Review

Als bekennender Nicht-Nutzer von Computerspielen habe ich im Regelfall nicht die blasseste Ahnung, wie wohl die digitalen Vorlagen von den Filmen sind, die auf derartigen Quellen basieren (mal mit Ausnahme von „Doom“), und um was es inhaltlich geht. So hatte ich auch nicht die geringste Vorstellung, was den geneigten Zuschauer bei „Silent Hill“ erwartet. Aber das trostlose Cover und der Hinweis auf einen permanenten Ascheregen weckten mein Interesse. Also bin ich ohne Erwartungen ans Werk gegangen – und habe sehr angetan den Film genossen. Frei von irgendwelchen Verpflichtungen und nicht ansatzweise daran interessiert, die Geschichte nachzuvollziehen habe ich mich durch „Silent Hill“ trieben lassen und jede Minute genossen. Die Macht der Bilder ist einfach großartig. Und die parallelen Welten inklusiver der nicht erläuterten Monstren lassen einen den Film wie einen schlechten Traum erleben. Alles ist surreal und würde aus meiner Sicht durch tiefer gehende Erklärungen schwer an Wirkung verlieren. Die (Teil-)Auflösung, wenn wir sie mal so nennen wollen, war mir schon einen Tick zu banal. Ich hätte auch ohne leben können. Ich kann mir vorstellen, dass viele Konsumenten nicht mit dem Ende leben können. Aber was soll’s. Wir haben das Ende von „Das Haus an der Friedhofsmauer“ über uns ergehen lassen, dann werden wir den optisch und inhaltlich ähnlichen Schluss von „Silent Hill“ doch sicher auch verkraften. De Film lebt maßgeblich von der Stimmung, die Gans virtuos aufbaut, von den exzellenten Bauten und dem ganzen Kroppzeug, dass ohne erkennbare Motivation unserer Hauptdarstellerin auf der Suche nach ihrer Tochter ans Leder will. Diesen Bedrohungen steht die Gemeinde gegenüber, die in ihrem Hexenwahn nicht minder bedrohlich ist. So kann sich der geneigte Zuschauer zurücklehnen und abwarten, welche der Parteien am Ende mehr in Mitleidenschaft gezogen wird. Der Showdown in der Kirche ist nicht von schlechten Eltern, auch wenn er mir zu sehr geklaut wirkt. Die Monster sind es wert, dass man noch ein paar Worte über sie verliert. Egal ob es sich um den Spucker ohne Arme, den Typen mit dem Pyramidenkopf oder die Krankenschwestern im Keller handelt, alle sind super skurril und hervorragend animiert, treten auf, bedrohen und verschwinden wieder. Was soll es mich interessieren, wer das ist und wieso er auftritt? Sie unterhalten und bedrohen. Mehr tut nicht zur Sache. Und sie sorgen für Erheiterung. Ich fand die Nummer ziemlich geglückt, in der sich die Krankenschwester unbewusst ihre Kolleginnen meuchelnd dranmacht, unsere Mutter zu attackieren. So ist es halt, wenn man blind und trotzdem bewaffnet ist… Reden wir noch kurz über die Schauspieler. Alle agieren sehr ordentlich und werden vom Drehbuch angehalten, überraschend logisch zu agieren. Das scheint das Resultat der Spielvorlage zu sein, kommt dem Film aber sehr zu gute. Schauspielerisch besonders angetan hat es mir die Polizistin, die trotz des martialischen Auftritts zu Start glaubwürdig agiert und optisch sehr passend besetzt ist. Als Regisseur zeigt Gans seine ganze Klasse. Wie bei „Pakt der Wölfe“ ist er ein Meister der Stimmung. Nur dass er bei „Silent Hill“ nicht den Fehler von „Pakt der Wölfe“ begeht, mit einer miesen Auflösung die eigens aufgebaute Stimmung wieder zu vernichten. „Silent Hill“ ist ein extrem stimmungsvoller und optisch sehr gelungener Film, der hervorragend unterhält und davon lebt, eben nicht alles zu offenbaren. Ich kann diesen Film nicht aus der Sicht eines Zuschauers beurteilen, der die Spiele kennt. Aber für einen Genrefan ohne Vorkenntnisse ist „Silent Hill“ ein Muss, das man sich sicher auch mehrfach ansehen kann. Von mir kriegt er 8 von 10 Punkten.

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