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Manchmal kann man dem Fernsehen, speziell Arte, ja doch ganz dankbar sein, wenn es für seine obskuren Reihen irgendwelche Perlen (oder Gemmen) ausgräbt, die man auf anderem Weg nicht mal mit der Feuerzange angefaßt hätte.

Auf diese Art und Weise erfuhr aber mal ein breiteres Publikum von „Deathdream“, aus dem Genreliebhaber wie Frank Trebbin u.a. gerne eine damalige Vietnamparabel stricken, jedoch dreht sich die Sache eher um den Zerfall der glücklichen amerikanischen Vorortfamilie, der Krieg an sich ist austauschbar.

Hier beißt nämlich Andy Brooks at war into the grass und die Familie kriegt die volle Telegrammdröhnung samt Uniformiertem beim Abendessen. Doch das Mütterlein will nicht von ihm lassen und verfällt des Nächtens in einen manischen Singsang, worauf der Gekillte sich flugs der Heimstatt nähert und dabei gleich mal einen netten Trucker meuchelt. Prost Mahlzeit.

Bob Clark, der später „Black Christmas“ und den praktisch unerreichten „A Christmas Story“ drehen sollte, hat mit seinem 1972 gedrehten kleinen Schocker einen gewitzt intensiven Streifen zusammengedreht, der vor allem eins ist, nämlich rabenernst, wo andere wegen akutem Trashvorschub ins Lächerliche abrutschen.
Okay, die Kriegsszenen zu Beginn hat man offenbar im Mischwäldchen nebenan gedreht, aber fortan wird man Zeuge des Untergangs des amerikanischen Abendlands.
Konflikte zwischen den Eltern brechen auf; der Vater ist dem veränderten Sohne gram, weil der „seinen“ Krieg ärger nimmt als Daddy den WW2; die Mutter will ob des Heimkehrglücks die Wahrheit nicht sehen und das Schwesterlein ist sowieso nie so ganz da. Prompt versucht letztere die alten Freunde (und die Freundin) zu reaktivieren und wie in den guten alten Zeiten ins Autokino zu fahren – doch mit entsetzlichen Folgen...

Es ist wahrhaft offensichtlich, worauf man hier hinaus wollte, doch es ist verdammt gut gelungen für das Schnürsenkelbudget, was man offensichtlich hatte. Die Familie an sich ist kleinbürgerlicher Dünkel plus Ruppigkeit pur, die Vorstadt ist sonnig wie immer und mittendrin steht Andy, der apathisch und unbehaglich starrend in seinem Schaukelstuhl die Nächte durchwippt, erst den Hund und dann den Arzt meuchelt und schließlich die Maske fallen läßt, als sein Corpus langsam Zerfallserscheinungen aufwirft.

Clark geht recht deutlich (wenn auch aus heutiger Sicht zahm) zur Sache und inszeniert seine Suspenseszenen und den recht graphischer Softgore ohne mit dem Mundwinkel zu zucken. Keine überflüssige Begleitmusik, die Nacht vor dem Fenster ist schwarz und so ähnlich sieht es auch in den Herzen der Daheimgebliebenen aus.
Andy selbst ist lediglich ein Katalysator, der die Dinge ins Laufen bringt und dazu hin und wieder etwas Blut benötigt, weswegen sein Untoter auch gleich noch was Vampirisches an sich hat.

Besonders herbe der fiese Schluß, der richtig schön runter zieht, eben weil er so verzweifelt nihilistisch rüberkommt. Sofern ein Horrorfilm also politisch sein kann, während er den Unterhaltungsanspruch erfüllt, dann wohl so. Das Werk in die Trashreihe einzusortieren, ist dann wohl der einzige Fehler den Arte begangen hat, aber der Verantwortliche gehört eh seit Beginn unters Fallbeil. (7/10)

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