Eine Plautze füllt die Leinwand - Jack Black is back und macht das was er am besten kann, eine Dauerperformance seiner selbst.
In "Nacho Libre" bekommen wir Jack pur - wir sehen ihn von oben ,unten, hängend, liegend und immer wieder durch die Luft fliegend und das meistens bauchfrei. Jack Black hat sich die Rolle quasi auf den Bauch geschrieben und dazu eine passende Umgebung gewählt - das staubige mexikanische Hochland.
Hier lebt er als Mönch Ignacio in einem alten Kloster und kümmert sich um das Essen für die Waisenjungen. Innerhalb der Klosterstruktur ist er seit Ewigleiten der Depp, aber als er in der nahegelegenen Kleinstadt einen erfolgreichen Wrestler namens Ramses mit Goldmaske sieht, schmiedet er Pläne, wie er dem armseligen Leben in seinem Kloster entkommen könnte. Besonders als die schöne Ordensschwester Encarnation (Ana de la Reguera) in das Kloster eintritt, für die er sich jenseits des Keuschheitsgelübdes sehr erwärmt, gibt es für ihn kein Halten mehr - er überredet den verwahrlosten und abgemagerten Esqueleto (Hector Jimenez) mit ihm ein Wrestling-Team zu bilden und tritt als "Nacho Libre" ins Scheinwerferlicht.
In der Folge gibt es eine Vielzahl diverser Wrestling-Szenen, in Mexiko "Lucha Libre" genannt, die fantasievoll in Szene gesetzt sind und noch die interessantesten Szenen des Filmes darstellen. Natürlich verläßt Jack mit seinem Kumpel den Ring meist als Verlierer, aber was heißt das schon beim Wrestling und so verdienen die Beiden recht schnell ordentlich Knete. Nur ist das natürlich nicht besonders befriedigend für das Ego und das ist Bruder Ignacio in der Regel am Wichtigsten...
Jack Black spielt seine Rolle gewohnt selbstbewußt, trotz ständiger Niederlagen sind ihm Selbstzweifel völlig fremd. Obwohl er ein echter Kotzbrocken ist, wirkt er in seinem Charakter immer grundehrlich und authentisch, weswegen ihn die Waisenjungen auch lieben. Das ist eine Stärke in Jack Blacks Vita, daß er meist negative, eher dämliche, aber immer an völliger Selbstüberschätzung leidende Charaktere spielen kann und man ihn trotzdem symphatisch findet. Das war in "High Fidelity" und " Schwer verliebt" so und nicht zuletzt in "School of Rock", wo er ja auch einen totalen ,an fehlender Selbstkritik leidenden Loser gab, der aber zuletzt eben doch von "seinen Schülern" tatkräftig unterstützt wurde und bei dem natürlich auch eine Läuterung eintritt.
Genau nach diesem Muster ist auch seine Rolle in "Nacho Libre" angelegt ,nur ist hier das Umfeld völlig anders gestaltet und daran scheitert leider auch der Film. Denn während er in den früheren Filmen immer einen Antipoden zu seiner Umgebung darstellte und in "School of Rock" etwa der besonders korrekten Direktorin der besonders hochwertigen Privatschule für besonders reiche Kids mit seinem anarchischen Auftreten das Weltbild verrückte, so ist hier die Umgebung völlig armselig - sämtliche handelnde Personen außer Schwester Encarnation zeichnen sich durch Skurrilität fast bis zur Häßlichkeit aus und das Ganze ist in einer Optik gestaltet, die an billige Pornofilme der 70er Jahre erinnert.
Außerdem war Jack Black in den obengenannten Beispielen auch immer eine Person mit besonderen Fähigkeiten. Auch wenn er diese manchmal etwas zu sehr an die große Glocke hängte, so stellten sie doch eine gewisse Rechtfertigung seiner Selbstüberschätzung dar, hier dagegen ist er grundsätzlich ein Dilettant. Dadurch wirken seine Auftritte fast peinlich unangenehm, besonders als er bei dem ersten gemeinsamen Spaziergang mit der angebeteten Ordensschwester völlig überzogene häßliche Bewegungen macht in trashigen, seinen Körper auf das unvorteilhafteste betonenden hellblauen 70er Jahre-Klamotten. Oder als er zum Beispiel vor einem Wettkampf ein ausgedachtes Lied über seine Liebe zu Encarnation vorträgt - natürlich völlig geistlos und atonal - ist das nur schmerzlich, aber nicht im geringsten witzig.
Okay, Freunde des Trashs können hier zu recht entgegnen, daß mir das entsprechende Gefühl für diese Kunstform fehlt, aber sie sollten sich fragen, ob ein solch konstruiertes Werk wirklich diesem Anspruch genügt. Denn außer das hier um des Trashs willen eine idiotische Szene an die andere gereiht wird, fällt mir keinerlei Intention ein, die die Macher verfolgt haben könnten.
Weder wird hier irgendetwas kritisiert oder in Frage gestellt, noch wird irgendeine Denkweise damit persifliert. Denn hier gibt es kein glattes, oberflächliches Leben, dem durch die zwar häßlichen und unfähigen, aber liebenswerten Personen die Grenze aufgezeigt wird - selbst die reichen Manager der Wrestlingszene wirken in ihren 70er Outfits und ihren Standardsprüchen trashig und wenn dann noch die fette Tochter des Obermackers in ihrem rosa Barbie-Outfit geil hinter dem spindeldürren Esqueleto herjagd, fällt es schwer, in diesem Film eine kritische Antwort auf die sonst geleckten, nur mit schönen Menschen befrachteten Hollywood-Glanzprodukte zu sehen. Dafür ist diese Darstellung viel zu erniedrigend. Und dafür wird viel zu sehr Schwester Encarnation in ihrer Schönheit in den Mittelpunkt gestellt - selbst der dicke, pudelköpfige Ignacio hat kein anderes Schönheitsideal...
Das Alles wäre irgendwie noch zu ertragen und könnte als oberflächlich dahinplätschernde Revue der Geschmacklosigkeiten, die dabei noch nicht einmal ins Extreme (und damit wieder konfrontierende) abgleiten, abgetan werden - für Fans des Trashigen geeignet - wenn da nicht die unsägliche Sprache wäre. Obwohl der Film ausschließlich in Mexiko spielt und größtenteils mit mexikanischen Schauspielern besetzt ist, wird die ganze Zeit mit einem starken spanischen Akzent gesprochen, was völlig schwachsinnig und unsinnig ist - so als sprächen die Mexikaner ständig englisch. Zusammen mit der oberflächlichen, völlig heruntergekommenen Darstellung des Landes ergibt das trotz der herben Schönheit der Landschaft ein ziemlich lächerliches Bild Mexikos.
Fazit : bewußt trashiges Machwerk, daß Jack Black als dicken unfähigen Vollzeitangeber mit dem Herzen auf dem rechten Fleck in den Mittelpunkt stellt und ihm als Vehikel dient, sich mal so richtig auszuleben. Die dargestellten Wrestlingszenen sind ganz unterhaltend, der Rest langweilt in seiner Voraussehbarkeit und völligen Konformität. Besonders unangenehm ist aber die Verunglimpfung des Landes Mexiko und diverser Menschengruppen, die hier der Lächerlichkeit preisgegeben werden.
Das hat nichts mit Kritik an irgendwelchen Mißständen zu tun, sondern ist nur der dauernden Abfolge von möglichst witzigen Szenen geschuldet. Ich, der ich bisher Jack Black in seinen Rollen immer besonders gemocht habe und sehr witzig fand, konnte an diesem Film nichts Komisches entdecken und plädiere für sein möglichst schnelles Verschwinden (2/10).