Ja, DEAD OF NIGHT ist fantastisch - das gibts kein Vertun...
Selten habe ich so einen mitreissenden und am Ende erschütternden Horror/Antikriegsfilm gesehen - und eins könnt ihr mir glauben: seit ich 1980 meinen ersten Betamax-Recorder ins Kinderzimmer gestellt bekam, habe ich tausende von Horrorfilmen gesehen, die DEAD OF NIGHT jedenfalls nicht das Wasser reichen können...
1974 war die Welt schon lange nicht mehr in Ordnung in den USA (falls sie das überhaupt jemals war), und der Vietnamkrieg neigte sich dem grausigen Ende entgegen. DEAD OF NIGHT zeigt anfangs eine amerikanische Familie aus dem (verlogenen) Bilderbuch - man (Papa, Mama, Tochter) wartet, das Sohn Andy aus dem Krieg endlich nach Hause kehrt, doch eines Abends steht ein Militärkollege an der Haustür und hat traurige Nachrichten für die Familie: Andy ist verschollen, höchstwahrscheinlich tot. Das Entsetzen ist gross, doch eines nachts hören Andys Eltern Geräusche. Andy ist zurückgekehrt! Die Freude ist riesig und schon sitzt die ganze Famlie am Küchentisch. Doch halt - Andy redet kaum, ist leichenblass und seltsam. Sein Daddy sagt dann:
"We all thought you were dead!"
"I was", antwortet Andy.
In den nachfolgenden Tagen benimmt sich Andy immer seltsamer - er sitzt stundenlang im Dunkeln auf seinem Schaukelstuhl, redet kaum ein Wort (was ja eigentlich für einen Kriegsveteranen verständlich sein müsste, doch besonders Papa gefällt das nicht). Eines Tages schnappt Andy sich den Familienhund und erwürgt ihn am ausgestreckten Arm vor einem Haufen Kids. Dazu kommt, das ein Lastwagenfahrer (der Andy als Anhalter mitgenommen hat) ermordet aufgefunden wird - ziemlich blutleer, als wäre er von einem Vampir ausgesaugt worden. Langsam kommt Papa der Verdacht, das Andy was damit zu tun haben könnte. Er beginnt zu recherchieren...
Die Schauspieler sind für so einen kleinen Streifen ganz grosse Klasse - und zwar durch die Bank: Knittergesicht John Marley (THE GODFATHER) als Vater zwischen Machotum und Verzweiflung, Lynn Carlin als Mom, die ihren Sohn mehr liebt als ihre Tochter und ALLES für Andy tut und ihn deckt, und Richard Backus als Andy, der gerade in den ersten Szenen äusserst unheimlich wirkt und seine Rolle extrem gut spielt.
In DEAD OF NIGHT gibt es für den Horror- und dem allgemeinen Filmfreak viele, viele Anspielungen auf andere Streifen zu entdecken. Wenn Andys Körper langsam verfällt und er sich nur noch in Zeitlupe durch die Gegend schleppt, ist das eine Anspielung auf die guten, alten Universalmonster. Und dann kann Andy zum Beispiel das Haus eines Doktors (der Andy auf seinen Geisteszustand untersuchen möchte) erst dann betreten, als ihn dieser wörtlich ins Haus eingeladen hat (Dracula)!
Andys Sucht nach Blut, das er sich mittels einer Spritze in die Venen injiziert, ist eindeutig eine Metapher für die zahllosen Morphium- und Alkoholsüchtigen der Veteranen, die nach dem Krieg keinen Zugang mehr zur Gesellschaft fanden, weil Vietnam ihre Seelen zerstört hat. Denn anscheinend hat damals die Gesellschaft von den Kriegsheimkehrern erwartet, das sie sich gleich wieder ganz normal benehmen, als wäre nichts gewesen.
Man spürt, das Regisseur Bob Clark seine Probleme mit dem Vietnamkrieg hatte. Hat Recht, der Mann!
SPOILER-ALARM!
Als Andy schliesslich von der Polizei verfolgt wird, flüchtet er mit seiner Mutter auf einen nahe gelegenen Friedhof... Das Ende ist dann dermassen niederschmetternd, das ich Tränen in den Augen hatte und mich nicht schäme, das auch zuzugeben (sensiblere Naturen sollten Taschentücher bereithalten)...
Puh, was für ein horribles Ende! Ich habe jedenfalls noch nichts Vergleichbares zuvor gesehen. Für die deutschen Zensoren war das Ende anscheinend zu heftig - sie schnitten es komplett raus (mehrere Minuten fehlen in der alten VHS-Fassung!). Tja, solche Schnippelmeister kotzen (sorry) mich schon seit den seligen '80ern an - mit welchem Recht werden eigentlich solche Kunstwerke geschnitten, in den deutschen Synchros verfälscht (gutes Beispiel Margheritis SCHLOSS DES GRAUENS mit Christopher Lee) und abgedunkelt (auch eine Form der Zensur)??? Das ist dasselbe, als würde man einen VanGogh mit dem Filzstift bekritzeln...
DEAD OF NIGHT ist eines der grössten Meisterwerke in den Genres Horror- und Antikriegsfilm.
10/10 Punkte!
Make Love not War! :-)