„Missing in Action“ ist eines berüchtigtsten Produkte aus der Cannon-Schmiede, das von den einen gehasst und von den anderen geliebt wird.
Im Vietnamkrieg: Colonel James Braddock (Chuck Norris) und sein Trupp werden vom Vietcong verfolgt und können nicht alle rausgeholt werden, da die Hubschrauber unter Beschuss stehen. Auch Braddock wird zurückgelassen – was sich bald als Alptraum des inzwischen wieder freien Braddock entpuppt. Damit will „Missing in Action“ bereits zu Beginn eine Ballersequenz bieten, die aber etwas unbeholfen und nicht so mitreißend inszeniert ist.
Braddock konnte der Gefangenschaft der sadistischen Vietcong damals entkommen und soll nun einer amerikanischen Delegation folgen, welche klären soll, ob sich immer noch amerikanische Gefangene in Vietnam versteckt sind. Doch bereits in der ersten Sitzung untergraben die vietnamesischen Diplomanten Braddocks Ruf und Glaubwürdigkeit, woraufhin dieser frustriert abzieht. Schnell wird klar, dass „Missing in Action“ doch sehr platte Feindbilder rezitiert.
Doch auch wenn Braddock am Verhandlungstisch nicht erfolgreich ist, so gibt er dennoch nicht auf, denn er weiß, dass immer noch viele seiner Kameraden in Gefangenschaft sind. Während die Delegation keine Beweise für die versteckten Gefangenenlager finden kann, so sammelt Braddock auf eigene Faust Informationen...
Sieht man sich „Missing in Action“ an, so ist es kein Wunder, dass viele Kritiker von der größten Geschmacklosigkeit des Kinos der Reagan-Ära sprachen. Der Film steckt voller Klischees und plattem Machotum: Norris gibt den obercoolen Macker, der mit Diplomatie nicht klarkommt (eh alles verlogen) und lieber gleich vors Fressbrett gibt. Nebenbei wird noch eine Diplomatin klargemacht, die ihn noch Minuten vorher mit Abstand behandelte. Natürlich sind die Vietnamesen fast alle verschlagen, verlogen und ihr Lieblingshobby ist amerikanische Helden zu meucheln (auch gerne aus dem Hinterhalt), aber sonderlich gut sind sie darin nicht. Höhepunkt des Ganzen sicherlich die Szene, in der die Vietnamsoldaten dreckig lachen, als sie Braddock vermeintlich umgenietet haben, ehe der heldenhaft in Zeitlupe mit dem M60 aus dem Fluss emporsteigt und für klare Verhältnisse sorgt.
Doch als Actionfan kann man über diese Sachen dann doch hinwegsehen, da es eh schwer fallen dürfte dieses Stück Machokino ernst zu nehmen. Kritikpunkt ist vielmehr die Tatsache, dass in den ersten zwei Dritteln kaum etwas los ist. Braddocks Informationssuche ist doch eher Standard und bis auf wenige Ausnahmen (z.B. die Kletterpartie auf dem Stromkabel) nicht wirklich spannend. Der Film ist ganz gut inszeniert und Regisseur Joseph Zito leistet sich nur wenige Schnitzer (z.B. der recht schwach inszenierte Auftakt).
Im letzten Drittel geht es dann wirklich rund. Zuerst ein paar flottere Mordanschläge als vorher (z.B. der Fiesling im Schrank oder die Granatwerferattacke), eine Verfolgungsjagd im Hafen und im Dschungel eine ordentliche Menge Geballer. Die Action ist dann auch recht flott inszeniert und lässt den Actionfan wieder aufhorchen. Leider gibt es in den ersten zwei Dritteln wenig Action und die ist dann auch nicht so spektakulär inszeniert wie z.B. das Flussgefecht. Norris darf zwar zwischendurch kurz kloppen, aber „Missing in Action“ wendet sich klar an Shoot-Out- und Explosionsfans.
Norris ist machohaft und schlecht wie eigentlich immer, nervt hier aber nur mäßig (da hat er schon schlimmeres fabriziert). M. Emmet Walsh ist ziemlich schwach, James Hong hingegen ganz ordentlich. Die Nebendarsteller machen ihre Sache OK, auch wenn ihre Rollen allesamt klischeehaft angelegt sind.
Berühmt-berüchtigter Nostalgie-Status hin oder her: Sicherlich kein großer Wurf, aber für Actionfans, die den Film nicht wirklich ernstnehmen, passable Genreunterhaltung.