Review

Angela ist ein menschliches Wrack. Sie ist zwar ein sehr hübsches und junges Mädchen, aber leidet schwer an ihrer Vergangenheit, die sie in Alkohol und Drogen ertränken will. Sie ist magersüchtig und hat akkute Probleme mit Alpträumen und Gefühlsschwankungen, was auch einer der Gründe sein dürfte, warum sie ihre Seele dem Teufel verkauft. Nun beginnt für sie eine psychische Achterbahnfahrt aus Mord und Perversion, welche ein böses Ende nehmen wird.

Der Film, welcher aus dem Gehirn des gerüchteumwitterten Regiesseurs "Lucifer Valentine" entstammt, hat wohl zu seiner Zeit in einem solche Maße polarisiert, wie kein anderer zuvor. Waren vorher Werke wie "Mordum", "Men behind the Sun" oder "Salo - Die 120 Tage von Sodom" absolute Spitzenreiter in diversen "Top 10 der abartigsten Filme aller Zeiten" Internetlisten, so hat SVD doch auch jene Gemüter, welche sich als absolute Sickos ansahen, und vor nichts halt machten, erhitzt, denn SVD ist eben ein wenig "anders"...

Ein Grund hierfür ist wohl die Tatsache, dass bei SVD der Regiesseur, seine Ansichten, die Entstehungsgeschichte des Filmes, die "ideologischen Motive" sowie das Leben der Hauptdarstellerin "Angela LaVey" absolut untrennbar sind, und der "Mythos" SVD sich eigentlich nur erschließen lässt, wenn man diese Aspekte auch ein wenig kennt.

Der Südafrikaner "Lucifer Valentine" (wohl ein Pseudonym) wuchs zusammen mit seiner fast blinden, authistischen Schwester auf, mit welcher er später ein inzestuöses Verhältnis einging. Er filmte sie in seiner Kinder- und Jugendzeit ständig, und sie kommunizierte ausschliesslich mit ihm, und brauchte ihn auch, da sie selbst nur geschätzte 5 % ihrer Umwelt sehen konnte. Valentine ist bekennender Satanist (keine Ahnung nach wem, den Begriff kann man ja manigfach definieren), und lernte während eines Max Hardcore (Fetisch Pornographie) die Vorzüge der Emetophilie (sexuelle Erregung durch Erbrechen) kennen. Zeitgleich lernte er auch die Hauptdarstellerin von SVD kennen, deren Charakter 1 zu 1 mit dem Charakter aus SVD übereinstimmt, denn sie wohnte für ein Jahr bei ihm, und sie gingen ein dominantes Verhältnis ein, in dem sie alles tun musste, was er sagte, und er sie immer filmen durfte, wann er wollte. Diese Aufnahmen wurden dann bei SVD verwendet, und sind sozusagen echt, denn immer wenn die Hauptfigur erbrechend, heulend, unruhig schlafend oder volltrunken gezeigt wird, dann ist es die junge Dame, die bei ihm gewohnt hat. Seine Schwester/Freundin fand natürlich keinen Gefallen daran, dass er a) nicht bei ihr ist, b) mit einer anderen Frau wohnt, und c) sich erdreistet selbige zu filmen (denn dies war ja für sie vorbestimmt) und fügte sich ständig in seiner Abwesenheit Schmerzen zu, zB versuchte sie einmal mit einem Messer sich selbst die Kehle durchzuschneiden. Als er ihr von der Ertrinkungssequenz am Ende von SVD erzählte, und wie schön sie sei, spielte seine Schwester diese alleine an Silvester nach, und ertrank aufgrund der vorangegangenen Einnahme von Schlaftabletten. Das Verhältnis zu seiner Schwester gibt der Regiesseur als Hauptinspiration für SVD an.

Der Film selbst ist eine durch visuelle Effekte entfremdete Dokumentation über die zerrissene Person, mit der Valentine das "Vergnügen" hatte, zusammenzuwohnen. Man sieht sie häufig beim Erbrechen (Bulimie), wie sie Traumata aus ihrer Kindheit und  andere abgefuckte Geschichte zum Besten gibt, oder im volltrunkenen Zustand heult. Desweiteren gibt es auch einige wirklich verstörende Aufnahmen von ihr, wie sie im Schlaf spricht, und sich gegen imaginäre Feinde zu wehren versucht. Untermalt werden diese sehr ernsten und (wenn man die Hintergründe bedenkt) verstörenden Aufnahmen durch Valentine's sehr geschickten Gebrauch von düsteren Hintergrundklängen und visuellen Stilmitteln.

Desweiteren bekommt man eine Vielzahl von sehr gelungenen Splattereffekten, gepaart mit Pornographie geboten, und diese gehören teilweise wirklich zu den Abartigsten und schlichtweg Perversesten der Extremfilmgeschichte. Es wird zum Beispiel einer jungen, nackten Dame beide Augen ausgestochen (dies sieht man wirklich minutenlang in Nahaufnahme), täuschend echt dargestellt wohlgehabt, und daraufhin steht sie mit ausgestochenen Augen auf, steckt sich die Hand in den Rachen und erbricht sich auf einen Glastisch, unter dem sich die Kamera befindet (der Glastisch ist übrigens der beste Freund des Fetish-Porno Regiesseurs). Es gibt unter anderem auch eine Szene, wo eine asiatische Pornodarstellerin wie ein Hund an einer Leine durch den Raum gezerrt, und verprügelt wird, und daraufhin bei lebendigem Leibe die Haut vom Gesicht gezogen bekommt. Der Agressor ist ausnahmslos ein Mann mit schwarzen Handschuhen (wie bei einem Argento Film), der nur durch eine verzerrte, tiefe Stimme spricht. Die Mädchen tun ihr bestes, und man nimmt ihnen die Qualen absolut ab, und die Effekte, die wirklich absolut grandios sind, wirken durch Valentine's Schnittfolge, die Entfremdungen und den nervenzerfetzenden, aber passenden, Dark Ambient/Industrial Soundtrack beinah unerträglich hart und grausam.

Slaughtered Vomit Dolls macht keinen Spaß. Slaughtered Vomit Dolls ist kein Film, den man sich bei einer Pizza mit einigen Freunden anschaut, und unterhalten wird. In Slaughtered Vomit Dolls gibt es auch keine Teenager, die sich vorm Lagerfeuer befummeln, keine Killer mit Hockeymaske, keinen tschechischen Puff, in dem Amerikaner totgequält werden, und auch keinen alten, krebskranken Mann, der Leuten Fallen stellt, durch die sie über ihr bisheriges Leben nachdenken sollen. Trotzdem ist Slaughtered Vomit Dolls für mich ein absolutes Meisterwerk, und verbindet, ähnlich wie Subconscious Cruelty, Splatter, Realität, Wut und unschöne Aspekte des Lebens, zu einem verstörenden, unangenehmen Bastard von einem Kunstwerk, den man entweder lieben oder hassen, nicht aber spurlos an sich vorbeiziehen lassen kann.

Es gibt viele Arten von Menschen, denen Slaughtered Vomit Dolls gefallen könnte (KÖNNTE!), so zum Beispiel die Leute, die ständig die Extreme suchen, denn hier wird der Terminus "extrem" neu definiert. Desweiteren ist das Werk auch für Splatterfans durchaus ansprechend, da teilweise wirklich eine gnadenlose Härte übermittelt wird. Auch Fetish Porno Freunde kommen durch das ständige Erbrechen, und die ungewohnt offene Verbindung zwischen pornoartigem Touch und roher Gewalt auf ihre Kosten. Doch auch Kunstfilmfreunde, die an schwer zugänglichem Material wie älteren David Lynch Filmen, den Werken Iskanov's, Naked Lunch, Tetsuo oder Subconscious Cruelty ihren Gefallen gefunden haben, sollten mal einen Blick riskieren. Das Interessante hierbei ist, dass Slaughtered Vomit Dolls diese Facetten allesamt so gekonnt in sich vereint, dass man von einer Facette angezogen, von einer anderen Facette jedoch wieder komplett abgestoßen werden kann. Dies macht den Film so ruppig, und einzigartig, und ich denke, dass diese Zerissenheit auch ein Grundbestandteil der Weltsicht des Machers ist.

Ich will diesen Film jetzt keinem empfehlen, aber auch keinem nicht empfehlen, da es sich hier um einen der gewöhnungsbedürftigsten Filme überhaupt handeln dürfte. Dennoch ist dieser Film für mich ein absolutes Meisterwerk, bei dem man teilweise denkt, dass das pure Böse über den Bildschirm flimmert.

Die DVD von Unearthed bietet viele interessante Infos, ein gelungenes Layout sowie den Film selbst in ungeschnittener Form, zum ersten Mal als gepresste DVD. Insofern steht dem Kauf wirklich nichts im Wege.

Ich persönlich vergebe

10/10 Punkten!

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