Nach Jahren grausamer vietnamesischer Kriegsgefangenschaft kehrt Col. James Braddock (Chuck Norris) im Rahmen einer Verhandlungsdelegation und mit einer gehörigen Portion Vergeltungswut im Bauch ins Land seiner ehemaligen Peiniger zurück. Gleich am Flughafen gibts ein Wiedersehen mit dem personifizierten Bösen und der obligatorische Handschlag wird verheißungsvoll verweigert. Doch Verhandeln war ohnehin noch nie Braddocks Stärke, was er passenderweise auch wörtlich ins Gesicht gesagt bekommt. Und so dauert es nicht lange, bis der erste Vietnamese dran glauben muss und sich One-Man-Army Chuck, unterstützt von einem alten Kumpel Tuck im schmucken Hawaihemd, auf eigene Faust und nach kurzem Thailand-Zwischenstopp auf die Suche nach amerikanischen Kriegsgefangenen in NAM macht.
Mit Joseph Zito hat sich auch gleich der richtige Mann für eine solch patriotische Rettungsangelegenheit auf dem Regiestuhl eingefunden - und sein Können auch in den Jahren nach "Missing in Action" mit ähnlich dreckig-reaktionären Machwerken wie "Invasion USA" und "Red Scorpion" nachhaltig unter Beweis gestellt.
Zu einem waschechten Feindbildermassaker der Post-Vietnam-Ära bedarf es bekanntermaßen nur weniger Zutaten: 1.) Ein strahlener amerikanischer Held, der seine minderwertigen Feinde mit einem Grinsen in Zeitlupe gleich Reihenweise niedermäht, 2.) Stereotype, möglichst hässliche und brutale Kommunisten auf der Gegenseite, 3.) Unerschütterlichen Patriotismus und eine feste Schwarz/Weiß-Einteilung der Welt.
Während normaltickende Menschen schon jetzt entsetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, kann der geneigte Actionfan nur grinsend frohlocken.
"Missing in Action" ist genau die Art Film, die mysteriöserweise immer wieder den Weg in den heimischen DVD-Player findet, wenn man einfach nur mal abschalten, in jugendlichen Erinnerungen schwelgen oder einen zünftigen Männerabend zelebrieren möchte. Und seltsamerweise wirds ähnlich wie bei Kollege "Rambo" und den Herren von der (natürlich) Chuck Norris-geführten "Delta Force" niemals langweilig.
Gerade Zitos "Missing in Action" jedoch besticht durch eine wunderbar nüchterne und zudem nicht überladen wirkende Inszenierungsweise im besten 80er Jahre Stil. Keine übertriebenen Blutorgien, keine exorbitanten Explosionsszenen, einfach nur rohe und kompromisslose Gewalt mit einem American-Hero, dessen Coolness sogar die Arktis in Ehrfurcht erstarren lässt. (Logo, schließlich hat Chuck Norris die Welt erschaffen!). Klar sollte man auch hier Realismus und Logik nicht überbewerten, aber insgesamt bleibt "Missing in Action" im Vergleich zu anderen Genrevertretern angenehm bodenständig - mit der unvermeidbaren Konsequent, dass das Menschenverachtende und Reaktionäre des Streifens umso deutlicher zum Tragen kommt. Von Selbstironie jedenfalls keine Spur! Im Minenspiel von Chuck Norris, der selbst einen Bruder in Vietnam verlor und hier quasi seine ganz persönliche Abrechung zelebriert, sowieso nicht und auch M. Emmet Walsh trägt mit der Lässigkeit eines Hawaihemdes im tiefsten Feindesland nicht unbedingt zur Völkerverständigung bei.
Standing Ovations gibt aber trotzdem spätestens dann, wenn Chuck in Zeitlupe und mit MG249 im Anschlag dem Wasserelement entsteigt und seine Arbeit im Sinne von Darwins Evolutionstheorie erledigt.
Zusammen mit treibendem Simpelsoundtrack und reichhaltig plazierten Actionszenen wird es garantiert nie langweilig und vieler Worte bedarf es ohnehin nicht. Die Message kommt an, wenn Braddock die soeben Befreiten mitten in Saigon in die amerikanisch-vietnamesischen Verhandlungen platzen lässt und der Abspann unmittelbar einsetzt.
Fazit: Wer mit Actionstumpfsinn der untersten Moralschublade kein Problem hat, ist hier zwischen platter Propaganda und harter Action bestens aufgehoben!