Review

"Hier spricht Braddock. Ich fliege mit."

Die Vorgeschichte ist bekannt: Back-to-back mit Missing in Action 2 (1985) gedrehte Produktion, im Fahrwasser natürlich der durch nicht bloß durch Rambo (1982) ausgelösten Vietnamkriegswelle (allerdings vor Rambo II - Der Auftrag, 1985), nach dessen Fertigstellung die Produzenten um Golan und Globus das Sequel für würdiger, sprich kommerzieller als den eigentlichen Erstling hielten und die Reihenfolge einfach vertauschten, das Werk von Lance Hool (welcher hier am Skript mit tätig ist) wurde dann als Prequel (mit 'nur' hab so viel Einspielergebnis) veröffentlicht. Aus finanzieller Sicht auch die richtige Entscheidung, der Film gilt als die zumindest auf dem amerikanischen Markt vor Cusack - Der Schweigsame (1985) erfolgreichste Produktion von Chuck Norris, welcher im Übrigen schon um 1980 herum stattliche, nahezu gleiche Einspiele mit heutzutage nahezu vergessene Arbeiten wie Octagon, Der schwarze Tiger oder Der Bulldozer einfuhr, bei wesentlich geringeren Budget auch; Norris war auch der Geldbringer der Cannon Group, vor seinen Kollegen um Bronson und Dudikoff, die eher auf dem Videomarkt dann zogen als die Leute ins Kino holten, der Film als Teil eines 6-Werke umfassenden Vertrages:

Oberst James Braddock [ Chuck Norris ] ist ein US-Militäroffizier, der zweieinhalb Jahre in einem nordvietnamesischen Kriegsgefangenenlager verbracht hat, aus dem er vor zehn Jahren entkommen ist. Nach dem Krieg begleitet Braddock zusammen mit Ann Fitzgerald [ Lenore Kasdorf ] und unter Senator Maxwell Porter [ David Tress ] ein Ermittlungsteam der Regierung, das nach Ho-Chi-Minh-Stadt reist, um Berichte über noch gefangene US-Soldaten zu untersuchen. Braddock erhält die Beweise und reist dann nach Thailand, wo er Jack "Tuck" Tucker [ M. Emmet Walsh ] trifft, einen alten Armeefreund, der zum Schwarzmarkt-König geworden ist. Gemeinsam starten sie eine Mission tief in den Dschungel, um die US-Kriegsgefangenen von General Tran [ James Hong ] zu befreien.

Mit unterschiedlichen Angaben zum Budget, aber im niederen einstelligen Bereich, und unter Aufsicht vom zuvor eigentlich im Horrorgenre aufgefallenen Joseph Zito gehalten, wird hier bereits von Beginn an auf martialisch und militärisch, auf draufgängerisch gegangen, Bomben schlagen schon im Tonfall ein, dazu ein epischer bis patriotischer Score, der seinen Rhythmus und den Druck dabei allerdings durchgängig wechselt, eine Art Titelthema, könnte auch zum Vorspann einer Serie sein, ist hier aber zu einem ursprünglich Battle Rage betitelten Dschungelkriegsfilm, ab Mitte Juni '84 für acht Wochen gedreht. Wie Vietnam sieht die philippinische Gegend natürlich nicht aus, immerhin ist sie grün genug und die Bomben dann auch im Bilde, die umgerissene Natur, die umgepflügten Bäume, die abgeschossenen Mörser, das rote Glühen im Hintergrund. Durch die wilde Landschaft wird sich geschlagen, den Feind im Rücken und ganz nah, Norris mit der Stimme von Dannenberg, die natürlich nicht so recht passen mag, immerhin werden so viele Kameraden wie möglich gerettet und der Feind durchsiebt.

Daumen hoch nochmal für die Soldaten an der Seite, die im Stör- und Streufeuer sterben, die oft feiglings erschossen werden, eine größere Einleitung, es soll noch größeres folgen. "Ihr kommt alle mit, Jungs!" wird hier prophezeit, nur abhauen aus dem Lande will man, raus aus dem Dilemma, der Misere, die einen die Politiker da oben eingebracht haben, es sieht nicht so aus wie bei John Wayne und Die Grünen Teufel, es wird brenzlich und gefährlich hier, die Handgranaten fliegen, die Schüsse knallen, die Maschinengewehre rattern, die "verfluchte Saubande" greift zur Not auch mit dem Bajonett an, bei schon Wehrlosen und am Boden liegenden. Ein Albtraum, tatsächlich eine Erinnerung, die M.I.A.'s sind nur im Fernsehen, mit vorsichtigen Optimismus werden die Verhandlungen geführt, der Film in der 'Jetztzeit', also der Gegenwart angesiedelt, man spült die schlechten Nachrichten runter mit dem ersten Bier. In einer Kaschemme hat man körperlich Zuflucht gefunden, gedanklich ist man noch in dem ständigen Kampf ums Leben und Überleben, in der Stuntshow (mit u.a. Jean-Claude Van Damme), im sinnlosen Sterben. Hier werden die Toten noch mitgeschleppt, später dann nicht mehr, es sind zu viele davon, mehr Verstorbene als Lebende, man lenkt sich im Hier und Heute mit Cartoons ab, und eben den ständigen Nachrichten, der Erinnerung an früher, dem Grauen der allgegenwärtigen Schlachten, auch dem Verweis auf die Gefangenschaft, die später kommt; in der man selber wehr- und schutzlos ist.

Die Diplomatie wird hier nicht für voll genommen, alles Bürohengste ohne Erfahrung, im heimischen Lande geblieben und nur zur "Modenschau" da, im Anzug mit der Weste, für den Handschlag da, den der Colonel verweigert, jeder Vietnamese ist für ihn ein Feind, dabei sind die Amerikaner eingedrungen in das Land, das ist nicht so wichtig hier, man ist schließlich die Weltpolizei. Lieber geht man auf die Dynamik und das Schüren von Feindbildern, es ist ein Aktionfilm, es wird die Prämisse befeuert, Gut und Böse inszeniert, eine Vorführung für die Amerikaner und das westliche Volk, eine versuchte Bloßstellung des eigentlichen Helden, des Braddock, der später auch noch im Titel genannt wird, der es besser weiß als die Antagonisten, der erstmal für Aufruhr auf der Pressekonferenz sorgt und dann für ordentlich Zunder sorgt, als "abgefeimter Krimineller".

Bisschen Klimbim zur Einleitung benötigt man schon, der Film geht seine 100min, er hat rasch eine verbale, dann eine tatsächliche Bedrohung, es wird diffamiert und drangsaliert, eine Frau als Begleitung als Nutzen der Erzählung, auch schnell bereit zum 'Schlummertrunk'. Vielleicht ist das doch Die Grünen Teufel, das Update davon zumindest, es wird sogar kurz kalauert, der Dannenberg wirkt, es wird auf Erkundungstour gegangen, erst in der Hauptstadt, später in den Wäldern. Als Abenteuerfilm macht man dabei nicht viel falsch, ein fremdes Terrain, welches es auszuforschen und den Fallen auszuweichen gilt, die Ausstattung bemüht sich um entsprechendes Aussehen, trotz der finanziellen Klemme ist man als Produktion ganz ordentlich aufgestellt, die Dunkelheit hilft. Norris macht das, wofür er bekannt, wofür ein an- und eingestellt ist und bezahlt wird, der Mann der Tat, nicht der der Worte, er wird aktiv eingesetzt, er hat seine Klettertouren und das Ausschalten der Gegner, dazu ein paar Oneliner, der schweigsame Rächer. Mittlerweile eine Ikone, damals auf dem Weg dahin, schon ein paar Werke hinter sich, noch viele vor sich, noch weitere imposante Auftritte und Rollen, erst im Kino, dann im Fernsehen; "Wie mein Vater immer sagte: Du musst nicht alles glauben, was Du siehst."

Ein paar Handgreiflichkeiten und erste Brutalitäten später ist man raus aus der Stadt und (wieder) rein in den Wald, optisch durchaus gelungen, statthaftes Kinogefühl, ein Hantieren mit wenig Geld und dennoch Attraktionen, mit Spannungsmomenten trotz länger Exposition und Referenzen an den gezeigten Cartoon. Etwas Erotik später kommt dann die Exotik, ein Durchstreifen der Kulissen, ein Gebiet gefährlicher als das andere, die asiatischen Städte alle Sümpfe und Moloche, Bangkok sowieso ein Puff mit vielen Nackedeis, von der Ho Chi Minh Stadt hat man außer dem Militär nichts gesehen, zu aufwändig wäre der Ausflug, dafür wird ein Angriff und eine Amokfahrt durch das thailändische 'Schweineviertel' inszeniert.

Für einen Gung Ho Kriegsfilm, den man kurz darauf nochmal in P.O.W. - Die Vergeltung (1986) aufgewärmt hat, geht man übrigens relativ spät in die Vollen, nach über der Hälfte der Laufzeit, erst ein wenig Vorgeplänkel und Rekrutierung und Besorgung des Waffenarsenals, mit eigenem Verhandlungsgeschick, mit Verfolgern und variantenreichen Attacken aus dem Hinterhalt, erst wird etwas Gespräch gestaltet und die Körperlichkeit und Fitness gezeigt, dann die Rettungsmission. Norris dabei ständig präsent, nahezu jederzeit im Bildkader der Kamera, neben den Explosionen (u.a. per RPG mitten im Stadtviertel, wo man auch vor dem Verletzen unschuldiger Zivilisten nicht zurückschreckt, und einigen Autostunts im Hafen) der tatsächliche Blickfang, das Verkaufsargument, das Zugpferd; willkommen im 20 Millionen Club, für einen Augenblick zumindest. Zito, der mit seinem Star noch Invasion U.S.A. dirigieren sollte, präsentiert das Ganze als bunte Unterhaltung mit grell leuchtenden, in Zeitlupe zelebrierten Flammenbällen, als Art Sieg im Nachhinein, als späte Rechtfertigung, den River of Death, den Fluß des Grauens schwimmt man entlang. Den mysteriös versteckten Ort hat man quasi sofort gefunden, einfach der Nase nach, man möchte ja nicht die Ausdauer schinden, ein flottes Geschehen, (trotz M. Emmet Walsh als Sidekick) der knallige Einzelkämpferfilm, Verhandlungen mit Dynamitstangen, knallharten Fäusten und dem bellenden Schießgewehr.









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