Review

Noch nie hat mich ein Film gleichermaßen derartig fasziniert und abgeschreckt wie der vorliegende Streifen. Obwohl der Titel bereits verrät, worauf man sich bei SLAUGHTERED VOMIT DOLLS einlässt, ist man dennoch nach den knapp 75 Minuten erst einmal schockiert und weiß nicht so recht, was man davon halten soll. Betrachten wir das Werk einfach als filmische Gratwanderung der Extreme zwischen Kunst und Perversion und versuchen die zweifelsohne kranken Gedanken von Lucifer Valentine 666 nachzuvollziehen.

Angela Aberdeens' Leben ist als Bulimiekranke ehemalige Stripperin und Prostituierte von den Schattenseiten gezeichnet. In satanischen Alptraum-Szenarien und Halluzinationen durchleben wir ihre Wahnvorstellungen mit grausamen, brutalen Exekutionen und ekelerregenden Kotz-Sequenzen.


Mehr Inhalt braucht ein Film nicht, wenn die Art und Weise der filmischen Darstellung in Realitätsnähe und Direktheit alles bisher Dagewesene in den Schatten. Visuelle Stilmittel wie Verlangsamungen der Kamera und Wiederholungen tragen ebenso zu einer abstoßend faszinierenden Atmosphäre bei wie verzerrte Stimmen und merkwürdigste Soundfetzen. Selbst Exploiter-Herzen werden höher schlagen, wird doch der überaus attraktive weibliche Körper mit all seinen Höhen und Tiefen auf freizügige Weise mit der Kamera gehuldigt, wobei die Grenze zum Hardcore jedoch nicht überschritten wird.
Man wähnt sich in einem Snuff-Movie und fragt sich, welche Schauspieler ernsthaft zu einer derartigen Leistung bereit wären. Bestimmte Szenen wurden schon von mehreren Kritikern grafisch beschrieben, so dass mir eine nähere Betrachtung unnötig scheint.


Mit diesem Dokumentations-Stil hat Valentine ein gänzlich neues Film-Konzept erschaffen: Das Snuff-Art-Movie, wobei man sich an dieser Stelle berechtigterweise die Frage stellt, wer wirklich kranker ist - der Regisseur ob seiner extremen Gedanken oder der Zuschauer, welcher mehrheitlich die exzessiven Gewaltdarstellungen als Filmkunst betrachtet (wobei ich mich da nicht ausschließen möchte!)?


Ich habe in den letzten Jahren wirklich viele Filme gesehen, die meiner Meinung nach den Pfad des guten Geschmacks schrittweise verlassen haben. Dazu gehören sicherlich Streifen wie MORDUM, GUINEA-PIG oder CANNIBAL FEROX. Keiner kann sich jedoch mit der emotionalen Wucht von SLAUGHTERED VOMIT DOLLS messen, der bei mir als bisher erster Film die Grenze des Erträglichen gestreift hat (Premiere!).
Alle Mainstream-Kucker mit schwachen Mägen und Angsthasen, die schon bei DUMPLINGS feuchte Hosen bekommen haben sollten somit einen großen Bogen um den Film machen. Wer sich allerdings auf die experimentelle Reise in die Abgründe der menschlichen Seele einlässt und kein Problem damit hat, Leuten minutenlang beim Kotzen zuzuschauen, kann einen auf ungewöhnliche Weise faszinierenden Streifen begutachten.


Entsprechend schwer fällt die Bewertung, aber aufgrund der Einzigartigkeit des Dargebotenen schwebt eine ekelhafte Wolke der kranken Begeisterung im Raum (8 / 10)

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