wie auch die weiteren Nebendarsteller, zum sympathischen Gesamteindruck des Casts bei.

Der Soundtrack gehört zu den besten Zusammenstellungen zum Thema „80’er Jahre“ und ist auch als CD wärmstens zu empfehlen. Dass man andere Titel findet, als die „üblichen Verdächtigen“ auf ähnlich gelagerten Compilations unterstützt die eigenständige und bemerkenswerte Atmosphäre des Films.

Die Story ist schön differenziert. Beinhaltet der Film sehr komische Momente, ist er doch selbst für eine schwarze Komödie relativ brutal. Menschen werden in dem Film wirklich ermordet. Für einen Krimi hat der Film zudem ungewöhnlich viele romantische und auch nachdenkliche Momente. Diese Unentschlossenheit machen erst die Qualität dieses Films aus und „Grosse Pointe Blank“ zu einem einzigartigen Genremix. Versprüht er in einem Moment einen wunderbar skurrilen, zynischen Humor und präsentiert dabei nette Dialoge („Was arbeitest Du?“ „Ich bin Profikiller.“ „Aha... Ist man da krankenversichert?“), wird im nächsten Moment rumgeballert oder ein Auftragskiller mit einem Kugelschreiber getötet. Dies erreicht natürlich keine John Woo-Ausmaße, ist aber in der Zusammenstellung durchaus bemerkenswert.

Auch die Inszenierung kann überzeugen. Sowohl die lustigen, als auch die romantischen Momente funktionieren ebenso, wie die Actionszenen, die überaus aufregend und dynamisch inszeniert wurden und auch einem „ernsten“ Actionfilm gut zu Gesicht stehen würden. Gerade dies ist bemerkenswert und auch wichtig, denn bei vielen wilden Genrecocktails funktionieren oft nicht alle Zutaten. Dieses Kunststück bringt „Grosse Pointe Blank“ allerdings mit einer Leichtigkeit fertig, die dazu führt, dass man den Film immer wieder sehen kann und möchte.

Diese Eigenschaft hat dazu geführt, dass sich der Film trotz des eingangs beschriebenen Misserfolgs bei Kinostart zu einem Kultfilm entwickelt hat. Gute alte Mundpropaganda war dafür verantwortlich, dass der Film in Kennerkreisen für seine Qualitäten geradezu verehrt wird. Dass dies dem Regisseur George Armitage leider nicht immer gelang, haben seine anderen Filme („Miami Blues“, „Hawaii Crime Story“) eindrucksvoll bewiesen. Scheinbar stimmte bei „Grosse Pointe Blank“ alles... nur der verdiente Erfolg blieb aus. Also, wer das hier liest, aber den Film noch nicht kennt, sollte dies möglichst schnell ändern. Die Chancen stehen nicht schlecht, einen Geheimtipp zu entdecken, den man nicht mehr missen möchte!

Fazit:

10 / 10

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