Review
von Leimbacher-Mario
Der aus der Hölle kam
"Deathdream" verbindet einen bissigen Genreschocker mit einer noch bissigeren, (zu recht) extrem kritischen Message zum Thema (Vietnam-)Krieg. Und so sieht man sich einem echten Biest mit Nachwirkungen gegenüber. Bob Clark hat mit diesem speziellen "Heimkehrerdrama" und seinem Prototyp-Slasher "Black Christmas" 1974 einen One-Two-Punch der Extraklasse abgeliefert. Ich weiß gar nicht, welchen von beiden ich vorziehen würde. Beides definitiv Must-Sees. Und beide hochgradig unterschätzt, übersehen, unter allen Radaren. Das ändert sich gefühlt zwar von Jahr zu Jahr mehr, doch davon hat der viel zu früh verstorbene Bob ja nun nicht mehr allzu viel... "Deathdream" handelt von einer Familie, die den Tod ihres geliebten Sohnes betrauert, der im Vietnamkrieg scheinbar erschossen wurde. Doch dann steht er plötzlich und mit versteinerter Miene vor der Tür, zur großen Freude aller Angehörigen. Diese weicht jedoch schnell dem Unbehagen, dass mit dem einst herzensguten Andy etwas nicht stimmt... Also Vorsicht, vor dem, was man sich wünscht!
"Deathdream" ist ein wirkungsvoller, potenter, ausgewachsener Alptraum. Familiär, gesellschaftlich, zum Release auch etwas für alle Beteiligten, für uns Zuschauer erst recht. Richard Backus spielt den veränderten Soldaten, den "traumatisierten" Andy grandios. Obwohl ich natürlich auch (den als zu "weird" abgetanen) Christopher Walken gerne in dieser Rolle gesehen hätte, so wie es zuerst gedacht war. Dennoch spielt Backus voller Kälte, voller Leblosigkeit, voller Wut und voller Verzweiflung nahezu perfekt. Die wenigen Gorespitzen sehen klasse aus, vor allem Andys späteres Make-Up, wofür u.a. ein junger Tom Savini, frisch aus Vietnam zurückgekehrt (!), zuständig war. Zu sehen, wie die Familie unter dem Druck, der Veränderung und der sich eingeschlichenen Boshaftigkeit/Unmenschlichkeit auseinandergerissen wird, kann man nicht so schnell aus den Knochen schütteln. Der experimentelle, immer aufgekratzter werdende Score steuert dazu ebenso seinen Teil bei wie die intensive Atmosphäre, die etlichen Clark-typischen POV-Shots und der sehr effektive Spannungsaufbau. Ein völlig niederschmetterndes, unvergessliches Finale setzt eine blutige, schmerzhafte Krone auf. "Deathdream" ist ein Klassiker, der endlich aus der zweiten Reihe hervor treten sollte.
Fazit: wenn die Seele weggebombt wird... "Deathdream" ist ein klasse Stück Horror, bietet einen ganz besonderen "Zombie" und eine nachhallende Aussage über Kriegsfolgen, die den epischsten Kriegsklassikern in ihrer Resonanz in nichts nach steht. Hier passt alles. Einer der ganz Großen unter den Übersehenen. Meisterlich.