Lange rang Sharon Stone um die Realisierung dieses Films. Sie zog vor Gericht und verklagte Gott und die Welt. Mal passte ihr die Gage nicht, dann wieder hatte sie was gegen die Besetzung der männlichen Hauptrolle. Nun ist Basic Instinct – Neues Spiel für Catherine Tramell da. Gibt er Grund zur Klage?
Over the bridge
Der Wagen rast nachts mit 180 km/h durch die leeren Straßen Londons. Am Steuer sitzt eine attraktive Blondine, bei der es sich um die überaus erfolgreiche Krimiautorin Catherine Tramell (Sharon Stone) handelt. Neben ihr sitzt ein offensichtlich mit Drogen voll gepumpter Beifahrer, der anscheinend überhaupt nicht weiß, wo er ist. Langsam führt sie seine Hand in ihren Schritt und befriedigt sich bei voller Fahrt selbst. Am Höhepunkt ihrer Ekstase angelangt, verliert sie die Kontrolle über den Wagen, der über das Brückengeländer in der Themse landet. Während sich Catherine mühelos von den Gurten befreien kann, lässt sie ihren kraftlosen Begleiter mitsamt Luxuskarosse untergehen. Natürlich wird sie von der Polizei gefasst und verhört, allerdings gibt sie sich so cool, dass der ermittelnde Detective Washburn (David Thewlis) den Psychiater Dr. David Glass (David Morrissey) mit der Erstellung eines psychologischen Gutachtens von Tramell beauftragt. Augenblicklich ist er von dieser erotischen Frau fasziniert, muss allerdings die Contenance bewahren, schließlich ist er nicht ihr Liebhaber, sonder ihr Psychiater. Doch wie das mit der Lust nun mal so ist, verstrickt er sich immer mehr in einem unübersichtlich werdenden Netz aus Begehren, Lügen, Gewalt und Verdächtigungen…
What a bitch
Erst einmal: Um diesen Film zu verstehen, muss man nicht den genialen Vorgänger Basic Instinct von Regisseur Paul Verhoeven aus dem Jahre 1992 gesehen haben. Die Erlebnisse von Stone und Michael Douglas finden zwar nebenbei Erwähnung, haben mit der Story allerdings nichts zu tun. Inwiefern dieses Machwerk eine Daseinsberechtigung genießen sollte, erschließt sich nicht wirklich überzeugend. Schön und gut, dass man einen Klassiker des erotischen Thrillers nach 14 Jahren wirklich noch mit einem Sequel fortsetzen will, das gelang in ähnlicher Weise auch schon mit Star Wars, aber was sich die Beteiligten bei diesem Trauerspiel gedacht haben, bleibt schleierhaft. Merken die Verantwortlichen nicht schon während des Drehs, dass dieses Produkt derartig prädestiniert ist, in die Hose zu gehen? Ist es da sinnvoll, das Projekt trotzdessen weiter voranzutreiben? Wo liegt der Sinn für Sharon Stone, mittlerweile schon jenseits der 40 angelangt, einen zweiten Teil des Films zu drehen, der sie als Sexsymbol in Hollywood etablierte und sich dann in den obligatorischen Sexszenen angeblich doubeln zu lassen? Dass Regisseur Michael Caton-Jones durchaus in der Lage ist, gute Filme zu machen, hat er schon mit Der Schakal bewiesen, allerdings reiht er sich in die lange Liste von Defiziten ein und ist ebenfalls als Totalausfall zu bezeichnen. David Morrissey ist als Michael Douglas-Ersatz so fehlbesetzt und überfordert wie kaum jemand. Er spielt den Psychiater Glass unbeschreiblich hölzern und uncharismatisch, dass man Sharon Stone schon fast eine gute Leistung bescheinigen kann, wenn man außer Acht lässt, dass sich ihr Schauspiel weitgehend auf verführerische Blicke und laszive Bewegungen reduziert. Da das Drehbuch und der Storyverlauf hoffnungslos unglaubwürdig und verworren ist und man dem Ganzen schon nach einer halben Stunde nur noch stirnrunzelnd folgt, kann man sich eigentlich nur noch auf eine Weise die Filmzeit vertreiben: Mit dem Warten auf die Erotikszenen. Das mag platt klingen (und ist es vermutlich auch), aber was will man angesichts dieses Desasters auch anderes machen? Selbige Highlights haben im Übrigen nichts gemein mit der knisternden Inszenierung des ersten Teils, bei dem sich manch einer wirklich Gedanken über deren Echtheit machte. Im zweiten Teil sind die Kopulationsakte eigentlich nur noch peinlich. Schlecht choreographiert und photographiert, bringen sie bis auf die Galle keine anderen Körpersäfte beim testosteronhaltigen Publikum zum Kochen. Das Gebotene bekommt man günstiger und manchmal auch besser bei den Billigproduktionen auf VOX oder vergleichbaren Sendern (haltlose Behauptung ohne vorherige Recherche)…
Don`t let tits rule your mind
Nein, mit diesem Film hat sich Sharon Stone keinen Gefallen getan. Im Nachhinein wäre sie mit einem Oben-ohne-Fotoshooting für ein Hochglanzmagazin wohl doch besser beraten gewesen, wenn sie in ihrem Alter noch unbedingt ihre (makellosen) Silikonbrüste aller Welt zeigen wollte. Und höchstwahrscheinlich hätte sie damit auch sehr viel mehr Menschen erreicht als mit dem Dreh dieses filmischen Debakels, das nicht nur jedweder Logik, sondern auch jeglichem Können entbehrt.
Dialoghighlight: „Ich weiß, wie sie sich vorstellen, mich von hinten zu nehmen.“
Fazit: 2 von 10 Big Ben-Feuerzeugen