Review

Dieses Werk ist in jeder Hinsicht zum Kotzen.
Ein Experimentalfilm, eine unappetitliche Collage, die keine Aussage trifft.
Ein 19-jähriges Mädchen, schwer unter Magersucht leidend, isoliert sich von der Außenwelt, schließt einen Pakt mit Satan und flüchtet sich in blutig perverse Folterfantasien.
Exploitation pur, ohne Sinn und Verstand, aber mit vielen Ekelszenen.

So mag man während der ersten Minuten noch geduldig auf einen Hintergrund hoffen. Handkameraaufnahmen zeigen ein Kind, Hauptfigur Angela zugedröhnt im Bad, dann auf dem Bett liegend, ein Flehen in die Kamera, sie arbeitet als Prostituierte, als Stripperin.
Sie leidet unter Bulimie, ein sehr ernst zu nehmendes Thema.
Doch schnell wird einem als Zuschauer bewusst, dass hier erst gar nicht versucht wird, die Sache ernsthaft zu hinterfragen oder gar Emotionen Angelas Ausdruck zu verleihen.
Nähert man sich so dem Schicksal einer gescheiterten Existenz? Nun ja.
Aber, was soll man letztendlich auch erwarten dürfen, wenn sich der Macher des Werkes, vordergründig provokant wie sein Erzeugnis, Lucifer Valentine nennt.

75 Minuten lang ein einziges, schwer verdauliches (…!) Schnittgewitter. Handkamera, Wackelaufnahmen, unkontrollierte Schwenks, Close Ups, die den Figuren fast ins Nasenloch kriechen. Dann Schwarzweißbilder mit zentriertem Spot, Farbbilder mit übermäßigem Kontrast, Bildflackern und dazu im Audiobereich fast alles in halber Geschwindigkeit abgespielt, manchmal auch im Reverse Modus. Spätestens nach 20 Minuten stellt sich hier ein unangenehmes Schwindelgefühl ein.

Doch, was bekommt man schließlich zu sehen?
Knapp ausgedrückt: Blut und Erbrochenes.
In einer Szene werden einer namenlosen Nackten die Augen ausgestochen. Minutenlang. Die Augäpfel werden entnommen, es wird weiter herum gestochen. Das Opfer kriecht auf allen Vieren, fleht und erbricht sich anschließend massiv auf die Kamera. Kein Einzelfall.
Später trennt ein Typ einem Opfer den Arm ab, steckt ihn sich in den Hals, um ebenfalls zu erbrechen. Er übergibt sich in einen Bierkrug, trinkt den Inhalt, damit sich die Prozedur nochmals wiederholt. Ebenfalls minutenlang.
Die Kotzszenen sind nicht gestellt und entsprechend abstoßend, die Goreszenen sind sogar ordentlich ausgearbeitet, - soweit man das innerhalb der Wackelbilder ausmachen kann.

Doch je länger das konzeptlose und primitive Treiben anhält, umso weniger schockiert es.
Später wird einem Typen die Schädeldecke abgetrennt und Teile des Gehirns gegessen. Wofür? Natürlich, um eine weitere Kotzszene unterzubringen.
Aber das beeindruckt nicht mehr, da man bereits nach wenigen Minuten den Bezug zum Geschehen verliert. Kein sinnvoller Bezug - kein Mitfiebern.
Da lassen auch die zusammenhanglosen Ausführungen Angelas keine Bindung entstehen, denn ich werde, trotz eingebundener Kindheitsaufnahmen, nie erfahren, warum sie zum Wrack wurde. Mitgefühl bleibt völlig aus.

An anderer Stelle muss man sich fragen, wofür die ganzen explizit gefilmten Frauenkörper.
In einer Szene strippt Angela im Club an einer Stange. Man sieht alles.
An sich sollte ein Strip ein erotisches Empfinden beim Betrachter hervorrufen, doch hier kehrt sich das ins Gegenteil um. Eine magersüchtige Frau, an deren Haut sich bereits deutliche Spuren der Krankheit abzeichnen und von der man weiß, dass sie sich spätestens in der übernächsten Szene einmal mehr geräuschvoll über dem Klo erbrechen wird.
Ergo, ein weiters Mittel zur Provokation, denn Tabubruch steht im Vordergrund.

Am Ende bleibt eine einzige Leere, als hätte man sein Gehirn nebst sämtlichen Emotionen aus dem Körper gekotzt. Das käme dem Macher mit seinem Fetisch („Vomit-Gore“) gewiss entgegen. Mir persönlich verschafft es den Drang, etwas Sinnvolles zu konsumieren und diesen unappetitlichen Schwachsinn möglichst schnell zu vergessen.
1 von 10

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