Review

Hervorragender Gruselfilm mit beeindruckender Optik.

Mit Verfilmungen von Computerspielen ist das so eine Sache. Sie sind bestenfalls ganz nett – so wie „Tomb Raider“ – aber gerne auch von Uwe Boll. Und es verhält sich mit diesen Adaptionen auch wie mit Verfilmungen von Comics, man kümmert sich um eine Zielgruppe, und der Rest ist reichlich egal, Hauptsache, an der Kasse rollt der Rubel. Aus diesen Fakten heraus und auch aufgrund der vielen recht negativen Kritiken in der ofdb war ich voreingenommen, als ich mich daranmachte, „Silent Hill“ anzuschauen, denn das Spiel, seiner Zeit noch auf der ersten Playstation, war wirklich gruselig und gut – fluchen konnte man auch angesichts der für Spiele aus dem Hause Konami üblichen heftig schweren Rätsel. Und was soll ich sagen – ich habe jede Minute des Films genossen, auch wen sich Videospielpuristen sicher mit Grausen abgewandt haben.

Als ihre Adoptivtochter Sharon aufgrund von Schlafwandelei in Gefahr gerät, macht sich ihre Mutter Rose zusammen mit ihr nach Silent Hill auf, einem abgelegenen Dorf, dessen Namen Sharon immer wieder vor sich hinmurmelt. Kurz bevor sie die Stadt erreichen, geschieht ein Unfall, und als Rose aus ihrer Bewußtlosigkeit erwacht, steht sie im Ascheregen, ohne ihre Tochter, die spurlos verschwunden ist. Während Roses Mann ihr hinterherfährt und seinerseits Ermittlungen anstellt, versucht die Mutter, unterstützt von einer Streifenpolizistin, ihre Tochter in dem verlassenen Silent Hill zu finden, muß aber schnell feststellen, daß sie in einer Parallelwelt gefangen ist, in der die schlimmsten Alpträume war werden. Grauenhafte Dinge sind in Silent Hill geschehen, doch der ewige Ascheregen ist nichts gegen die unregelmäßig einkehrende Schwärze…die ganz besondere Monstrositäten beherbergt. Rose kommt hinter das Geheimnis von Silent Hill, doch der Preis, den sie, ihre Tochter und die Polizistin zu zahlen haben, ist hoch…

Selten habe ich so herausragende und doch abseitige und gruslige Bilder gesehen, wie sie uns Regisseur Gans hier serviert. Unterstützt durch moderne Tricktechnik gelingt ihm ein meisterliches Werk, welches zutiefst verstörend ist, auf allen Wegen, denn nicht nur garstige Bilder, sondern auch unheimliche Töne martern den Betrachter. Gans verzichtet zum Glück auch auf jeden abgenutzten Buh-Effekt, es gibt keine Katzen im Schrank, auch eine Fortsetzung wird nicht angedeutet. Viele haben die Zwischenschnitte auf die Reise von Roses Mann kritisiert, doch gerade dadurch wirkt die Zwischenwelt von Silent Hill noch bedrückender, zumal genau dann, wenn er durch die verlassene Stadt läuft, die so ganz anders aussieht als die Version, in der sich Rose fast an der gleichen Stelle befindet.

Man könnte noch viel Gutes sagen, auch über die Schauspieler, die es schaffen, daß der Film nicht pures Effektkino ist. Wirklich toll sind die unterschiedlichen Sets und Kreaturen, die damit einhergehenden Farben und der Verzicht auf jugendliche Charaktere – selbst die Kinder sind entgegen sonstiger Gewohnheiten nicht nervig. Und sehr hat mich gefreut, Kim Coates mal wieder zu sehen, der ja vor vielen Jahren von Bruce „Boy Scout“ Willis hart bestraft wurde. Tolles Kino, spannend und beeindruckend bis zum Schluß, an passender Stelle auch gerne blutig, es gibt nichts auszusetzen – 10/10.

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