Nachdem Pete Walker Anfang der 1970er-Jahre von Sexploitation (School for Sex, The Big Switch) auf Exploitation umgesattelt ist, hatte er gleich mal einen Lauf. Die Screaming, Marianne (1971), The Flesh and Blood Show (1972), House of Whipcord (1974), Frightmare (1974) und House of Mortal Sin (1976) sind allesamt tolle Genrefilme, die unverkennbar die (pessimistische) Handschrift eines talentierten Regisseurs tragen. Mit Schizo endete dieser Lauf, denn dieser Thriller ließ leider vieles von dem vermissen, was die Vorgänger so verdammt stark, interessant und memorabel machte.
Schizo erzählt die Geschichte der jungen "Eiskönigin" Samantha (die damals 22jährige Lynne Frederick aus Phase IV und I Quattro dell'Apocalisse, die im folgenden Jahr den genialen Komiker Peter Sellers heiratete und 1994 den Kampf gegen den Alkoholismus verlor), deren anstehende Hochzeit mit Alan Falconer (John Leyton) einen griesgrämigen Arbeiter (Jack Watson) auf den Plan ruft, der sich in den Zug nach London setzt und die junge Frau fortan zu stalken beginnt. Mehr noch... Freunde und Bekannte der Eiskunstläuferin werden brutal ermordet und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch sie selbst dem scheinbar Irren zum Opfer fällt.
Schizo ist ein "One Trick Pony", dessen Trick jedoch niemanden vom Hocker reißt. Fast schon verzweifelt versuchen Walker und sein Drehbuchautor David McGillivray, den Zuschauer auf eine falsche Fährte zu locken, doch dieser hat das Kaninchen längst erspäht, lange bevor es am Ende aus dem Hut gezaubert wird. Mitschuld daran hat sicherlich der etwas unglücklich gewählte Titel mit seiner reißerischen Tagline (Schizophrenia... When the left hand doesn't know who the right hand is killing!!), aber auch die Handlung selbst ist viel zu dünn und vorhersehbar für den fast 110 Minuten langen Film. Dazu kommt noch, daß McGillivray in der von Murray Smith erdachten Geschichte kaum Potential sah und selbst nicht daran glaubte, daß die grundsätzlich nette Idee funktionierte (die Zuschauer würden das Spiel sofort durchschauen, meinte er). Schizo wandelt offensichtlich auf den Spuren von Alfred Hitchcock (die Parallelen zu Psycho und Marnie sind nicht zu übersehen), ohne jemals dessen Klasse zu erreichen, obwohl Walker immerhin einige schöne Suspense-Momente gelingen.
So solide der achtzigtausend Pfund teure Streifen auch gemacht ist, Walker schafft es einfach nicht, den Zuschauer mitzureißen und ihm die Figuren nahe zu bringen, obwohl die Heldin und ihre beste Freundin Beth (Stephanie Beacham, die Jessica Van Helsing aus Dracula A.D. 1972) recht sympathisch rüberkommen. Die gialloeske Handlung plätschert relativ unspannend dahin, aufgelockert durch das eine (z. B. Samantha beim Duschen) oder andere (eine Seance, die eine unerwartete Wendung nimmt) Set-Piece. Die Morde sind sehr brutal und blutig und geben einen Vorgeschmack auf das, was wenige Jahre später die Kinokassen zum Klingeln brachte. Besonders die Stricknadel-durch-den-Kopf-Szene und der heftige Hammermord bleiben ein wenig im Gedächtnis haften. Im krassen Gegensatz zu Walkers früheren Filmen, vor allem dem schmerzhaft zynischen House of Mortal Sin, läßt das Geschehen in Schizo den Zuschauer ziemlich kalt; selbst das Schicksal der Heldin berührt nicht wirklich.
Auch Regisseur Walker ist mit dem Film alles andere als zufrieden und stellt im Buch Making Mischief: The Cult Films of Pete Walker (Steve Chibnall, FAB Press, 1998) auf Seite 174 nüchtern fest: "The picture didn't work. Somehow I think it could have been done, but I struggled for ideas on it." Trotz aller Defizite mag ich den Film, auch wenn er im Vergleich zu den vorangegangenen Genrefilmen von Pete Walker stark abfällt und in allen Belangen durchschnittlich ist. Walkers nächster Film, The Comeback (1978), ist zwar etwas besser, an frühere Erfolge konnte aber auch er nicht anschließen. Die Karriere des besten britischen Exploitationfilmers der 1970er-Jahre neigte sich damit dem viel zu frühen Ende.