Angela Aberdeen (Ameara LaVey) erlebte in ihrer Kindheit Vernachlässigung und sexuellen Missbrauch. Ihre Mutter war eine depressive Alkoholikerin, der Stiefvater verging sich an ihr und schlug sie. Im Alter von 14 Jahren lief sie von zuhause weg und kam bei einem lokalen Priester unter, der sie ebenfalls missbrauchte. Als Reaktion darauf schloss sie einen Pakt mit Satan und brannte die lokale Kirche nieder.
Angela floh in die Großstadt, wo sie eine Alkohol- und Drogensucht entwickelte, die sie mit Striptanz und Prostitution finanzierte. Als 19jährige endete sie in einem heruntergekommenen Hotelzimmer, wo ihre Abwärtsspirale in den Wahnsinn begann.
An diesem Punkt der Geschichte beginnt der Film. Wir begleiten sie in den letzten sechs Tagen ihres Lebens im Frühjahr 1994. An Bulimie erkrankt und unter Drogeneinfluss stehend, beginnt sie ihrem imaginären Freund Lucifer Valentine von ihrem kaputten Leben zu erzählen. Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend vermischen sich mit Albträumen und Visionen von Morden, die abwechselnd von Valentine, der eine weiße Maske und einen Hut trägt, sowie einem Mann mit Sonnenbrille namens Henry (Hank Skinny) begangen werden.
Angela betrinkt und erbricht sich wiederholt, und erneuert ihren Pakt mit Satan. Am 5. April 1994, dem Todestag von Kurt Cobain, tötet Angela sich schließlich selbst, indem sie sich in einer Badewanne ertränkt.
Ein Großteil der Geschichte wird nicht direkt aus dem Film ersichtlich, sondern ergibt sich aus den Kommentaren und Interviews des Regisseurs, welcher der Öffentlichkeit nur unter seinem Pseudonym Lucifer Valentine bekannt ist.
Der Film verzichtet auf eine klare narrative Struktur. Es wird bewusst mit allen Konventionen des Mainstreams gebrochen, da SVD, so wie die gesamte Vomit Gore - Reihe, den mentalen Zustand von Angela Aberdeen ausdrücken soll. Hier steht die düstere Atmosphäre im Vordergrund, die sich aus dem Schmerz, dem Wahnsinn und der Trauer der Protagonistin speist.
Um die dunkle Energie in Angelas Geist für den Zuschauer spürbar zu machen, wird mit extremen Sound- und Bildeffekten gearbeitet, die von Unschärfen über Zeitlupe, invertierte Farben und einiges mehr reichen. Wir erleben den seelischen und körperlichen Verfall von Angela. Im Kontrast dazu werden immer wieder reale Videoaufnahmen aus der Kindheit der Hauptdarstellerin dazwischengeschnitten.
Die verzerrten und schrillen Soundeffekte machen den Film trotz seiner kurzen Laufzeit von 72 Minuten besonders schwer erträglich.
Die schonungslosen Darstellungen von Gewalt und Perversion sollen Angelas Leiden und den psychologischen Horror reflektieren, den sie erlebt hat, herbeigeführt durch das Fehlen familiärer Stabilität und positiver Vorbilder.
Das übergeordnete Thema der Vomit Gore - Filme ist die Zerstörung der Unschuld und das dadurch verursachte Trauma. Die Opfer - die “geschlachteten Kotzpuppen” - sind keine realen Menschen, sondern stehen für die aufgespaltenen Teile von Angelas Persönlichkeit.
Das Erbrechen symbolisiert den Versuch, sich von den inneren Dämonen zu reinigen, die vom Vater über den Missbrauch in das junge Mädchen hineingepflanzt wurden.
Einige Kritiker versuchen dem Werk seine künstlerische Ambition abzusprechen und ihn als reinen Exploitation-Film hinzustellen. Es mangele Valentine an “kritischer Distanz”.
Hierzu sei gesagt, dass Valentine überhaupt keinen Hehl daraus macht, dass es sich um einen Fetisch- und Gorefilm handelt. Schließlich hat er seinem Genre selbst den Namen “Vomit Gore” gegeben. Es ist nur eben kein reiner Gewaltfilm, sondern hat eine tiefere Ebene. Der darauf folgende Einwand, derart ernste Themen wie Kindesmissbrauch, Bulimie und Traumata bräuchten eine sachlichere Darstellung und Einordnung, geht an Valentines Herangehensweise völlig vorbei. Sein Zugang ist ein anderer.
Valentine hat im echten Leben neben seiner offensichtlichen Emetophilie eine
sadomasochistische Affinität zu gebrochenen Frauen, welche laut eigenen Aussagen aus der Beziehung zu seiner autistischen Schwester gewachsen ist. Daher kommt auch sein Einfühlungsvermögen für das Seelenleben der Protagonistin.
Er und Hauptdarstellerin Ameara LaVey, die mit bürgerlichem Namen Brandy Petrie hieß, waren privat befreundet.
Sie wurde anscheinend als Kind missbraucht und lief später von zuhause weg.
Brandy hatte ein Problem mit Drogen und Alkohol, außerdem hatte sie Bulimie und nahm Medikamente gegen ihre psychischen Probleme. Sie wohnte zunächst bei ihrem biologischen Vater, den sie kaum kannte, bis er sie im Jahre 2003 rauswarf. Also klopfte sie bei Valentine an und bat um Unterkunft. Er willigte unter zwei Bedingungen ein: er konnte sie filmen, wann immer er wollte, und sie musste alles tun, was er ihr sagte - so entstand Slaughtered Vomit Dolls.
Im Stile des Method Acting filmte Valentine die junge Brandy über fünf Monate von morgens bis abends in allen möglichen Situationen. Das daraus zusammengeschnittene Material bildet den Rahmen des Films. Valentine will lieber zeigen statt erzählen, laut seiner Aussage soll SVD das Trauma der Protagonistin versinnbildlichen.
Der reale Hintergrund von Brandy vermischt sich mit der fiktiven Person Angela. Tatsächlich hatte sie als Striptänzerin gearbeitet, allerdings nicht als Prostituierte.
Die Umstände des Drehs und der Hintergrund der Hauptdarstellerin verleihen dem Film eine gewisse Authentizität, die ihn von gewöhnlicher Gore-Exploitation abhebt und ihm seine Originalität verleiht.
Ohne die außergewöhnliche Ausstrahlung von Brandy Petrie und ohne die jugendliche Unbekümmertheit, mit der sie sich auf das Projekt einließ, wäre SVD so nicht möglich gewesen. Sie ist zu gleichen Teilen süß und kaputt, ganz ohne Schauspiel.
Brandy wurde am 1. September 2017 im Alter von 34 Jahren bei einem missglückten Drogendeal erschossen (RIF).
So manche Undergroundregisseure haben nach Slaughtered Vomit Dolls versucht, ähnlich verstörende Filme zu drehen, und sind dabei oft in allen Belangen gescheitert. Neben den besonderen Umständen, der einzigartigen Hauptdarstellerin und dem Einfühlungsvermögen fehlt es diesen Nachahmern zumal an dem Verständnis, dass Experimentalfilme nicht grundsätzlich mit Bildfiltern und verzerrtem Sound arbeiten müssen. Dies KANN ein Stilmittel unter vielen sein, sollte aber nicht klischeehaft reproduziert werden. Valentine selbst hat dies in dem Nachfolger ReGOREgitated Sacrifice (2008) gezeigt.
Schließlich geht es im Experimentalfilm darum, Konventionen zu brechen, und nicht neue Konventionen zu etablieren.
Valentine, der seine Identität stets geheim hält, erwähnte einige Hintergrundinformationen zu seiner Person. Seine Eltern sollen Satanisten gewesen sein und er habe ein inzestuöses Verhältnis zu seiner autistischen Schwester gehabt, die sich aus Eifersucht auf Brandy angeblich genauso das Leben nahm, wie Angela in SVD. Wieviel davon Wahrheit und was Legende ist, bleibt ungeklärt.
Mindestens drei verschiedene Personen wurden im Internet als Lucifer Valentine identifiziert, doch es ist nicht sicher, ob er tatsächlich eine dieser Personen ist. Wir bekommen sein Gesicht nie zu sehen, er hat in SVD nur ein paar kurze Auftritte, in denen er eine weiße Maske trägt. Ansonsten sieht man nur seine Hände.