Finden sie die Vorstellung, Jack Black in langen Spandexhöschen zu sehen, komisch?
Die Frage ist nicht gerade unbedeutsam, denn an ihr ist festgemacht, ob sie mit „Nacho Libre“ etwas anfangen können oder nicht.
Das heißt gleichfalls, das sie noch steten Kontakt mit ihrem inneren Achtjährigen haben sollen, ansonsten geraten sie ggf. in den falschen Film.
Ich habe keine Ahnung, wer in diesem Fall wen bestochen hat, diesen Film zu finanzieren, Tatsache ist jedoch, das der Film reichlich Kohle gemacht hat und einer der Überraschungshits des Sommers war.
Sucht man nach Gründen, so dürfte sich wohl an drei Fronten eine Antwort finden: der ist kinderkompatibel, er dreht sich ums Wrestling und er spricht in erster Linie den hispanischen Bevölkerungsanteil der USA an. Kein Wunder also, dass bei 32 Mio. Herstellungskosten gleich in der Erstauswertung 80 Mio. hereinkamen, ein sattes Plus für den Komödianten Black, der hier nach „School of Rock“ das zweite Mal bemüht ist, einen Film selbst zu tragen.
Nur leider sind wir nicht in „God’s own country“ und so muß man „Nacho Libre“ natürlich auch mit deutschen Maßstäben bewerten.
Was haben wir denn da?
Eine etwa 90minütige flickenteppichähnliche Sketchparade rund um einen rundlichen Mönch in einem armen mexanischen Waisenhaus cum Kloster, der sich seinen Traum erfüllt, ein berühmter „Luchador“ (Wrestler) zu werden, natürlich mit Maske und demzufolge unerkannt.
Was aber nicht ganz so einfach ist. Logo.
Irgendwo durch diese Szenencollage zieht sich also ein brüchiger roter Faden, an dem so ziemlich alles hängt und das ist nicht wenig. Da ist Nachos erblühende Liebe (oder ist es nur sexueller Notstand?) für die Nonne Encarnation; da ist sein dünner und hässlicher Teampartner (Hector Jimenez), der überzeugt sein will; da ist sein Traum und natürlich die Waisenkinder und komisch muß das alles auch noch sein.
Ist es auch – manchmal.
Die Autoren scheinen sich bemüht zu haben, unbedingt nicht das abzuliefern, was man von so einer Geschichte erwarten könnte, nämlich der leidensvolle Weg und der Triumph am Ende und kommen schlussendlich doch nicht darum herum.
Die Geschichte tritt immer wieder auf der Stelle (da Nacho ständig verliert) und wird von Szenen zugepfropft, die irgendwie nicht so viel Sinn machen. Oder eben gar keinen, wie eine besonders sinnfreie Trainingsszene, in der Nacho seinem Partner erst Kuhscheiße ins Gesicht reibt, um ihn dann mit einem Plastikpfeil abzuschießen (?????).
Häppchenweise und ruckhaft kommt die „Story“ voran, hat aber außer dem physischen Einsatz seines Hauptdarstellers kaum etwas zu bieten.
Der allerdings ist lobenswert, denn die Catch-Szenen, die Black bestreitet, gehören durch die Bank weg zum unterhaltsamsten Teil des Films. Den Rest des Humors bezieht der Film aus Blacks „Zur-Schau-Stellen“ seiner Klamotten, bzw. seines Stretch-Kostüms.
Das führt letztendlich zu einer Art spätem Spencer/Hill-Film, der auch noch durch die ohrwurmverdächtigen Songs in deren Nähe gerückt wird, garantiert rezeptfrei einnehmbar bis 12 Jahre.
Was bleibt ist ein manchmal charmanter, manchmal bewusst grober Prügelcomic mit einigen grotesken Momenten, die aber selten geschmacklos sind, wofür man ja schon dankbar sein muß.
Aber irgendwie beschleicht einen das Gefühl, „Nacho Libre“ sollte anders sein, origineller, anarchistischer, innovativer.
Leider hat man sich nicht entscheiden können, also hat man nichts von alledem gemacht.
„Chancho,“ sagt er an einer Stelle zu einem Waisenjungen, „wenn du ein Mann bist, musst du manchmal in deinem Zimmer Stretchhosen tragen, nur so zum Spaß!“
Ja, Jack. Und manchmal, selbst wenn es eine Komödie ist, sollte ein Film ein Drehbuch haben. Nur so zum Spaß!. (4,5/10)