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Die Idee, ein Computerspiel auf die Leinwand zu bringen, hat sich dem Zuschauer bisher noch nie als ein besonders genialischer Einfall präsentiert. Und ungeacht dessen, dass eine Arschgeige wie Uwe Boll ganz sicher eher noch in den Boxring gehört – in den er nun seine heftigsten Kritiker zum Aufklatschen gebeten hat – als hinter eine Kamera, die Bredouille ist doch sicherlich schon grundsätzlich in das Unterfangen eingeschrieben. Der Weg von der Konsole zur Leinwand, oder (mit den trefflichen Titulierungen bei Neal Stephenson), vom ‚active’ zum ‚passive’, ist ein Rückschritt, bei dem das Original von seinen essenziellen interaktiven und diegetischen Qualitäten erheblich einbüßt. Und diegetische Qualitäten machen nun einmal auch ganz erheblich den Reiz eines Spielfilms aus. Diese Retro-Entwicklung in die Sackgasse führt dann sogar so weit, dass das doofe, aus der First-Person-Perspektive gefilmte Finale in der grottenschlechten DOOM Adaption von Andrzej Bartkowiak mancherorts als tolle Innovation gefeiert wird.

Zum Synonym dieser Misere ist der schon genannte Deutsche Uwe Boll geworden, der sich wegen eklatant mangelndem Talent ihrem Sog nicht widersetzen kann und wie selbstverständlich auch eines seiner aktuelleren Werke, BLOODRAYNE, hoffnungslos in den Sand setzt. Bestürzend ist dabei nicht sein Versagen. Bestürzend ist die beachtliche Riege an Stars – darunter Ben Kingsley, Kristanna Loken, Michael Madsen, Udo Kier und Geraldine Chaplin – die sich mithin dieser stümperhaft inszenierten Vampir-Vendetta nachhaltig mit Schimpf und Schande besudeln.

Was Christophe Gans und sein Produzent Samuel Hadida anpacken, gelingt – trotzdem sich letzterer bei den RESIDENT EVIL Adaptionen auch alles andere als mit Ruhm bekleckert hat – dem Gespann bisher deutlich über dem Durchschnitt. Nun waren sicherlich die Realfilm-Adaption des japanischen Comic und Anime „Crying Freeman“ und „Der Pakt der Wölfe“ nicht rundum gelungen – aber ihnen ganz bestimmt eingeschrieben, sind ein überzeugender Style und ein außergewöhnliches Gespür für eine überwältigend ästhetisches Design. Was ihren aktuellen SILENT HILL zu der mit Abstand besten Adaption eines Spiels macht, sind dann vor allem auch die Aspekte, in die dieses Talent dezidiert eingebracht werden konnte. Der Film ist eine Augenweide, eingewoben in eine beklemmende Atmosphäre, die durch grandiose und sehr garstige Effekte mitunter gar ins Inferno durchbrochen wird. Hölzern hingegen bleibt auch hier die Inszenierung, welche sich an die Stationen, die dramaturgische Landkarte der Vorlage, bindet. Entscheidungen, die der aktiv involvierte Spieler akut trifft (oder zu treffen gezwungen wird), werden für die Protagonistin, in deren Charakter der Zuschauer nicht so unmittelbar eintauchen kann, in einem, dem apokalyptischen Finale vorangestellten Monolog erläutert und rekonstruiert … und wirken in dieser Fasson reichlich gestelzt.

Dass trotz dieses Makels sich der parabelhafte Charakter des Stückes nicht völlig verliert, sondern in seinen Bezügen auf die Renaissance krankhaften religiösen Fundamentalismus überaus leicht nachvollziehbar bleibt, darf man SILENT HILL als einen weiteren Pluspunkt gerne anrechnen. Unterm Strich bleibt für das Werk eine klare Empfehlung, unter den inzwischen zahlreichen Computerspiel-Adaptionen wenigstens dieser einen hier eine faire Chance zu geben.***

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