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Man könnte den Film "Passagier 57" durchaus schlecht reden, wie es in manchen Kritiken passiert, wenn er mit Filmen wie "Stirb langsam" oder "Alarmstufe Rot" verglichen wird. Aber ist ein solcher Vergleich denn überhaupt statthaft und selbst wenn, müsste dann "Passagier 57" einen solchen Vergleich scheuen?

Ich meine nicht, denn "Passagier 57" ist bestes Popcorn-Actionkino, das auf seinen Hauptdarsteller zugeschnitten ist, der hier auch in einigen Kampfszenen sein Martial Arts - Können unter Beweis stellen kann (nicht umsonst hat er den 5. Dan im Shotokan-Karate).

John Cutter, ein ehemaliger Polizist, der jetzt als Sicherheitstrainer bei verschiedenen Fluggesellschaften arbeitet, bekommt ein sehr lukratives Angebot, für das er nach Los Angeles fliegen muss. Er sitzt dabei auf Platz 57, was ihn zu besagtem Passagier 57 macht. Kurz vor Abflug des Flugzeugs kommen noch FBI-Beamten an Bord, die den Terroristen Charles Rane zur Verurteilung nach Kalifornien überführen sollen. Was hier noch keiner ahnt, Ranes Komplizen haben nicht nur die Passagiere, sondern auch Teile der Besatzung unterwandert, weshalb es den Terroristen schon bald nach dem Start gelingt, die Maschine in ihre Gewalt zu bringen. Dabei gehen Rane und seine Helfershelfer äußerst brutal vor. Beispiel: Der Terrorist kommt ins Cockpit und fragt den Kapitän: "Wer hat hier das sagen?" Der Kapitän: "Ich!" Rane erschießt den Kapitän und fragt erneut: "Wer hat hier das sagen?" Der Copilot: "Sie!" Es scheint, dass die Terroristen nur von einer Person an Bord gestoppt werden können, von John Cutter, dem Passagier 57. Dabei bekommt er tatkräftige Unterstützung von der Stewardess Marti Slayton.

Was folgt ist ein "10 kleine N****lein"- Spielchen, bei dem einer der Terroristen nach dem anderen ins Gras bzw. in die "Luft" beißen muss. Einiges geschieht während des Flugs, es gibt aber auch ein paar sehenswerte Szenen am Boden, als die Maschine aufgrund von Treibstoffmangel auf einen Provinzflugplatz landen muss. Diese Sequenz finde ich dramaturgisch eher störend und  arg an den Haaren herbeigeholt. Sie ermöglicht es aber Wesley Snipes am  Boden mit mehr Platz (u.a. auf einem Rummelplatz) in Aktion zu treten (im Flieger ist für manche Idee einfach zu wenig Platz). Es bleibt aber auch nur ein Intermezzo, denn kurze Zeit später geht die Maschine wieder in die Luft...

Entgegen anderen im Netz zu findenden Aussagen überzeugt mich Wesley Snipes in seiner Rolle als Sicherheitsbeauftragter Cutter. Er hebt mit seinem "Spiel" den Film sogar über vergleichbare Actionfilme hinaus und zeigt sich auch den physischen Anforderungen in den Kampfszenen mehr als gewachsen. Als Antagonist überzeugt Bruce Payne als unterkühlt, brutaler Terrorist Charles Rane. Mit Alex Datcher, die immer wieder in verschiedenen US-Fernsehserien auftaucht, hat Snipes hier in der Rolle der Stewardess Marti Slayton eine gute Partnerin bekommen, der man eigentlich mehr Rollen in größeren Produktionen wünscht. Alles in allem hat man bei allen Rollen, den Haupt- und Nebenfiguren, das Gefühl, dass der Film den Schauspielern Spaß gemacht hat.

Regisseur Kevin Hooks und seiner Crew ist ein guter Actionfilm gelungen mit einem in allen Belangen motivierten "Body-Count". An einzelnen Stellen hätte ich mir vom Drehbuch etwas mehr Logik gewünscht, aber wer will hier an allem "herumkriteln", wenn er doch insgesamt blendend unterhalten wird. Der Film wurde in der ungeschnitteen Version ein paar Jahre später auf "ab 16" heruntergesetzt. Damit wird auch hier einer gängigenTendenz gefolgt, die ich eher kritisch sehe. Ich glaube, eine Freigabe "ab 18" hätte durchaus bestand haben dürfen, schon um Eltern bei der Auswahl der Filme für ihre Kinder eine Orientierung zu geben. Aber was soll's, ich fange schon wieder an zu "kriteln". Gegen eine Fortsetzung á la "Passagier 58" oder "Passagier 59" hätte zumindest ich nichts einzuwenden.

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